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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Ist die Astrologie wissenschaftlich?

Vortrag beim Gesprächskreis Gernsheim 02.04.97

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Klassische Himmelskunde

Grundlagen der Astrologie

Sterne und Schicksal
Wie deutet man die Sterne?

Die Bedeutung der Sterne und Sternzeichen

Verschiedene Deutungsweisen

Ist Astrologie wissenschaftlich?

mittelalterlicher Stand der Sternkunde

Die Sterne sind vieldeutig.

Deutungsmethoden willkürlich gewählt.

nicht auf Erfahrung begründet.

   Fazit

Und was ist mit den richtigen Aussagen?

Intuition statt Methode

Charakteranalyse bietet Deutungsmuster an.

 

Klassische Himmelskunde

Astronomie und Astrologie haben eine gemeinsame Grundlage: die einfache Sternbeobachtung. Schon früh war den Menschen aufgefallen, dass viele Sterne ihre Stellung am Himmel nicht verändern, die Fixsterne. Sie sind bestimmten Sternbildern zugeordnet, z. B. Großer Wagen, Orion, Stier, Cassiopeia. Auch die Sternbilder verändern nicht ihre Stellung zueinander, aber das Himmelsgewölbe dreht sich im Laufe der Nacht um einen unsichtbaren Pol, dem der Polarstern am nächsten ist.

Das Himmelsgewölbe denkt man sich nicht als Halbkugel, sondern als ganze Kugel. Tatsächlich sieht man ja immer nur einen Teil der in unserer Gegend sichtbaren Sterne; die gerade unsichtbaren befinden sich unter dem Horizont, auf der Tagseite der Erde.

Die Sterne stehen auch am Tag am Himmel, werden aber von der Sonne überstrahlt. Bei einer Sonnenfinsternis oder am Grund eines tiefen Schachtes kann man auch bei Tag die Sterne sehen und von daher die Stellung der Sonne im Tierkreis bestimmen.

Andere Sterne dagegen haben keinen festen Platz in den Sternbildern, die Planeten. Sie wandern aber auch nicht ziellos über den Himmel, sondern benutzen dieselbe "Straße", den Tierkreis, der in zwölf Abschnitte eingeteilt ist, die nach den dort befindlichen Sternbildern benannt sind. Um anzugeben, wo sich ein Planet am Himmel befindet, nennt man das "Sternzeichen" des Tierkreises, in dessen Abschnitt der Planet steht.

In der klassischen Himmelskunde spielen nur die sieben Planeten eine Rolle, die mit bloßem Auge sichtbar sind, nämlich Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn. Dazu kommen Sonne und Mond, die ja auch im Rahmen des Tierkreises über den Himmel wandern.

Zu Beginn der Neuzeit hat man entdeckt, dass nicht die Planeten und das Himmelsgewölbe um die Erde kreisen, sondern die Planeten samt Erde um die Sonne. Nicht das Himmelsgewölbe dreht sich um den Polarstern, sondern die Erde um ihre Pole. Nicht die Sonne wandert durch den Tierkreis, sondern die Erde wandert im Laufe des Jahres auf einer Bahn um die Sonne, daher verschiebt scheinbar sich der Hintergrund des Himmels gegen die Sonne.

Dass die klassischen Planeten über den Tierkreis wandern, liegt daran, dass die Planetenbahnen, auch die Mondbahn um die Erde in etwa auf einer Ebene liegen, der Ekliptik, in deren Verlängerung sich die Sterne des Tierkreises befinden.

Tatsächlich aber sind die "Fixsterne" nicht an der Himmelskugel befestigt, sondern sie befinden sich im Weltraum verteilt. Durch die ungeheuren Entfernungen können wir aber keine Entfernungsunterschiede mehr wahrnehmen. Daher sieht es für uns aus, als seien alle Sterne von uns gleich weit entfernt und befänden sich auf der Innenseite einer Kugel.

Im obigen Beispiel stand der Jupiter am Rand des Schützen.

  Stern   Entfernung zur Erde
  Jupiter    36  Lichtminuten
  Rukbat im Schützen 250  Lichtjahre
  M 75 (Sternhaufen im Schützen)  78.000  Lichtjahre

Die Erdachse steht nicht gerade, sondern schräg auf der Bahnebene (Ekliptik), daher bekommt die Nordhalbkugel im Sommer mehr Licht als im Winter; so entstehen die Jahreszeiten. Die Erdachse ist auch nicht stabil, sondern "schlingert", d. h. sie vollführt eine Kreiselbewegung mit einer Umlaufzeit von 25.700 Jahren. Das bedeutet, dass sich der Hintergrund des Tierkreises im Laufe der Zeit verschiebt; etwa alle 2.000 Jahre ein Zwölftel oder ein Tierkreiszeichen weiter. Der Frühlingspunkt, der immer noch traditionell im Widder geortet wird, hat sich inzwischen durch die Fische an die Grenze zum Wassermann verlagert. Trotzdem hält man an den alten Bezeichnungen fest, weil die "Tierkreiszeichen" heute nicht mehr die Sternbilder bezeichnen, durch welche die Planeten laufen, sondern "Häuser", d. h. festgelegte Abschnitte der Erdbahn. Das Zwölftel der Erdbahn, durch das die Erde zur Zeit des Frühlingspunktes läuft, heißt "Widder", auch wenn die Sonne tatsächlich in unsrer Zeit schon fast im Wassermann steht.

Die Grundlagen der Astrologie

Während sich die Astronomie seit Beginn der Neuzeit durch genauere Berechnungen und bessere Beobachtungsmöglichkeiten weiter entwickelt hat, ist die Astrologie auf dem mittelalterlichen Stand stehen geblieben. Um sie zu verstehen, brauchen wir uns mit den neueren und neusten Erkenntnissen nicht mehr zu beschäftigen, sondern können von den oben erklärten Grundlagen der Himmelsbeobachtung ausgehen.

Astrologie will aber nicht nur Sterne beobachten, sondern Sterne deuten. Genauer gesagt: Sie ist davon überzeugt, dass die Stellung der Planeten in irgendeinem Verhältnis zu unserem Schicksal steht. Aus dem Stand der Planeten kann man also nach Meinung der Astrologen die Zukunft lesen.

Sterne und Schicksal

Über die Art der Verknüpfung gibt es unterschiedliche Meinungen. Für die Väter der Astrologie, die Babylonier, waren die Sterne Götter. Die Göttin Ischtar z. B. die in etwa der römischen Venus entspricht, war nicht nur Liebesgöttin, sondern in erster Linie Morgen- und Abendstern.  Schon bei den Sumerern spielten der Mondgott Sin und der Sonnengott Utu eine bedeutende Rolle. Später identifizierte man auch Götter anderer Herkunft mit Planeten: den Unterweltsgott Nergal etwa mit dem unheimlichen Mars oder den ursprünglichen Wettergott und Staatsgott Bel-Marduk mit dem hellsten Planeten Jupiter. Von den Babyloniern übernahmen die Griechen und Römer die astronomischen Kenntnisse. Sie wiederum benannten die Wochentage nach den Planeten; von ihnen lernten die Germanen und übertrugen die römischen Götter- (nicht Planeten-) Namen in ihre Sprache, z. B. Blitzeschleuderer Jupiter = Gewittergott Donar ⇒ Donnerstag; Liebesgöttin Venus = Liebesgöttin Fria ⇒ Freitag.

Wenn aber für die antiken Heiden die Götter Sterne und die Sterne Götter waren, dann war klar, dass sie auch Macht über das Schicksal hatten und das Schicksal bestimmten, wie man es heute noch hin und wieder hört.

In christlicher Zeit konnte man das nicht mehr so sehen, hielt aber weiter an der Astrologie fest. Man verstand jetzt den Zusammenhang zwischen Sternen und Schicksal so, dass dieselben Gesetzmäßigkeiten auf der Erde wie im Himmel gelten und dass die Sterne sozusagen die Uhr sind, an der wir ablesen können, was "die Stunde geschlagen hat."

Wie deutet man die Sterne?

Die Bedeutung der Sterne und Sternzeichen

Die Grundidee der Astrologie ist eigentlich ganz einfach: Jeder Planet sieht anders aus; man schreibt ihm daher einen anderen Charakter zu, was dazu führte, dass man die Planeten verschiedenen Göttern zuordnete:

Planet

Aussehen

Charakter

Gott

Sonne

hellstes Gestirn, Tag

männlich, Glück, Geist, Herrschaft

(personifiziert)

Mond

Nacht, wechselhaft

weiblich, Gefühl, Fruchtbarkeit

(personifiziert)

Merkur

Begleiter der Sonne

Kommunikation

Götterherold

Venus

hell

freundlich, mütterlich

Fruchtbarkeits- und Liebesgöttin

Mars

rot

aggressiv, Unheil

Kriegsgott

Jupiter

hell, groß

Herrschaft, Glück

Götterkönig

Saturn

bläulich, blass

düster, unheimlich

Urgott Kronos

Die freundliche Venus und der helle Jupiter verheißen also Glück; der blutrote Mars und der bleiche Saturn können nichts Gutes bedeuten.

Die Planeten stehen natürlich immer am Himmel, manchmal sichtbar und manchmal unsichtbar. Wichtig ist daher auch, wo in welchem Sternzeichen sie stehen und wie sie sich zueinander verhalten.

Sternzeichen: Jeder Planet hat ein oder mehrere "Häuser", in denen er sich heimisch fühlt. So ist z. B. der Löwe das angestammte "Haus" der Sonne. Die Sonne entfaltet ihre größte Kraft, wenn sie im Löwen steht. Ein anderes "Haus" kann die Kraft der Sonne schwächen.

Stellung zueinander: Je nachdem, wo die Planeten im Verhältnis zueinander stehen, können sie ihre Kräfte verstärken oder aufheben. Wenn Jupiter und Venus dicht beieinander stehen, bedeutet das sicher viel Gutes; wenn Mars und Venus dagegen nebeneinander stehen, behindern sie sich gegenseitig usw.

Verschiedene Deutungsweisen

Ursprünglich diente die Astrologie wohl dazu, Glücks- und Unglückstage vorherzusagen: Wann ist die beste Zeit, ein Geschäft abzuschließen oder zu heiraten? Die Babylonier kannten eine ganze Reihe von Unglückstagen, an denen man am besten gar nichts tat, weil alles schief gehen musste. Diese Glücks- und Unglückstage galten für jedermann.

Später ging man dazu über, persönliche Horoskope zu stellen. Maßgeblich war dabei der Stand der Planeten zur Zeit der Geburt. Wenn zum Beispiel damals Mars eine bedeutende Stellung hatte, dann waren die besonderen Glückstage für diesen Menschen die Tage, an denen Mars seine größte Kraft entfaltete, die besonderen Unglückstage, wenn Mars in einer schwachen Position stand. Man konnte vielleicht auch vermuten, dass ein Mann, der unter diesem Zeichen geboren wurde, ein besonders tapferer Krieger sein würde und dass sein Kriegsglück von der Kraft des Planeten abhing.

Daraus entwickelte sich das komplizierte mittelalterliche Geburtshoroskop, aus dem man von Fall zu Fall das gesamte Schicksal abzulesen versuchte. Viele Menschen wie Wallenstein oder Hitler ließen sich regelmäßig von Astrologen beraten und hielten sich an ihre Ratschläge.

Heute dagegen verzichtet man meist auf eine Schicksalsdeutung und versucht es mit einer Charakteranalyse. Wer unter dem Zeichen des Mars geboren ist, muss wohl ein Kämpfer werden, also Soldat, Sportler, Politiker. Für einen guten Geschäftsmann ist Merkur unabdingbar und Karrieremenschen sind auf die Gunst Jupiters angewiesen.

Erst in den 1930er-Jahren kam das vereinfachte Zeitungshoroskop auf, das sich allein an der Sonne und ihrem Stand im Tierkreis orientiert. Auch hier finden wir Schicksalsprognose ("Nächste Woche Glück in der Liebe, aber pass auf im Verkehr!") und Charakteranalyse ("typisch Widder!"). Wenn jemand behauptet, er sei ein Widder, dann bedeutet das nicht mehr, als dass er zwischen dem 21. März und 20. April geboren ist, weil die Sonne in dieser Zeit in diesem "Haus" stand.

Ist Astrologie wissenschaftlich?

Astrologie ist auf dem mittelalterlichen Stand der Sternkunde stehen geblieben.

Selbst wenn an der Astrologie was dran sein sollte, muss man doch ihre naturwissenschaftlichen Grundlagen in Frage stellen. Sie geht immer noch davon aus, dass die Planeten sich um die Erde drehen, dass auch die Sonne ein Planet sei; sie missachtet die Rotation der Erdachse usw.

Die Zeichnung verdeutlicht weitere Fehler der Astrologie:

  • Die Sonne stand nicht im Steinbock, sondern die Erde im Krebs.

  • Die inneren Planeten Venus und Merkur hätten im selben Sternzeichen auch näher an der Erde stehen können.

  • Mars und Jupiter befanden sich verhältnismäßig nahe bei der Erde, Saturn dagegen war verhältnismäßig weit weg.

Die Astrologen missachten also die tatsächliche Entfernung der Planeten. Wenn sie überhaupt eine Wirkung ausüben, dann müsste diese Wirkung in Erdnähe doch größer sein als in Erdferne.

Die Sterne sind vieldeutig.

Sogar wenn wir annehmen, dass der astronomische Befund richtig wäre, lassen sich aus den astrologischen Regeln keine eindeutigen Schlüsse ziehen. Es lässt sich z. B. erkennen, dass die Sonne zwar im Löwen und damit auf dem Höhepunkt ihrer Kraft steht, dass sich aber in ihrer Nähe Mars und Saturn befinden, die diese Kraft empfindlich schwächen. Andrerseits hatte aber der Saturn im Geburtshoroskop eine besondere Bedeutung, könnte also durch die Nähe zur Sonne gestärkt werden. Vielleicht stärkt die Sonne ja auch den Mars, so dass der Saturnmensch heute leichter als sonst einen Sieg erringen kann. Was soll man mit solchen widersprüchlichen Aussagen anfangen? Es ist doch wohl mehr das Einfühlungsvermögen des Astrologen, wenn er zu einem richtigen Ergebnis kommt als die Wissenschaftlichkeit der Astrologie.

Die Deutungsmethoden sind willkürlich gewählt.

Das zeigt schon ein Überblick über die Geschichte. Mars ist ein Unglücksstern, weil er rot wie Blut ist, Venus ein Glücksstern, weil sie freundlich aussieht. Wenn man das Sternzeichen Waage mit Gerechtigkeit oder Widder mit Sturheit in Verbindung bringt, dann sind das Eigenschaften, die nicht aus den Eigenschaften der Sternbilder, sondern aus dem Symbolgehalt ihrer Namen erschlossen sind.

Die Deutungsmethoden sind nicht auf Erfahrung begründet.

In letzter Zeit hat man versucht, durch mehrere statistische Auswertungen die Richtigkeit astrologischer Aussagen zu erhärten. Abgesehen davon, dass Methoden und Ergebnisse in der Fachwelt umstritten sind, haben alle diese Untersuchungen von Anfang an einen methodischen Fehler: Eine wirklich wissenschaftliche Methode beginnt nicht mit einem fertigen Konzept, das nachträglich auf seine Richtigkeit überprüft wird, sondern sie wird sich von vorn herein an der Erfahrung messen.

Wer also ein wissenschaftlich begründetes astrologische System aufstellen will, der darf nicht erst behaupten, dass "Widder" stur und "Waagen" gerecht sind, sondern der muss erst mal grundsätzliche Untersuchungen machen über das Verhältnis von Charakter und Geburtstermin und kann erst dann irgendwelche Schlüsse ziehen.

Wenn ich z. B. beweisen will, dass die meisten Lottogewinner gute Zähne haben, dann werde ich vielleicht mit einer statistischen Untersuchung meine Behauptung auch wahrscheinlich machen können. Es wird ja wohl Leute mit guten Zähnen geben, die im Lotto gewonnen haben, und Ausnahmen bestätigen die Regel. Aber damit ist die Behauptung nicht bewiesen. Wissenschaftlich untermauert ist die Behauptung nur, wenn ich auf Grund einer Untersuchung zu diesem Ergebnis gekommen bin. Ich habe aber diese Behauptung frei erfunden.

Es ist also müßig, über die speziellen Methoden einer Untersuchung zu diskutieren, ob etwa genau definiert ist, was "gute Zähne" und "Lottogewinner" sind, ob wirklich eine repräsentative Auswahl getroffen wurde usw. Der Hauptfehler ist, dass die Behauptung ohne wissenschaftliche Begründung erstellt wurde.

Fazit:

Astrologie begründet sich nicht auf Erfahrung und entbehrt damit jeder Wissenschaftlichkeit.

Und was ist mit den richtigen Aussagen?

Trotzdem sind viele Menschen davon überzeugt, dass die Sterne die Wahrheit sagen. Was hat es damit auf sich?

Intuition statt Methode

Wenn eine astrologische Prognose oder Analyse sich als richtig erweist, dann ist das sicher nicht das Ergebnis exakter Berechnungen und logischer Schlüsse. Die astrologischen Regeln lassen viele Deutungen zu und es bleibt dem Geschick und dem Einfühlungsvermögen des einzelnen Sterndeuters überlassen, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Wenn es richtige Aussagen gibt, beruhen sie nicht auf Methode, sondern auf Intuition.

Charakteranalyse bietet Deutungsmuster an.

Der Charakter eines Menschen ist nicht einfach zu definieren. Jeder Mensch hat seine guten und schlechten Seiten. Jeder Mensch ist in irgend einer Weise manchmal aggressiv und manchmal sanftmütig. Jeder Mensch kann lieben und hassen. Jeder Mensch hat Erfolge und Misserfolge. Kurz: Jeder Mensch ist eine chaotische Ansammlung von Eigenschaften. So erfahren wir uns selbst. Um uns selbst zu verstehen, müssen wir versuchen, eine Struktur in dieses Chaos zu bringen. Normalerweise werden wir uns für "gut" halten und die "guten" Eigenschaften in unserem Wesen besonders betonen, die "schlechten" dagegen zurückdrängen. Die Ordnung, die wir damit in unser Bewusstsein bringen, ist aber keine "wissenschaftliche Analyse", die Gegebenheiten zweifelsfrei feststellt, sondern wir beginnen, uns selbst zu erziehen. Wir wollen "gut" sein und geben damit dem "Guten" in uns den Vorzug.

Wenn nun die Astrologie einen Menschen als "Widder" oder "Waage" einstuft und ihm damit Sturheit oder Gerechtigkeit zuspricht, dann wird der Betreffende diese Eigenschaft auch in seinem Wesen erkennen. Wenn ein anderer mit einer anderen Methode denselben Menschen Flexibilität oder mangelnden Sinn für Gerechtigkeit zusprechen würde, so wäre da sicher auch was Wahres dran. Aber wenn jemand einmal angefangen hat, sich als "Widder" oder "Waage" zu verstehen, dann werden ihm selbst die betreffenden Charaktereigenschaften sehr viel stärker ins Auge fallen und er wird sie auch kultivieren und pflegen, so dass er im Laufe der Zeit tatsächlich diesem Idealbild entspricht, das ihm die Astrologen vor Augen gemalt haben.

Solange es sich dabei um positive Eigenschaften handelt, ist ja nichts dagegen einzuwenden. Wenn sich jemand als "Waage" versteht und Gerechtigkeitssinn entwickelt, ist das sicher kein Fehler. Aber was ist, wenn der "Widder" seine Sturheit zum Prinzip macht? Das ist weder gut für ihn noch für andere.

Astrologische Charakteranalyse hilft also nicht, sich selbst zu verstehen, sondern sie verengt das Blickfeld, indem sie willkürlich und einseitig bestimmte Züge hervor hebt und andere ignoriert. Es ist für uns aber besser, wenn wir uns selbst gegenüber offen bleiben und uns nicht auf bestimmte Eigenschaften festlegen lassen. Es lohnt sich alle Mal, das chaotische Bild von uns selbst auszuhalten und nicht vorschnell zu ordnen.

   

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Übersicht

 

 

 

Datum: 1989 / 2006

Aktuell: 26.03.2016