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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Geschichte von Dilshofen

Neufassung des Kapitels aus dem Heimatbuch 1,97 f (1982)

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Wildhube zu Dilshofen

Hessische Rechte

Die Dilshöfe

Hofgut Dielsheim

 

Am Beispiel Dilshofen lässt sich noch heute die territoriale Zersplitterung erkennen: Dem modernen Betrachter bietet sich das Örtchen als eine einheitliche Siedlung, bestehend aus drei Bauernhöfen und einem Neubaugebiet. Dann aber muss er sich sagen lassen: Der westliche Hof Dielsheim gehört zu Ober-Ramstadt, der Rest des Ortes zu Zeilhard. Und vor 1977 ging zugleich auch die Grenze zwischen den Landkreisen Darmstadt und Dieburg mitten durch das Dorf.

Ähnliche Verhältnisse haben vor dem 30jährigen Krieg auch in Georgenhausen, Groß-Zimmern und vielen anderen Orten geherrscht.

Wildhube zu Dilshofen

Ursprünglich muss Dilshofen eine politische Einheit gewesen sein, wie der Name Dilshofen = Dielsheim + Dilshof erkennen lässt. Die Unterscheidung der beiden Höfe geht wohl nicht auf die politische Zersplitterung, sondern auf das Wachstum des Weilers zurück.

Die Pluralform des Namens erscheint schon auf den ältesten Urkunden. [1] Damals war der Dilshof eine Wildhube im Bannforst Dreieich.

Der Wildhübner hatte Sitz und Stimme beim Dreieicher Maigericht und hatte dafür zu sorgen, dass die strengen Bestimmungen des Wildbanns eingehalten wurden. Außerdem musste er dem Kaiser Unterkunft und Verpflegung gewähren, wenn er im Bannforst jagte.

Die Wildhube war eigentlich ein kaiserliches Lehen an den Vogt zu Münzenberg, wurde aber unter dessen Vorsitz vom Maigericht verwaltet und weiter verliehen.

Der Vogt war zugleich auch der oberste Gerichtsherr; die Wildhuben bildeten anscheinend ursprünglich eine Zent für sich. Deshalb war noch im 18er-Jahrhundert unklar, zu welcher Zent der Dilshof gehörte: eigentlich weder zu Lichtenberg noch zu Umstadt noch zu Georgenhausen. [2]

Mit der Bayrischen Fehde 1504 scheint die Wildhube erloschen zu sein. Als 1512 die Huben neu verliehen werden sollten, stellte sich heraus, dass einige dieser Höfe mit dem Wildbann gar nichts mehr zu tun hatten und anderen Herren gehörten. Man hat deswegen genaue Untersuchungen angestellt, die Pächter der abgegangenen Güter verhört und auch frühere Verleihungsprotokolle studiert. So stellte sich folgendes heraus:

»In Dielßhoffen seinen zwei Höfen hat

  • Contz Soddel den einen Hof von Johan von Loerheim gepachtet;

  • den andenen Hof haben Hanss Hilboldt und Jorg Meyhe von Spachbrücken gepachtet, und zwar von Jorg Loew von Steinfurth.

Sie sagen, sie wissen von keiner Wildhube, sondern sie haben diese Höfe in Pacht.

  • Contz Soddel gibt Johann von Loerheim von seinem Hof 9 Gulden, außerdem 1 Simmer Hafer denen von Jorgenhausen und Zilhort als Wildhafer der von seinetwegen weiter nach Langen zu bezahlen ist.

  • Die anderen beiden Hofmänner Hanß Hilbolt und Jorg Meye geben Jorg Loew jährlich 10 Gulden als Pacht sowie (Fron-)Dienst und alle Gerechtigkeit; sie geben keinen Wildhafer und nichts im Wildbann zum (Dreieichen‑)Hayn; sonst tun sie den Schenken zu Erbach ab und zu im Jahr einen oder zwei Dienste in freier Absprache, und aus keiner anderen Gerechtigkeit als dafür, daß sie Wasser und Weide gebrauchen und jährlich einige Wiesen von den Schenkischen Amtleuten in Pacht haben.

Der gnädige verstorbene Herr Landgraf habe den erwähnten Johann von Loerheim und Jorg Loew diese obgenannten zwei Höfe zu Lehen gegeben; sonst wissen sie über die Wildhube nichts weiter zu berichten.

Diese folgenden Aufzeichnungen findet man in den Wildhube, ist aber kein Datum dabei geschrieben: "Pfiffers Henn hat eine ganze Wildhube empfangen und darüber sein Recht gegeben; und ist diese Hube gelegen zu Dilßhoffen." « [3]

Hier ist also erstmals von zwei Höfen die Rede. Beide wurden von dem inzwischen verstorbenen Landgrafen Wilhelm II. an zwei Edelleute verliehen, die sie weiterverpachteten. Dabei fällt auf, dass der eine Hof, der keinen Wildhafer zahlt (also die frühere Wildhube), an zwei Parteien verpachtet wird: Erster Hinweis auf die Existenz eines dritten Hofes.

Hessische Rechte

Die Landgrafen von Hessen haben 1479 Land und Eigentum der verstorbenen Grafen von Katzenellenbogen geerbt. Nach ihren Kassenbüchern haben diese Grafen schon 1451 und 54 Einkünfte aus Dilshofen bezogen: 6 ½ Pfund Zins und 3 ½ Pfund vom Kleinen Zehnten.[4]

In der zweiten Abrechnung [5] folgen eine Reihe weiterer Einnahmen ohne Ortsangaben; es sieht also so aus, als kämen diese Gelder in Gesamthöhe von 16 ½ Gulden 12 Schillingen ebenfalls aus Dilshofen, wie die folgende Aufstellung:

Name

Bezeichnung

fl

s

 

Heylle Wencz

Garten

 

 

2

 

Hanmann Loicze

 

 

 

3

 

Styber

Garten

 

 

2

 

Peter Monche

 

 

 

2

½

 

Viehgeld, ausgeliehen an den Schultheiß

14

 

 

 

 

Weinkaufgeld, Zehnter

1

 

 

 

Eygelman

Höfe

1

 

 

 

David

Hof

1

 

 

 

Ruck Keczfedder

Hof (hat Kolmans Sohn)

 

 

10

 

Henclin Walther

Hof

 

 

10

 

Summe laut Quelle

16

½

12

 

Summe aller Posten

17

 

29

½

Es ist kaum vorstellbar, dass die Einnahmen aus Dilshofen innerhalb weniger Jahre von 6 ½ Pfund = 3 Gulden 20 Schillinge auf 16 ½ Gulden 20 Schillinge gestiegen sind. Abgesehen von der kleinen Differenz in Quelle und errechneter Summe gab es in Dilshofen auch nicht mindestens 5 Höfe und 2 Gärten, die alle Katzenellenbogen steuerpflichtig waren, und keine neun Familien nebst Schultheiß. Die Angaben stammen also wohl aus einem oder mehreren anderen Orten. [6]

Soviel scheint sicher zu sein, dass Katzenellenbogen und später Hessen schon vor der Bayrischen Fehde Besitzungen in Dilshofen hatten, wahrscheinlich den Hof Dielsheim oder Teile davon. In diesem Krieg wäre dann ganz Dilshofen von Hessen erobert und neu vergeben worden.

Die Dilshöfe

Wagner [7] gibt an, der Dilshof hätte der Familie Rabenold gehört, bevor er an Loew von Steinfurth verliehen wurde. Dieser hat ihn dann wohl am Kamptz zu Godow verkauft, der ihn 1650 an Haxthausen weiter vererbte.

Das Gut wurde von Hofleuten bewirtschaftet: bis 1722 Familie Kloster, seit 1723 Familie Neiß (ab 1794 nicht mehr nachweisbar). Haxthausen verkaufte dann im Jahr 1807 den Dilshof an Georg Adam Wörner aus Richen, der ihn seinem älteren Sohn Friedrich Jacob vererbte. Das Gut befindet sich heute noch im Besitz dieser Familie (seit 1960 Schwiegersohn Krumpholz).

Seinem jüngeren Sohn Friedrich Ludwig baute Georg Adam Wörner 1826-30 den Neuen Dilshof, der seit 1861 von seinem Schwiegersohn Georg Franz Kaffenberger und dessen Nachkommen bewirtschaftet wird.

Hofgut Dielsheim

Dieses Hofgut, das sich 1512 (A 29) im Besitz von Johann Von Loerheim befand, war wohl schon immer Darmstädtisches Lehen gewesen, wie wir gesehen haben.

Müller [8] führt einen Eintrag aus dem Salbuch Lichtenberg an, wonach Burkard von Hertingshausen, Amtmann zu Lichtenberg vor 1630 »die beiden Höfe« an von Rodenhausen und Munch von Buseck verliehen habe. [9] Hertingshausen hat wohl im 16. Jahrhundert in Nachfolge von Loerheim und Steinfurth Dilshofen zum Lehen bekommen und weiter vergeben.

Die obige Notiz steht allerdings im Widerspruch zu einer anderen, nach der bereits 1627 Landgraf Georg I das Hofgut Dielsheim an den Darmstädter Geheimen Rat Johann Philipp Kleinschmitt verliehen hatte. (Oder bezieht sich der Eintrag von 1630 auf den noch immer geteilten Dilshof?). Die Familie Kleinschmitt behielt den Hof bis zu Jahr 1971. Seitdem wird er von Familie Vogt bewirtschaftet. [10]

Auch dieses Gut wurde von Hofleuten bewirtschaftet; im Unterschied zum Dilshof lassen sich ihre Namen aber nicht mehr in lückenloser Reihenfolge feststellen:

1724 Kloster

1746-62 Wolf

1762-95 Löffler

um 1820 Friedrich Wörner.

Dielsheim gehörte schon seit langer Zeit zu Ober-Ramstadt. Bereits Steiner deutet 1827 an, dass nach alten Berichten die Grenze zwischen dem Umstädter und Lichtenberger Zentbezirk mitten durch Dilshofen gegangen sei, »und zwar dergestalt, dass ein in dem alten Haxthausischen Hofhaus in den Küche neben dem Feuerhemd stehender Stein um ein ähnlichen in dem Kleinschmidtischen Hofhaus als dem anderen Theil des Gutes, die Gränze zwischen Lichtenberg und Habitzheim oder Umstadt scheidet«. [11]

Seit 1845 gehört Dielsheim auch kirchlich zu Ober Ramstadt.

   

 

 

 

 

 

 

 

[1] {A 4} 1338 und {A 21} 1446

Die Nummern in geschweiften Klammern beziehen sich auf die Urkunden im 1. Band des Heimatbuchs.

 

 

 

 

 

 

[2] Steiner Bachgau II 98

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


[3] {A 29} (wohl Duplikat zu {A 21})

 

 

 

 

 

 

 



 

[4] {A 22} und {24}

[5] A 24

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[6] Der Namen Wencz lässt an Georgenhausen denken.

 

 

 

 

 


 

[7] Hessen, S.49

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

[8] Ortsnamenbuch 131

[9] Steiner II S 101 Anm. 18

 

 

 

 

[10] Deutsches Geschlechterbuch Bd. 69 S. 122

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[11] Bachgau II S 98f

 

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Siedlungsnamen

 

Datum: 1982/ 2005

Aktuell: 26.03.2016