Heinrich Tischner

Fehlheimer Strae 63

64625 Bensheim

Eigene Gedichte

Di hessisch Aisəbn II.

r 's Ɔuəwldər Līsċhən

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Die hessische Eisenbahn

Oder das Odenwlder Lieschen

Im Ɔuəwld, ih wāi gənāu, fn Rinhəim yƀƀər Bīƀərāu nch Raiĉhəlshəim, d leggd man tyck gəmȳdlih mid də Bn zʊryck.

Im Odenwald, ich wei genau von Reinheim ber Bieberau nach Reichelsheim, da legt man ein Stck gemtlich mit der Bahn zurck.

Dɛs Bǣnhən sd im gnzə Lnd bei allə Lͽyd gnz gūd bəkʰnnd. Es hāid əs Līsċhən, glāubd mȉʳs dɔch, fm Ɔuəwld, hͽyd immər noch.

Das Bhnchen ist im ganzen Land bei allen Leuten ganz gut bekannt. Es heit das Lieschen, glaubt mir's doch, vom Odenwald, heut immer noch.

Əs wolldˬəml mid dɛ̄rə Bn nch Brɛinbȧch fʳn ən Bauərmnn, dɛʳ hadd ə Gāi und waiər niĉhs und ə pʳ Maʴk in sinər Byĉhs.

Es wollte einmal mit dieser Bahn nach Brensbach fahren ein Bauersmann, der hatte eine Gei und weiter nichts und ein paar Mark in seiner Bchse.

Di Gāi, di wolldˬɛʳ dɔʳd fərun. Də Wɛ̄g wʳ waid. Ɛʳ wolld nt lāun. D sɛigdˬɛʳ: "Ih fʳn mid də Līs, d schɔun ih mȉʳ āuch noch min Fȳ."

Die Gei, die wollte er dort verkaufen. Der Weg war weit. Er wollte nicht laufen. Das sagte er: "Ich fahre mit der Liese, da schone ich mir auch noch meine Fe."

Ɛʳ taiġġd in Bɛ̄ʳɟʊrt in də Zugg. D hockən drin schn Lͽyd gənugg,  dɛs tiʳdˬən nt, ɛʳ hockd sih hīn und nɛ̄ƀər sih dɛs Gāiəfīh.

Er steigt in Beerfurth in den Zug. Da hocken drin schon Leute genug, das strt ihn nicht. er hockt sich hin und neber sich das Geienvieh.

"Mein Lieber, tu hinaus das Tier, denn es hat nichts verloren hier!" sɔu sɛigd zuˬım ən finə Hɛʳʳ. D wȉʳd dɛʳ Mnn ff aomal ȉʳʳ:

"Mein Lieber, tu hinaus das Tier, denn es hat nichts verloren hier", so sagt zu ihm ein feiner Herr. Da wird der Mann auf einmal irre:

"Ai, wnn Sı min", sɛigdˬɛʳ d, staiġġd hʳtiǵ aus də Aisəbn und bindd, sɔu gūd sih's machən lssd, di Gāi m lettə Wğğə fet.

"Ei, wenn Sie meinen", sagt er da, steigt hurtig aus der Eisenbahn und bindet, so gut sich's machen lsst, die Gei am hinteren Wagen fest.

"Sɔu, du ʳm Dīʳ, du must jetz lāun, in Brɛinbȧch wɛʳn ih dih fərun. Wnn dū nt rennt, dɛs sg ih dʳ, krigg ih kʰin Pʰenning mɛi dɐfŷʳ."

"So, du armes Tier, du musst jetzt laufen. In Brensbach werde ich dich verkaufen. Wenn du nicht rennst, das sag ich dir, kriege ich keinen Pfennig mehr dafr."

ff ainml dŭds ən lauə Pʰiff und lɔus fǣʳd jetz di Lokɵmotiv. "Ai hldˬəml, ih will noch mid!" sɔu kraischd dɛʳ Mnn jetz alləridd.

Auf einmal tut's einen lauten Pfiff und los fhrt jetzt die Lokomotive. "Ei halt einmal, ich will noch mit!", so kreischt der Mann jetzt alleritt.

Dɛs Kraischen dŭd ım niĉhs mɛi nytzən; es hilfd kʰin Rennən, hilfd kʰain Flitzən, dɛʳ Mnn flld grd noch in də Drɛck. Də Zŭg fɛiʳd lɔus, di Gāi sd wɛgg.

Das Kreischen tut ihm nichts mehr ntzen; da hilft kein Rennen, hilft kein Flitzen, der Mann fllt grad noch in den Dreck. Der Zug fhrt los, die Gei ist weg.

"Ws soll in Bɛ̄ʳɟʊrt ih d hockən? Ih glāub, ih mach mih ff di Sockə unduf nch Brɛinbȧch hld ɐllin. Mih dauərn blɔu min ʳmə Bin."

"Was soll in Beerfurth ich da hocken? Ich glaube, ich mache mich auf die Socken und laufe nach Beerfurth halt alleine. Mich dauern blo meine armen Beine."

Sɔu tappd ɛʳ hʳtiǵ ff də Glaisə, diˬım də Wɛ̄g nch Brɛinbȧch waisən, muss dauərnd yƀƀɛ Schwellə taiġġən. D siḩdˬɛʳ fɔʳnə ɛɖẃɐs laiən:

So tappt er hurtig auf den Gleisen, die ihm, den Weg nach Beerfurth weisen, muss dauernd ber Schwellen steigen. Da sieht er vorne etwas liegen:

"Dɛs sd mini", də Bauər denkd. "Di hȧd sih sɛlƀərt bgəhenkd und, fn də Aisəbnrschreckd, sih grd ə bissċhən hngəleggd.

"Das ist meine Gei", der Bauer denkt. "Sie hat sich selbert abgehenkt und, von der Eisenbahn verschreckt, sich grad ein bisschen hingelegt.

"Kʰumm, Gāi, taiġġ ff", sɔu ryffdˬɛʳ jetzt, "und alls nch Brɛinbȧch lɔusgəwetzd!" Dɛs Dīʳ, dɛs dŭd nt, ws ɛʳ will, und laid nuʳ d, gnz ruiǵ und till.

"Komm, Gei, steig auf", so ruft er jetzt, "und alls nach Brensbach losgewetzt!" Das Tier,, das tut nicht, was er will, und liegt nur da, ganz ruhig und still.

Ɛs hiʳd niĉhs mɛi, kʰnn āuch niĉhs frɛssən. Denkd ͽyh, də Kʰopp sd bgərssən und bmḿəld ɔune Laib und Fȳ m lettə Wğğə fn də Līs.

Es hrt nichts mehr, kann auch nichts fressen. Denkt euch, der Kopf ist abgerissen und bampelt ohne Leib und Fe am letzten Wagen von der Liese.

"Ai dū dumm Dīʳ", də Bauər schnnd. "Ws biśtʊʾnn āuch nt midgərennd? Jetz laitʊ d und hȧt kʰin Hȉʳn - und ih kʰnn waiər niĉhs wi plʳʳn."

"Ei, du dummes Tier", der Bauer schndet. "Was bist du denn auch nicht mitgerennt? Jetzt liegst du das und hast kein Hirn - und ich kann weiter nichts als plrren.

Und die Moral von der Geschichte: Wenn du verstehst die Technik nicht, so tu dich damit nicht abgeben, so bleibt die Ziege dir am Leben.

 

 

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bersicht

 

 

 

Datum: 2008

Aktuell: 26.03.2016