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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Aus der Geschichte von Erfelden

Dieser Aufsatz aus dem Jahr 1970 ist nicht auf dem neusten Stand!

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Herrschaftsverhältnisse

Zentgericht

Der Rhein

Kriege

Rheinübergang Gustav Adolfs

30-jähriger Krieg und andere Kriege

Bevölkerungsentwicklung

Kirchengemeinde

Pfarrei

Kirche

Friedhof

 

1. Herrschaftsverhältnisse

Erfelden wird erstmalig in einer Urkunde aus dem Jahre 779 erwähnt, als ein gewisser Rutfried und seine Ehefrau Rotbirn ihr ganzes Eigentum in der villa Erifeldun der Abtei Lorsch vermachten. Auch aus späteren Jahren sind Schenkungen an das Kloster bezeugt. Danach erwarben auch die Klöster Fulda und Eberbach Grundbesitz in Erfelden. Schließlich kam Erfelden im 11er-Jahrhundert in Besitz der Herren von Wolfskehlen, die seit 1252 vom Erzbistum Mainz abhängig waren, weil sie denen ihre Burg verkauft hatten. Deswegen kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den Wolfskehlern und den Grafen von Katzenelnbogen, die schließlich die Rechte über Erfelden erwarben.

2. Zentgericht

Erfelden gehörte im Mittelalter zum Zentgericht "Zum Hohlen Galgen", dem außerdem auch die Orte Biebesheim, Poppenheim (untergegangen), Bensheimer Hof, Leeheim, Riedhausen, Hayna, Dornheim, Wolfskehlen, Goddelau, Crumstadt und Wasserbiblos angehörten. Der Galgen stand am östlichen Ende der Erfelder Gemarkung, wo die Gemarkungen von Goddelau und Wolfskehlen darauf stießen. Die Einnahmen gingen bis 1568 zu zwei Dritteln an Wolfskehlen, zu einem Drittel an Katzenelnbogen; später ganz an Katzenelnbogen. Seit 1575 durfte das Gericht nur noch auf Anordnung des Landgrafen von Darmstadt zusammentreten und verlor damit immer mehr an Bedeutung, hielt sich aber bis ins 18er-Jahrhundert.

3. Der Rhein

Erfelden, an einer scharfen Rheinkrümmung gelegen, war immer von Hochwasser bedroht. Andere Orte, wie Poppenheim oder Herulfesheim, konnten sich nicht halten und mussten aufgegeben werden. Die häufigen Überschwemmungen wurden meist durch Eisstauungen in der Rheinkrümmung hervorgerufen. Immer wieder wurde das ganze nördliche Ried unter Wasser gesetzt. Man war daher gezwungen, Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Im Jahre 1453 wurde von den betroffenen Ortschaften eine Deichgenossenschaft gegründet, um auf genossenschaftlicher Basis Dämme zu bauen und zu erhalten. Damit die Dämme auch einen wirksamen Schutz boten, musste man die Wasserhöhe ständig kontrollieren. 1797 setzte man daher bei einem besonders niedrigen Wasserstand in Erfelden den ersten Rheinpegel, der als Grundlage für weitere Rheinpegel diente. Schließlich versuchte man auch der Überschwemmungsgefahr durch Begradigung des Rheinlaufes Herr zu werden. 1828/29 wurde der Rheindurchstich vorgenommen, so dass Erfelden an den Altrhein zu liegen kam.

4. Kriege

a. Rheinübergang Gustav Adolfs

Aus der politischen Geschichte bedeutsam ist das Jahr 1631. Im vorangegangenen Jahr war der schwedische Krieg Gustav II. Adolf in Pommern gelandet, vertrieb die Kaiserlichen unter Tilly, schlug Tilly im Jahr 1551 bei Breitenfeld und zog durch Thüringen und Franken nach Mainz. Auf diesem Weg kam er im Dezember bei Erfelden an den Rhein, den er am 06./07.12. auf Scheunentoren überquerte. Danach eroberte er Oppenheim und machte sich damit den Weg nach Mainz frei. Zur Erinnerung an den Rheinübergang ließ Gustav Adolf 1652 die Schwedensäule errichten.

b. 30-jähriger Krieg und andere Kriege

Der Dreißigjährige Krieg hatte wie andere Ortschaften auch Erfelden schwer mitgenommen; von 58 Häusern im Jahr 1628 standen 1690 nur noch 16; an dieser Dezimierung mögen aber auch eine Pest im Jahre 1667, brandenburgische Unruhen im Jahr 1689 und die Franzosen schuld gewesen sein, die 1689 den Ort zerstörten.

5. Bevölkerungsentwicklung

Etwa l00 Jahre dauerte es noch, bis Erfelden wieder den Stand vor dem Krieg erreicht hatte: 1794 wurden in Erfelden außer Kirche und Rathaus und Schule 2 adelige und 62 bürgerliche Gebäude gezählt.

Über den Wachstum des Ortes geben folgende Zahlen Aufschluss:

1628: 58 Häuser ca. 300 Einwohner

1690: 16 Häuser ca. 80 Einwohner

1731: 247 Einwohner

1794: 484 Einwohner (eine Judenfamilie)

1858: 849 Einwohner (806 evang. 7 kath., 56 Juden)

1933: 1292 Einwohner (1185 evang., 63 kath.)

1961: 2172 Einwohner (1605 evang., 536 kath.)

6. Kirchengemeinde

a. Pfarrei

In kirchlicher Hinsicht gehörte Erfelden früher zur reichen Pfarrei Hofheim (heute Philippshospital), war aber selbst arm und hatte eine kleine eigene Kapelle. Im Jahr 1535 wurde die Reformation durchgeführt und in Hofheim das Hospital errichtet. Dadurch wurden Goddelau und Erfelden selbständig und bekamen einen eigenen Pfarrer mit Sitz in Goddelau. Dabei blieb es bis zum Jahr 1968/69, als Erfelden Pfarrvikarsstelle und später Pfarrstelle wurde und damit einen eigenen Pfarrer bekam.

b. Kirche

Aus der katholischen Zeit hatte Erfelden noch eine Kapelle, die seit 1535 für die evangelischen Gottesdienste benutzt wurde. Bald erwies sie sich als zu klein, so dass sie 1606 stark erweitert werden musste. Dasselbe geschah auch im Jahre 1754/55; damals wurden 80 neue Sitzplätze geschaffen und eine Sakristei gebaut. 1830 musste die alte Kirche wegen Einsturzgefahr abgerissen werden. Von nun an fanden die Gottesdienste in einem Schulzimmer statt. Da die Gemeinde sehr arm war, konnte sie das Geld für einen Neubau nicht allein aufbringen und war auf die Unterstützung der Nachbargemeinden angewiesen, die sich mit 5.400 Gulden an dem Kirchbau beteiligten (Gesamtkosten etwa 14.000 Gulden). So konnte am 28. Mai 1833 der Grundstein gelegt und am 26. Oktober 1834 die neue Kirche eingeweiht werden. In dieser Kirche stand zunächst noch die alte Orgel aus der Kapelle. Diese wurde später verkauft; dafür wurde für 2.100 Gulden im Jahr 1838 eine aus Amorbach stammende Rokoko-Orgel gekauft, die 1746 gebaut wurde.

c. Friedhof

Der alte Kirchhof an der Kirche erwies sich Mitte des 18er-Jahrhunderts als zu klein; darum wurde ein neues Grundstück für den Friedhof gekauft und am 3. November 1861 eingeweiht. Fast 100 Jahre später erhielt der Friedhof eine Friedhofshalle, die am 2. Oktober 1960 eingeweiht wurde.

   

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Übersicht

 

Name

Evg. Kirchengemeinde Erfelden | Gemeinde Riedstadt

 

Datum: 1970 / 2006

Aktuell: 26.03.2016