Diskussion Armbrust

Befund | Theorien | Diskussion | Erklärung

Befund

  • lat. 3e" ărcŭbăllĭsta 'Armbrust' 1,549

  • afrz. 11° arcbaleste, 11b" arbaleste

  • okzit. aubaresta

  • prov. arbalesta, albaresta 26

  • mhd. 12° armbrust 1,93

  • nhd. Armbrust

Theorien

  • Adelung (1793-1801) 1,432

    • ... In Ansehung des Geschlechtes dieses Wortes ist der Gebrauch sehr schwankend und unbeständig, indem man es so wohl in den ältern als neuern Zeiten in allen drey Geschlechtern findet. Doch wird es in dem weiblichen am häufigsten gebraucht.

    • Dessen Abstammung [< arcuballista] ist so ausgemacht noch nicht, daß sie nicht noch eine Untersuchung ertragen sollte.

      • Wachter leitet es von Arm, brachium, und dem alten bresten, brechen, her, weil dieses Geschoß einem gebrochenen Arme ähnlich sehen soll;

      • Grupen, von Arm und Borst, ruptura, weil es balista ligneo brachio instructa sey;

      • Gottsched von Arm und Rüstung;

      • Ihre endlich von dem alten arf, ein Pfeil, und bersa, birschen, bürschen, d. i. schießen.

    • Ein Paar Anmerkungen werden denen, die den Ursprung dieses Wortes genauer untersuchen wollen, nicht unnützlich seyn.

      • ... 4) Es gab ihrer überaus viele Arten, wovon du Cange und Carpentier nachzusehen sind. Unter denselben befinden sich auch die χειροβαλισρα bey dem Hero, die Manubalistae der Römer, die Balistae a pectoribus, bey dem Raim. Montanerius.

        • Georges 2,804: manuallista 'Handgeschütz'

        • Du Cange: Rectæ Balistæ quibus istæ Muschettæ proprie deputantur, sunt Balistæ, quæ Balistæ a pectoribus nuncupantur. 'Echte Geschütze, denen die Musketen zugerechnet werden, sind Geschütze, die man "Geschütze von der Brust" nennt.

          • weil man die Muskete beim Schießen vor die Brust hielt (Bild)

      • 5) Das b in der Mitte ist kein bloßes Anhängsel des m, wie Gottsched behauptete, indem Arm in den mittlern Zeiten nur selten Armb lautet, in Armbrust aber alle Mundarten beständig das b haben. Das r in der letzten Sylbe ist eher für ein zufälliger Buchstab zu halten, weil einige Mundarten dasselbe gar nicht haben; wodurch zugleich der Einfall von der Armrüstung völlig wegfällt.

        • würde nur das falsche armbmust betreffen. Arm(b)st, erbmst, arnst sind verkürzte Formen

      • 6) Hrn. Ihre Meinung, daß die letzte Sylbe von birschen, bürschen, schießen, sey, ist daher unwahrscheinlich, weil man besondere Birsch-Armbrüste hatte, die vornehmlich zur Jagd gebraucht wurden.

  • BMZ (1854/1866) 1,61a

    • deutscher sinn verlangte, daß ein wort i n  s i c h klar sei, wenn es auch dadurch entstellt wird: so ist im engl. asparagus in sparrowgrass, écrevisse in crawfish u. m. verwandelt, und so gar manches wort v e r d e u t s c h t worden (Gr. 3,560).

    • die brust erstrecken, sô die senwen tuot daz armbrust Parz. 36,1.

  • DRW: Armbrust (1896ff)

    • Formen: arm(b)brust, -brast, -brist, -brost, -prost, -burst, arborst, armbmust (Schreib- oder Lesefehler), arm(b)st, erbmst, arnst 

  • Pfeifer (1995 / 2005) 60

    • ...Von welchen Vorstellungen die Anlehnung an Arm und Brust, die die fremdsprachliche Lautgestalt mit dt. Wörtern nachzuahmen sucht, begleitet wird, läßt sich, da Übergangsformen fehlen, nicht ausmachen.

    • Gottscheds Versuch, mit Armrust n. (1748) eine nachträgliche Motivation (im Hinblick auf rüsten, Rüstung) herzustellen, bleibt ohne Nachfolge

  • Kluge 2002

    • Armbrust... (12. Jh.), mhd. ar(m)brust, ar(m)brost n

    • Volksetymologie. Entlehnt aus afrz. arbalestre. Dieses kommt aus l. arcuballista "Bogenschleuder" (zu l. arcus m. "Bogen" und l. ballista "Schleudermaschine", das aus einer Ableitung von gr. bálein "werfen, schleudern" entlehnt ist).

    • Das zweite Glied des deutschen Wortes wird zuerst auf mhd. berust, berost n. (Kollektivum zu rüsten) und erst sekundär (nachdem dieses Wort ungebräuchlich wurde) auf Brust (daher das Femininum) bezogen.

Diskussion

  • Zweifel an der Herkunft von lat. arcuballista bzw. prov. arbalesta sind angesichts der disparaten Formen verständlich. Die Erklärungsversuche sind aber noch fragwürdiger:

  • Es bleibt also nur die schon von Adelung vorgetragene Erklärung < arcuballista.

    • Dann müsste erklärt werden, wie daraus Armbrust werden konnte,

      • Missdeutung

        • "Arm", da die große Balliste keinen Bogen, sondern zwei einzelne Arme hatte, die ihre Spannung durch Verdrehung von Seilen erhielten.

          • nicht < roman. arma 'Waffe', das gegen arm und Arm keine Chance hatte.

          • nicht "Handballiste", da mhd. arm nur den Körperteil bezeichnet. Dagegen hantboge, hantbühse, handbuoch. Lexer 1,1120

        • "Brust", da man sie vor die Brust hielt (nachweisbar nur bei der Muskete)

      • Lautveränderungen:

        • -ballísta

        • x roman. albaresta

        • vortoniges a > *ɐ > 0 reduziert

        • durch germ. Tonverlagerung > árm-bɐrəst brust

    • oder Alternativen

      • verdeutlichende Zusammensetzung arma 'Waffen' + berust-

        • müsste auf jeden Fall Umlaut haben

        • Nur BMZ 2.1,8213a hat berüste 'ich rüste aus'. Ein Nomen ist nicht belegt

        geht nicht.

Erklärung

  • viel einfacher: Das deutsche Wort knüpft nicht an arcuballista an, sondern beschreibt die Bauweise der Balliste mit zwei "Armen", in deren "Brust" sich die Mechanik und der Lauf befanden.

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 28.08.2021