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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Geschichte von Gernsheim

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I. Das Ried

II. Alte Geschichte

1. Römer

2. Alamannen

3. Burgunder

4. Franken

III. Gernsheim

1. Kloster Lorsch

2. Katholische Kirche

3. Stadtrechte

IV. Die Ortsteile

1. Klein-Rohrheim

2. Maria Einsiedel

3. Allmendfeld

V. Neuere Geschichte

1. Peter Schöffer

2. Gernsheim wird hessisch

3. Wichtige Gebäude

4. Evangelische Gemeinde

5. Gernsheim wird zerstört

 

I. Das Ried

Der Rhein fließt durch ein breites Tal, ursprünglich ein Grabenriss, der mehr als 1 km tief die Erdkruste aufgerissen hat. Flüsse und Bäche aus den Alpen und den angrenzenden Gebirgen füllten den Erdspalt mit Wasser und nach und nach mit Lehm, der von den Bergen herabgespült worden war. Im Norden riegelte der Gebirgsrücken des Rheinischen Schiefergebirges (Taunus und Hunsrück) den See ab; dort grub sich das Wasser einen Abfluss. Das war die Geburtsstunde des Rheins. Bald entstand ein Tal im Schiefergebirge; das Wasser suchte sich einen Weg zur Nordsee. Des See fiel nach und nach trocken. So entstand die Oberrheinische Tiefebene.

Der Strom hatte auch einen Seitenarm, der zwischen dem eigentlichen Rhein und dem Odenwald floss, in einer Zeit, als der Fluss sehr viel Wasser führte. Er vereinigte sich an der Mainspitze mit dem Hauptgewässer. Heute trägt dieser Seitenarm irrtümlich den Namen Altes Neckarbett. Später benutzte die Weschnitz die Rinne, bis sie von den Römern umgeleitet wurde. Seitdem fließt dort kein Wasser mehr, aber der alte Flusslauf ist noch heute zu erkennen.

Der Vater Rhein war ein sehr unzuverlässiger Geselle. Er verursachte oft Überschwemmungen; nach der Überschwemmung fand der Strom oft sein Bett nicht mehr und schuf sich ein neues. Wegen seiner vielen Windungen brauchten die Schiffe unverhältnismäßig lange, um vorwärts zu kommen. Im 18er-Jahrhundert wurden wirksame Dämme gebaut, um die Dörfer vor dem Hochwasser zu schützen; auch wurde der Fluss reguliert und an einigen Stellen begradigt. Die bekannteste der alten Rheinschleifen ist der Altrhein am Kühkopf.

Durch das viele Wasser war das Land sehr nass. Das Ried (Schilf), welches überall wuchs, gab der ganzen Landschaft ihren Namen. Trotzdem gab es auch trockene Stellen, auf denen sich Menschen ansiedeln konnten. Seit langem versuchten sie den Boden durch Gräben trocken zu legen. 1567-96 ließ der Hessische Landgraf den sogenannten Landgraben entlang des Neckarbetts anlegen, den es noch heute gibt. Während der Nazi-Herrschaft wurden zusätzliche Gräben gezogen und seit drei Jahrzehnten pumpt man fleißig Trinkwasser zur Versorgung der großen Städte aus dem Boden. Daher ist der Grundwasserspiegel heute beträchtlich gesunken, so dass die unterirdischen Wasservorräte mit Wasser aus dem Rhein wieder aufgefüllt werden müssen.

Einige Dünen erinnern uns an die Eiszeit. Auf dem unfruchtbaren Boden gedeihen nur Kiefern – und Spargel. Andere typische landwirtschaftliche Produkte des Rieds sind die Zuckerrüben. Heute bauen viele Landwirte auch Gemüse an.

Früher wurde im südlichen Ried auch Tabak gezogen. Die Blätter wurden zusammengenäht und in den Scheuern zum Trocknen aufgehängt. Man nannte den Tabak aus dem Ried daher Scheuerbambler, weil die Blätter in den Scheuern bambelten, d.h. aufgehängt waren.

II. Alte Geschichte

1. Römer

1er-Jahrhundert: Ein römisches Kastell schützt den Hafen. Das Kastell selbst wurde noch nicht entdeckt, aber man fand Überreste der römischen Zivilsiedlung.

2er-Jahrhundert: Germanische Söldner in römischen Diensten schützen die römische Grenze (Limes) vor anderen germanischen Kriegern, die aus dem „freien Germanien“ in die Provinz einfallen.

2. Alamannen

~ 250 Das römisch Reich hat kein Geld mehr, um seine Aktivitäten in Germanien weiter zu finanzieren. Die regulären Legionen werden abgezogen und die germanischen Söldner geraten außer Kontrolle. Diese haben sich inzwischen als Stamm organisiert mit dem Namen Alamannen, d.h. ‚Gesamtheit der Männer‘. Sie machen Raubzüge nach Gallien und Italien und teilen ihre Beute mit ihren Verwandten in Ostdeutschland und Böhmen.

~ 330 Die Römer brechen Steine auf dem Felsenmeer im Odenwald; sie leiten die Weschnitz um, um auf einem kürzeren Weg die Steine auf Flößen nach Trier zu transportieren.

~ 360 Die Römer starten von Mainz aus eine militärischen Aktion ins Innere von Alamannien; sie endet mit einer Schlacht bei Straßburg.

3. Burgunder

~ 400 Der ostgermanische Stamm der Burgunder überquert den Rhein und besetzt die römische Provinz Belgia (die linksrheinischen Gebiete Deutschlands, Belgien und Lothringen). Ihre Hauptstadt war der Sage nach in Worms.

~ 436 Die Römer besiegen die Burgunder und töten alle ihre Krieger samt ihrem König Gunther. Der Rest des Volkes wird von den Römern in Ostfrankreich im heutigen Burgund angesiedelt.

Die Sage von Siegfried, den Nibelungen, den burgundischen Königen von Worms und dem Goldschatz, der von Hagen im Rhein versenkt wurde, erinnert an diese Zeit.

4. Franken

498 Der fränkische König Chlodwig erobert Alamannien. Fränkische Krieger und Zivilisten lassen sich in Südwestdeutschland nieder und gründen eine Reihe Höfe, deren Name alle auf -heim enden. In späterer Zeit war in Gernsheim ein Königshof, der von einem Verwalter bewirtschaftet wurde, welcher die Abgaben der umliegenden Siedlungen zu erheben hatte.

III. Gernsheim

1. Kloster Lorsch

764 wird das bedeutende und mächtige Kloster Lorsch gegründet, zu dem auch 877 der Königshof von Gernsheim gehört.

2. Katholische Kirche

1232 wechselt der Ort von Lorsch zum Erzbistum Mainz. Der Erzbischof hat in seinem Gebiet die Reformation nicht durchgeführt. Das ist der Grund, weshalb die Gernsheimer bis heute hauptsächlich katholisch sind.

Die erste katholische Kirche wird 908 erwähnt. Die heutige Pfarrkirche St. Maria Magdalena stammt aus den Jahren 1750-53.

3. Stadtrechte

1356 bekommt Gernsheim die Stadtrechte und wird befestigt. Wo früher der fränkische Königshof stand, wird  ein Schloss gebaut. Stadtbefestigung und Schloss werden im 18er-Jahrhundert wieder abgerissen.

IV. Die Ortsteile

Im Zuge der Gebietsreform werden 1971 die Nachbarorte Allmendfeld und Klein-Rohrheim in die Stadt Gernsheim eingemeindet.

1. Klein-Rohrheim

Südlich von Gernsheim gibt es zwei alte Dörfer mit Namen Klein- und Groß-Rohrheim. Die Namen erinnern an das Schilfrohr, das im Ried allenthalben wuchs, und sind seit dem 7er-Jahrhundert bekannt. 793 wird Groß-Rohrheim erwähnt unter dem Namen Rorheim superior ‚Ober-Rohrheim‘. Wir müssen daher annehmen, dass es auch ein Unter- bzw. Klein-Rohrheim gab, das allerdings erst 1200 erwähnt wird.

Schinderhannes

Eine Straße in Klein-Rohrheim heißt Johannes-Bückler-Straße. Johannes Bückler ist besser bekannt unter dem Namen Schinderhannes. Er der berüchtigte Räuberhauptmann aus dem Soonwald und hatte in Klein-Rohrheim einen Stützpunkt.

Claus Kroencke

Ein anderer Straßenname erinnert an Claus Kroencke, einen Wasserbau-Ingernieur, der für die Rheinbegradigung und den Dammbau in der ersten Hälfte des 18er- Jahrhunderts  verantwortlich war..

2. Maria Einsiedel

Zwischen Klein-Rohrheim und Gernsheim liegt die katholische Wallfahrtskapelle Der Name Einsiedel ist bekannt seit 1460. Aus dem Jahr 1493 stammt ein römischer Ablassbrief für Ansidl. Das Original ist leider 1945 bei der Beschießung Gernsheims verbrannt.

Die Kapelle war ursprünglich dem Heiligen Kreuz geweiht; der heutige Name Maria Einsiedel erinnert an das berühmte Gnadenbild der Mutter Gottes in der Kapelle.

1929-1966 wurden die Pilger von Kapuzinermönchen betreut, die in einem kleinen Kloster neben der Kapelle lebten. 1966 wurde das Kloster aufgelöst. Im selben Jahr gründete die Diözese Mainz das Jugendhaus.

2001 wurde die neue Pilgerhalle eingeweiht.

3. Allmendfeld

Im Osten der Stadt gab es früher nur einige Einzelhöfe. Der älteste ist Frankenfeld (ursprünglich Frenkenfeld, zum Personennamen Frankio, 1166), ferner der Bruchhof (Brūch ‚Sumpf‘, 1613), Johannishof (1693), Fängenhof (Fang ist eine Art Graben, 1794) und der Neuhof (18er-Jahrhundert).

Dort bauten die Nationalsozialisten 1936/37 ein neues Dorf. Die Siedler, junge Bauern, bekamen ein Stück Land, ein billiges Darlehen und eine Grundausstattung an Geräten. Sie mussten ihren Hof nach einem vorgegebenen Plan bauen. Die Höfe sind von ihrem Grundbesitz umgeben und liegen daher weit entfernt voneinander. Das neue Dorf sollte den Geist des Nationalsozialismus verkörpern. So meinte man, keine Kirche zu brauchen. Es war auch sehr schwer, die Erlaubnis für die Taufe der ersten Kinder zu bekommen

Allmendfeld war ursprünglich ein Flurname und bezeichnete Gemeindeland, das an die Ortsbürger vergeben wurde.

Wichtige Einrichtungen in Allmendfeld

  • Allmendfeld hat von Anfang an seinen eigenen Friedhof.

  • 1946 Gründung der evangelischen Kirchengemeinde

  • 1962/63 Bau der evangelischen Kirche

  • 1952 Friedhofsgebäude

  • 1959 Kindergarten (nur ein paar Jahre)

  • 1996 ff Golfplatz auf dem Gelände des Bruchhofs

V. Neuere Geschichte

1. Peter Schöffer

Als Johannes Gutenberg Ende des 14er-Jahrhunderts die Buchdruckerkunst  erfand, half ihm dabei der Schönschreiber Peter Schöffer von Gernsheim. Sein Familienname (eigentlich Schäfer) kommt noch heute in Gernsheim vor. Peter Schöffer hatte die Aufgabe, die Formen für die Buchstaben herzustellen; er machte sich auch verdient um die Verbesserung der Druckerpresse.

2. Gernsheim wird hessisch

Als Napoleon Europa eroberte, veränderte er auch die politische Ordnung von Deutschland. Viele kleine und kleinste Staaten verloren ihre Selbstständigkeit und einige größere Fürsten erhielten einen höheren Rang. Einer von ihnen war der Landgraf von Hessen-Darmstadt; er stieg nicht nur zum Großherzog auf, sondern konnte auch noch sein Territorium vergrößern.

Napoleon löste auch die geistlichen Fürstentümer der katholischen Erzbischöfe auf, welche als weltliche Fürsten über ihre Länder geherrscht hatten. Auch das Erzbistum Mainz wurde aufgehoben und das Gebiet aufgeteilt zwischen Hessen und Bayern. So kam Gernsheim 1803 an Hessen.

3. Wichtige Gebäude

  • 1823 Volksschule (ursprünglich katholische Konfessionsschule)

  • 1839 Stadthaus, im klassizistischen Stil nach Plänen des Darmstädter Architekten Moller.

  • 1862 Michaelskapelle auf dem Friedhof

  • 1865 Realschule

  • 1899 Hafen

  • 1911 Neue Realschule (jetzt: Schillerschule)

  • 1946 ein Zweig der Darmstädter Firma Merck lässt sich in Gernsheim nieder

  • 1951 Die Realschule wird zum Gymnasium erhoben

  • 1953 Turnhalle

  • 1997 Stadthalle

4. Evangelische Gemeinde

Bis 1806 waren die meisten Gernsheimer katholisch. Als Gernsheim an Darmstadt fiel, zogen evangelische Beamte und Kaufleute in die Stadt und gründeten 1845 eine private evangelische Schule, ordinierten 1846 den Lehrer zum Pfarrer und hielten 1853 den ersten evangelischen Gottesdienst.

  • 1863 heutiges Pfarrhaus mit Schule und Betsaal

  • 1900 evangelische Kirche eingeweiht

  • 1955 erster Kindergarten in Gernsheim (jetzt Martin-Luther-Kindergarten)

  • 1974 Gemeindehaus und Rentamt

  • 1991 Dietrich-Bonhoeffer Kindertagesstätte

5. Gernsheim wird zerstört

1939 wird eine Militärbrücke über den Rhein errichtet, die 1945 von deutschen Soldaten gesprengt wird. Die Amerikaner ersetzen sie durch eine Pontonbrücke, die bis 1997 existierte.

1945, März. Das Zentrum der Stadt wird durch amerikanischen Artilleriebeschuss zerstört, auch die beiden Kirchen. Wiederaufbau in den folgenden Jahren.

   

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Chronik

(mit Bildern)

 

Datum: 1998 / 2005

Aktuell: 26.03.2016