Diskussion ahmen

Befund | Theorien | Diskussion | Erklärung

Befund

  • Lexer (1872-78 / 2002)

    • æmen, âmen swv. 'visieren' ... zu âme

      • âme , ôme stf. swm. n. ... ohm

  • Luther (1527):  hüte dich fur ohmen vnd nachspielen

  • Alberus (1540/ 1975)

    • Ich om, Conor exprimere aliorû facta seu mores [ich versuche Taten oder Sitten anderer auszudrücken], ich om nach.

  • Rhein. ahmen ā:mə Sieg-Rheidt schw.: ähneln. De ahmp dir ganz genau.

Theorien

  • Adelung (1793-1801) nachahmen

    • Dieses Zeitwort kommt so wie das einfache ahmen bey unsern ältesten Schriftstellern nicht vor.

    • Kero gebraucht dafür keleisinen, gleichsenen, in Boxhorns Glossen anakilinan, Ottfried,[363] Willeram und Notker aber biliden, piliden, bilden,

    • und spätere Oberdeutsche Schriftsteller andteren, andern, welches Frisch von ander, alius, herleitet, aber auch das Intensivum von ahmen seyn kann, so wie es das verwandte Latein. imitari von dem veralteten imari ist.

    • Aus diesem Lateinischen Worte erhellet zugleich das hohe Alter unsers ahmen, zu dessen Geschlechte auch das alte Schwed. äm und jetzige jämn, gleich, ähnlich, eben, gehöret. S. Eben Anm.

  • DWB

    • ahmen unterscheidet

      • AHMEN, ohmen, das fasz visieren.

      • AHMEN [amen], imitari, aemulari

    • NACHAHMEN, verb. imitari.

      • das wort tritt als nachomen zuerst in Alberus dict. (1540) Ee 1b auf: ich om nach, conor exprimere aliorum facta seu mores. bei Luther, Fischart, Butschky nachohmen, -öhmen, im Simplic. nachähmen, -öhmen, bei Zinkgreff 1, 320 nachähmen, bei Zesen 1641 J 2b nachahmen und so auch bei Hederich und Frisch.

      • die sinnliche bedeutung 'nachvisieren, nachmessen' (s. ahmen und ohmen) ging über in die abstracte 'nach maszgabe, nach einem vorbilde, muster ähnlich darstellen', wobei das vorbild eine person (d. h. deren werke, handlungen, sitten, art und weise) oder eine sache und demgemäsz die nachbildende darstellung sinnlicher oder geistiger art sein kann. s. Weigand 2, 175.

  • Pfeifer (1995 / 2005)

    • ähnlich

      • Es läßt sich nicht ausschließen, daß nhd. ähnlich als Mischform aus mhd. anelich und omd. ainlicheinlich (16. Jh.) entstanden ist; jedoch ist eine vielfach angenommene Herleitung des omd. einlich von ein nicht zwingend.

        • Mü-Fr 1,280 sächs. ee, ää, åå 'ein'!

    • nachahmen  

      • Vb. ‘nachmachen, imitieren, zu kopieren suchen’ (16. Jh.),

      • eigentlich ‘nachmessen’, zu mhd. āmen ‘visieren, eichen’, abgeleitet von mhd. āme, (md.ōme ‘(Flüssigkeits)maß’, nhd. (heute unüblich) Ohm (s. d.), entlehnt aus mlat. ama ‘(Wein)maß, Faß’, lat. amahama ‘Feuereimer’, griech. ámē (ἄμη) ‘Schaufel, Eimer’. 

Diskussion

  • Vergleich:

    • andteren (Adelung)

      • ahd. antarōn 'nachahmen', ant(h)arāri 'Schauspieler' 14 

      • wie th zeigt, < zu ander 'einen anderen spielen', eher 'sich verstellen' als 'ihn nachahmen'

      • Eine Parallelbildung zu imitari hätte amt- ergeben, kein Anlass für eine Assimilation.

      • Gegen das "hohe Alter" spricht das späte Auftreten 15" von ahmen.

    • aschwed. äm  (Adelung)

      • zu eben 'gleich', das aber im Germ. kein a- hat und sonst nur im And. ≌ emni (nicht  emmi)

    • < Ohm (DWB, Pfeifer)

      • "Nachohmen" wäre 'nachmessen, die Messung wiederholen' oder 'das Maß neu justieren', nicht 'nachmachen, imitieren'

  • Lautung:

    • DWB: ahm-, ohm- [ã: > ɔ:], ähm- / öhm- [ɛ:, e:]

      • sind die gewöhnlichen Aussprachevarianten von ei.

    • Rhein. eimer II ē:mər

      • 'rein, lauter, unvermengt

      • gleichartig'

        • e.ə Vögel sein beienander; auch präd., z. B. die Schwester sein ganz e.; auch adv.; was macht der Kranke? Antw.: Emmer e. immer der gleiche Zustand

    • Alberus "Ich om nach" (ich ahme nach) ist

      • nasaliertes langes a wie in lahm > *lãm > obh. lôm 531 mit o = ɔ

      • eim > ãm > ɔ̄m wie in Leimen 'Lehm' > obh. Lâme 554 mit o = ɔ

      • nicht aum > ãm > ɔ̄m wie in Baum > obh. Bâm 102

    • Sächs. Eimer = Eemer und Ååmer 1,280

      • Å [ɔ:] kann wie bei Alberus o geschrieben werden.

  • TH (2019)

    • Direkt vergleichbar ist nur rhein. ahmen ā:mə 'ähneln'

    • Shess. ämen 'füttern' lässt sich erklären als *amjan 'bemuttern', vgl. mhd. ammen 'ein Kind warten; pflegen überhaupt' (zu Amme)

      • Ahmen lässt sich verstehen als 'Amme spielen' oder 'ihrem Vorbild folgen'

      • ⒢ Ahmen hat keinen Umlaut und nur 1 m und daher ā.

      • Aber shess. ämen hat auch Langvokal und daher nur 1 m.

    • Einem mhd. eime , shess. âm

      • dasselbe bei anima > frz. âme 'Seele'

      • also einmen > eimen 'sich angleichen'?

    • zu lat. aemulari 'nacheifern, zu erreichen suchen, nachahmen'

      • lat. ae als ai übernommen wie in Caesar > Kaiser.

      • mhd. æmen, âmen 'visieren' nicht zu Ohm, sondern zu aemulari 'nacheifern', nämlich dem Vorbild des Hohlmaßes.

        • ei > [ɔ:] ist sächs., obh., shess., dort schon 1449 nachweisbar.

        • Æmen = [e:] ist die andere Variante von ei. Vgl. Leimen > Lâme / Lehm.

      • ⒢ Eine Entsprechung von aemulari fehlt im Roman. (Meyer-Lübke) und bedeutet im dt. Mlat. amare, odire, inuidere, sequi 'lieben, hassen, beneiden, nachfolgen' 201 als Fortsetzung des klass. Wortes.

    • wie engl. aim 'zielen' < afrz. aesmer, esmer, amer < lat. aestimare 'schätzen'

      • afrz. auch emer, amer, eimer 'schätzen, zählen, verstehen, einschätzen, vergleichen, urteilen, sich anbieten / vornehmen, anvisieren, zielen'

        • könnte > eimen, ahmen geworden sein.

          • 'schätzen' > visieren 'den Rauminhalt bestimmen'

          • 'sich vornehmen, zielen' > versuchen das Ziel > Vorbild zu erreichen, nachahmen

Erklärung

  • < aestimare

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Heinrich Tischner

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Datum 2019 | Aktuell: 08.11.2019