Diskussion Adebar

Befund

  • GrimmM (1835 / 1981) 2,560

    • ahd. odebero, udebero, otivaro, odebore, odeboro

      • mhd. adebar

    • and. odoboro (Köbler Asächs. o 48)

      • mnd. edebere, adebar

        • ndt. êber, äbêr, atjebar

    • mnl. odevare, hodevare

      • ndl. ôyevâr [heute: ooievaar]

Theorien und Diskussion

  • Adelung (1793-1801) 406

    • welche Nahmen dem Wachter zufolge einen Zugvogel bedeuten sollen, von einem alten celtischen Ad, Ed, Vogel, (S. Eidervogel) und fahren, reisen.

      • denkt wohl an cymr. adar 'Vogel' < *petar Pokorny 826

  • GrimmM (1835 / 1981) 2,560

    • bero oder boro ist träger, aber das erste wort, solange man der quantität des vocals unsicher bleibt, lässt sich schwer erklären, zwischen glückbringer (von ôt opes) und kindbringer wäre die wahl, doch das letzte stimmt zu dem noch allgemein herschenden volksglauben, dass der storch die neugebornen kinder zutrage. neben dem alts. partic. ôdan genitus, ags. eáden, altn. audinn müste sich ein subst. ôd, eád (proles) erweisen und alles wäre in ordnung.

      • Dieses Wort für 'Kind' gibt es aber nicht.

  • Kluge (1894) 5

    • Eine zweifellos sichere Deutung fehlt; das Wort wird meist als 'Kinderbringer' (zu anord. jóđ 'Kind') oder als 'Glücksbringer' gedeutet (vgl. Allod).

      • Köbler Anord 220

        • jōð, an., st. N. (a): nhd. neugeborenes Kind, Nachkomme; E.: germ. *euþa-, *euþaz, *juþa-, *juþaz, st. M. (a), Euter, Abkömmling, Kind; s. idg. *ēudʰ-, *ūdʰ-, Sb., Euter, Pokorny 347; L.: Vr 292a

          • kommt also nicht für Adebar in Frage.

  • Kluge 2002

    • Adebar "Storch" ... Das offenbar schon früh undurchsichtig gewordene Wort wurde verschiedenen lautlichen Umgestaltungen und Umdeutungen ausgesetzt. Sicher von Einfluß war die Deutung als "Glücksbringer" (zu g. *auda- "Heil, Glück" und *ber-a- "tragen, bringen"; gebären); vgl. zu dieser auch die Verdeutlichung mit heil in ndl. dial. heil-uiver; doch scheint dies bereits eine Umdeutung zu sein.

    • Das Hinterglied kann zu *ber-a- "tragen, bringen"

    • oder (mit niederdeutscher Inlautsentwicklung des f) zu *far-a- "fahren" gehören;

      • kann nicht sein.

        1. Die ältesten Wörter sind ahd. mit -b-, so auch mhd. und mnd. Nur ein ahd. Beleg hat -v-, sowie die ndl. Wörter.

        2. Zur Inlautsentwicklung vgl. änhd. Haber = mnd. haver 'Hafer'. Ein inlautendes mnd. b kann aber kein anlautendes f sein.

        3. Bei mnd. sē-vart = *mhd. sē-vart (nicht nachzuweisen) handelt es sich eine differenzierende Schreibung des weicheren f im Unterschied zum scharfen in "affe" vor (wier heute noch im Ndl.)

        4. Ahd. otivaro, odebore geben wohl beide ein gesprochenes *odəƀɔrə wieder, also kein anlautendes f- eines zweiten Gliedes.

        5. Lediglich die ndl. Wörter mit v lassen sich auf 'fahren' deuten (wie in zee-vaart), aber auch auf ƀ wie in haver 'Hafer'.

        6. Die ndl. Wörter schließen aber auch eine Deutung auf anlautendes b (etwa von beran 'tragen') aus.

    • das Vorderglied ist unklar - ein Wort für "Sumpf" (Adebar also als "Sumpfgänger", was sachlich nahe liegen würde) läßt sich nicht ausreichend sichern.

    • Zu erwägen ist eine Anknüpfung an die Partikel ig. *at- (mit verschiedenen Folgevokalen), die im Keltischen und Baltischen mehrfach "wieder, zurück" bedeutet. In diesem Fall also (in Verbindungen mit fahren) "Wiederkehrer", was insofern denkbar ist, als der Storch, ein zum gleichen Horst zurückkehrender Zugvogel, infolge seiner Größe als Individuum wiedererkannt werden kann.

      • "Fahren" kommt ja nicht  in Frage.

  • Pfeifer (1995 / 2005) 12

    • ... machen eine Grundform germ. *odabaro wahrscheinlich, die durch grammatischen Wechsel wohl aus älterem uda-faro entstanden ist.

      • Der "grammatische Wechsel" (Verners Gesetz) würde voraussetzen, das in der vorgermanischen Stufe ein endbetontes *udʰa- / utapëró zugrunde lag, sodass es sich schon um eine vorgerm. Zusammensetzung handeln müsste. Ein germ. *udafaro kann es dann nicht gegeben haben.

    • Wenn sich das erste Glied dieser Zusammensetzung mit aengl. waþum(a) 'Woge, Flut, Strom' verbinden und an eine dentale Variante auf -t von ie. *aud-, *ṷed-, *ud- (s. Wasser) anschließen lässt, so ergibt sich eine Bedeutung 'sumpfige Stelle, Wiese'

    • Das zweite Glied gehört zu ahd. faran 'gehen, fahren, so dass Adebar als 'Sumpfgänger zu verstehen ist...

  • Alternative:

    • aengl. oð-béran 'wegtragen, -bringen', nämlich den Sommer

      • *unð-beran < *n̟ti < anti Pokorny 49

      • nominal ode-bero 'Wegbringer' mit betonter Vorsilbe, vgl. got. unþa- und deutsch ent- / Ant-

Erklärung

  • zu aengl. oð-béran 'wegtragen, -bringen'.

  • Der Storch wurde zwar als Frühlingsbote begrüßt. Aber es muss noch viel beeindruckender sein, wenn sich die Störche im Ende August zum Abflug versammeln. Ich habe das nie gesehen, aber meine Mutter hat davon berichtet.

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 28.08.2021