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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Dopen und taufen

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Schlimm, diese Dopingaffären, die jetzt der Reihe nach auffliegen. Die Tour de France wäre beinahe deshalb geplatzt. Ein Spitzensportler nach dem anderen bekennt, dass auch er Aufputschmittel genommen hat.

Ich frage mich, warum Menschen sich so was antun – nicht nur dass sie sich durch diese Mittel ihre Gesundheit ruinieren, sondern auch, warum sie denn mit Höchstgeschwindigkeit durch ganz Frankreich radeln müssen. Kann man das denn ohne Drogen durchhalten?

Wie so viele Fachausdrücke kommt das Wort Doping aus dem Englischen. Wir haben unsre Probleme mit der Aussprache (sagt man "dooping" oder "douping"?) und der Rechtschreibung: Das englische Partizip doped ergibt deutsch gedopt, das ich "gedoppt" lesen würde.

Im Englischen ist dieses Wort selbst ein Fremdwort. Es kommt aus dem Niederländischen. Dort ist dopen 'taufen, eintauchen, tunken', doop ist nicht nur die 'Taufe', sondern auch die 'Tunke' oder 'Soße', in der man Brot eintaucht. In England bekam das Wort die Bedeutung 'dickflüssige Droge, Opium' und schließlich 'Aufputschmittel'. Das verwandte englische Wort dip 'Tunke' kennen wir aus der Küche. Im Dip werden die Brocken eingetaucht, während sie mit der Soße übergossen werden.

Ähnlich ist es ja auch bei der Taufe: Heute werden die Täuflinge mit Wasser übergossen, ursprünglich wurden sie darin eingetaucht. Die verwandten Wörter, deutsch taufen, holländischen dopen und englisch dip haben dieselbe Grundbedeutung 'tunken, ins Wasser versenken'. Ein weiterer Zusammenhang besteht zu tief, diep, deep.

Schon Paulus hat das Christentum mit dem Sport verglichen: Ein Langstreckenläufer hat nur einen Gedanken: die Medaille zu gewinnen. Er bleibt nicht stehen, um Blumen zu pflücken oder ein Schwätzchen zu halten, er läuft immer weiter. So auch ein Christ: Er will das ewige Leben erringen und legt sich deshalb manche Einschränkungen auf.

Manche Leute sehen Glauben ja tatsächlich als eine Art Leitungssport an: Als Christ darfst du nicht … und musst du … Dann gewinnst du den Preis und findest Anerkennung bei Gott.

Die Taufe zeigt uns aber etwas Anderes: Sie steht nicht als Belohnung am Ende, sondern als Vorgabe am Anfang unsres Glaubenslebens. Ganz besonders deutlich wird uns das bei der Säuglingstaufe: Ein Baby kann ja wirklich noch gar nichts. Es kann nichts tun, um sich die Anerkennung der Eltern zu verdienen. Es braucht aber Zuwendung, sonst kann es nicht leben. Zuwendung und Liebe am Anfang unsres Lebens sind ein Kapital, von dem wir ein Leben lang zehren. So ist es auch mit der Liebe Gottes. Die Taufe ist ein Zeichen dafür, dass wir seine Kinder sein dürfen.

   

 

 

 

 

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Datum: 2007

Aktuell: 27.03.2016