Heinrich Tischner

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Was ist Seele?

 

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Sprachliches

Die Psyche als Funktion des Nervensystems

Die Persönlichkeit

Himmel und Hölle

 

Sprachliches

Woher das Wort Seele kommt, ist umstritten, vielleicht als germ. *śaiwala (mit s mobile) zu idg. *ḫaıʊ- 'Lebenskraft, Lebenszeit'

Nicht verwandt ist Seele mit selig 'glücklich' (ahd. sâlîg).

Im Unterschied zu "Geist" hat "Seele" eine engere Bedeutung und bezeichnet etwas, was mit einem einzelnen Menschen verbunden ist: sein Inneres (Gemüt, Gefühl, Emotionen), seine Persönlichkeit, seine Person ("In dem Dorf wohnen 1348 Seelen"), das unvergängliche Etwas, das den Tod überdauert. Die metaphysische Bedeutung 'Persönlichkeit, die den Tod überdauert' scheint aus lat. anima, griech. ψυχή psykhḗ übernommen zu sein.

Die Psyche als Funktion des Nervensystems

Unser heutiges Verständnis von Seele ist stark von der Psychologie beeinflusst. Wir neigen dazu, "Seele" auf das zu beschränken, was wir in unserem Innern spüren, was vom Psychologen erforscht und vom Psychiater behandelt wird (Wahrnehmung, Trieb, Wille, Emotion, Gedächtnis, Intellekt, Bewusstsein usw.). Diese "Psyche" wird reduziert auf Funktionen unseres Nervensystems und Auswirkungen unserer Hormone. All das kann den Körper nicht überleben, weil es an den Körper gebunden und vom Körper abhängig ist.

Die Persönlichkeit

Was die Alten mit einer "unsterblichen Seele" meinten, ist etwas ganz anderes: der Kern unserer Persönlichkeit. Nach der Informationshypothese besteht Geist aus Information und kann in bit gemessen werden. Da Seele eine Sonderform von Geist ist, besteht auch sie aus Information: alles, was sich über einen Menschen sagen lässt, über seinen Körper, seinen Charakter, sein Leben, seine Anlagen und das, was er und andere daraus gemacht haben. Um das darzustellen, brauchen wir kein mehrbändiges Lexikon. Die wesentlichen Daten lassen sich auf wenigen Seiten, ergänzt durch mit ein paar Photos, zusammenfassen, extrem komprimiert sogar auf den Namen.

Da Seele heute missverständlich ist, sollten wir für den unsterblichen Teil des Menschen lieber "Persönlichkeit" sagen.

Himmel und Hölle

Was den Tod überlebt, das sind nicht unsere Gefühle, unser Wille, unser Bewusstsein usw., sondern diese Informationen. Sie leben nicht nur eine Zeit lang im Gedächtnis der Nachwelt weiter oder in dem, was wir geschaffen haben, sondern auch und vor allem im Gedächtnis Gottes. "Unsere Namen (und Daten) sind im Buch des Lebens geschrieben" oder auf der "himmlischen Festplatte" gespeichert und können von Gott jederzeit wieder abgerufen und rekonstruiert werden. Das wäre die "Auferstehung". Vielleicht begnügt Gott sich auch damit, dass er diese Daten hat und auswerten kann. Das wäre das "ewige Leben".

Es kann aber auch sein, dass Gott uns aus irgendwelchen Gründen wieder vergisst oder auf unseren Antrag von der "Festplatte" wieder löscht. Datenschutz gibt's auch immer Himmel. Es wird niemand gezwungen, sich dort aufzuhalten.

Die Hölle muss nicht ein Ort sein, an dem die Verdammten sadistisch gequält werden, sondern der Zustand der Verlorenheit oder Vergessenheit – ein schrecklicher Zustand aus der Sicht  eines Menschen, der auf das ewige Leben hofft.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Datum: 2004 / 2006

Aktuell: 20.04.2017