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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Totenglaube und Bestattungsbrauch

Heimatbuch Georgenhausen / Zeilhard / Dilshofen 21-23 (1986)

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Eine wichtige Bedeutung für die Religion hat wohl von Anfang an der Totenglaube, verbunden mit verschiedenen Bestattungssitten, gehabt. Nachklänge dieser Vorstellungen finden wir bis in unsere Zeit:

  • Wo man die Toten in Einzelgräbern beisetzte, kam der Glaube auf, dass der Tote sich in der Nähe des Grabes aufhält. Diese Auffassung macht einen sehr altertümlichen Eindruck. Als sich andere Ideen durchsetzten, blieb man dabei, dass in besonderen Fällen die Seele anders als gewöhnlich in der Nähe des Grabes ihr Wesen treibt und den vorübergehenden Wanderer erschreckt. Solche 'armen Seelen' finden 'keine Ruhe', weil sie entweder ein Verbrechen begangen hatten oder einem ungesühnten Verbrechen zum Opfer gefallen sind, weil sie nicht in geweihter Erde beigesetzt wurden, weil sie einen bisher unentdeckten Schatz vergraben hatten, oder weil sonst etwas nicht geregelt worden war. Man kann sie erlösen, indem man die Sache in Ordnung bringt, den Verbrecher bestraft, die Leiche ordentlich beisetzt oder den Schatz hebt.
    Man hoffte aber nicht nur auf die Hilfe der Toten, sondern fürchtete auch ihr Wiederkommen und versuchte, sich durch Abwehrzauber dagegen zu schützen. Dies dürfte ursprünglich der Grund gewesen sein, weshalb man begann, drei Schippen Erde ins Grab zu werfen oder Steine aufs Grab zu legen (jüdischer Brauch): Man wollte so die Toten ins Grab bannen.
  • Dagegen scheint der Glaube an einen gemeinsamen Aufenthaltsort der Toten unter der Erde mit der Sitte von Gemeinschaftsgräbern zusammenzuhängen. Die Germanen nannten diesen Ort Hel (daher kommt unser Wort Hölle).
  • Schließlich musste die Leichenverbrennung dazu führen, dass man glaubte, die Geister der Verstorbenen gingen durch die Einäscherung in die Luft über, wo sie im Sturm mit dem wütenden Heer einherfahren.

Natürlich haben sich die Begräbnissitten im Laufe der Zeit gewandelt, während man an den alten Vorstellungen weiter festgehalten hat. In den letzten Jahrtausenden lässt sich kein Zusammenhang mehr zwischen Bestattungsbrauch und Totenglauben feststellen; die Anschauungen müssen also in sehr alter Zeit entstanden sein. So glaubten die Griechen an ein unterirdisches Totenreich, den Hades, obwohl sie zur Zeit Homers ihre Leichen verbrannten; die uns bekannten Germanen dagegen begruben ihre Toten und

   

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Datum: 1986 / 2009

Aktuell: 26.03.2016