Startseite | Religion | Sprachwissenschaft | Geschichte | Humanwissenschaft | Naturwissenschaft | Kulturwissenschaft | Kulturschöpfungen

Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Lied

Das bucklige Männlein

Email:

≳  missdeutet

Texte

Diskussion

Zusammenfassung

 
  • Texte:

  • Diskussion:

    • Das österreichische "buñkad Mañderl" scheint ursprünglicher zu sein als das "bucklige".

      • Bunkert 'kleine, dicke Person' 61

      • Nanderl: "das bucklet Nanderl"

        • Nan(d)l, Nannal f., n. 'Anna; ungeschickte Person' 603

    • Die Strophen sind nach einem festen Schema gebaut: "Will ich ... und ... X tun, steht ein buckliges Männlein da und" tut, was sich auf X reimt. Nachdem die erste Strophe stand, ergaben sich die anderen von selbst und kann jeder nach Belieben weiterdichten: "Will ich in die Stube gehn und will Fernsehgucken, steht ein bucklig Männlein da, fängt alls an zu spucken." Von daher ist kein tieferer Sinn in diesen Versen zu erwarten.

    • C ist ziemlich verderbt und teilweise unverständlich, wurde also notiert, wie gehört.

      • C1 Ai, ai, ai! sågt maiñ Wai, Kned'l soll i koch'n; håb koañ Schmålz, håb koañ Sålz, s' Heferl is ma broch'n. = Ei.., sagt mein Weib. Knödel soll ich kochen. Hab kein Schmalz, hab kein Salz, das Töpfchen ist mir zerbrochen.

        • Weiw < Pl. Weiwer 786  wie shess. Būw < Pl Būwe?

        • Wei(b) 'Frau' passt nicht zur Tochter, auch nicht zur Magd (die hätte wohl "Frau" gewagt), wohl aber zum Mann, der ein Häferl hätte kaufen und mit dem Häfner raufen (C2) können. Die Formulierung ist aber dem Binnenreim geschuldet (ei / Wei).

        • In C1 geht es doch wohl um eine Köchin, der alles fehlt, was sie zum Kochen braucht. Das Männlein hat nicht den Topf zerbrochen und tritt erst in C2 auf, völlig unmotiviert, aber unter dem Reimzwang, dass es mit dem Töpfer raufen muss.

        • Also eine sekundäre Verbindung eines Liedes von der hilflosen Köchin mit dem Männlein.

        • "Ei ei ei (was mach ich nur?)" fordert eine andere Fortsetzung: Topf kaputt > neuen kaufen > kein Geld > stehlen und mit dem Töpfer  raufen > ...

        • Auch die Elsässer Fassung beginnt mit einem ratlosen "Ei, ei, ei!"

          • Ursprünglicher Anfang?

          • Weiterleben einer Seitenüberlieferung?

    • Die Weiterbildungen betonen, dass sich die Heldin die Störungen nicht gefallen lässt:

      • G: resolute Forderungen: wenn du schon..., kannst du auch ...

      • H: Tadel (das kannst du doch nicht tun) und Bitte (lass mich ...)

    • Wer ist der Übeltäter?

      • Er ist klein (-lein, -erl) und verwachsen (bucklig) oder dick (bunkert).

      • A lässt an ein Kind denken, das

        • Sachen kaputtmacht (A Topf, C Flaschen)

        • Erwachsene provoziert (C mit dem Häfner rauft)

        • den halben Teller für sich beansprucht

          • dasselbe Motiv im Froschkönig: Die Mutter muss das Kind mit versorgen

        • die Heldin bei der Arbeit (Spinnen) und beim Beten stört.

      • Das davongeflogene Manderl (C) weist auf einen Dämon, so auch Abb. 4.

        • Kinder entschuldigen sich gern mit "Das war ich nicht" und schieben die Schuld auf einen Körperteil ("meine Hand") oder ein imaginäres Wesen ("Die Weihnachtsmaus hat die Plätzchen aufgegessen"). Die gute Anna tut so was nicht, das war die hässliches Seite ihres Wesens, "das bucklet Nanderl". "Das Gute, das ich will, das tue ich nicht, sondern das Böse, das ich nicht will..." (Römer 7,19)

      • In D, F will die Heldin das Männlein nicht heiraten:

        • D Elsass: Ei, ei, ei! Was fang ich an? 's buckli Männel mueß i han! = ... Was mach ich nur, ich soll das bucklige Männlein heiraten.

        • F Schwaben: 1 Ei Muoter i mag Des buckelig Mändle nit, Magst mir au sage was du witt, Kei Freud hab i bei ihm nit. 11 Und was i thue-r ist älles nit recht, Den kann i nit begehra, Was i thue-r ist älles z'schlecht, Drum laß i mir nit wehra.
          = Ei Mutter, ich liebe dieses bucklige Männlein nicht, da kann du mir auch sagen, was du willst, ich hab an ihm keine Freude. Und was ich tue, ist alles nicht recht, den kann ich nicht begehren. Was ich tue, ist alles zu schlecht, drum lass ich mir nicht wehren.

    • Parallelen in Märchen:

      • der hässliche schreiende und unersättliche Wechselbalg als Kehrseite des süßen Babys

        • Das öst. buñkad 'klein und dick' erinnert mehr an ein wohlgenährtes Kind als an einen erwachsenen Freier.

      • der abstoßende Tierbräutigam, dessen liebenswerte Eigenschaften erst bei näherer Bekanntschaft zutage treten, wie der Bär in Schneeweißchen und Rosenrot
        oder der wegen seines Aussehens verspottete König Drosselbart // das kleine und verwachsene Männlein

        • Die Heldin lehnt aber das Männlein nicht wegen seines Aussehens ab, sondern wegen seines Verhaltens (D,_F).

      • beides im Froschkönig

  • Zusammenfassung:

    • Ursprünglich spielerisch gereimte Unsinnverse wie "Wir ham zu Haus nen Küchenschrank"

    • Verknüpfung mit anderen Liedern (C1.2, Alte Bele)

    • Deutungen:

      • Das Männlein ist an allem schuld, was der Heldin misslingt.

      • Die Heldin will das Männlein nicht heiraten.

   

nach oben

Übersicht

 

 

 

Datum: 2018

Aktuell: 25.05.2019