Diskussion beginnen

Befund | Theorien | Diskussion | Klärung | Erklärung

Befund

  • germ. *-ḡenwan 'anfangen'

    • got. du-ginnan 'anfangen' 414

    • aengl.

      • á-ginnan 'anfangen' 15

      • be-ginnan 'anfangen, versuchen, unternehmen' 38

      • on-ginnan 'anfangen, versuchen, sich bemühen' 264

    • afries. bi-jenna 'anfangen' 53

    • and. bi-ginnan 'anfangen' 27

    • ahd.

      • bi-ginnan 'anfangen, unternehmen, versuchen, anstrengen, erstreben, untersuchen, entstehen' 26

      • in-ginnan 'anfangen, versuchen, anstreben, erschaffen' 175

      • nhd. be-ginnen 'anfangen'

  • alban. albWb 637 f

    • zë trans. 'fassen, anfassen; fangen; erfassen, befallen; für sich nehmen, einnehmen, besetzen; versperren, blockieren; etw. anfangen, aufnehmen (Lied) anstimmen;  sich zuziehen, kriegen, sich füllen mit, ansetzten; ein Mädchen / sich einem Mädchen verloben; betrachten / ansehen / nehmen als; aufnehmen, wahrnehmen';  intr. 'aufgehen (Saat), einwurzeln; anfangen, beginnen'

    • zë́në 'besetzt, beschäftigt; verlobt; gefangen'

    • zë́nët 'Fassen, Anfangen; Streit'

    • zë́nie 'Erfassen, Ergreifen, Fangen; Streit, Streiterei'

  • luw. zan- 'suchen'

  • heth. zenna- 'beendigen'

Theorien

  • Adelung (1793-1801) 1,803

    • Es ist ohne Zweifel das Frequentativum von gehen

  • Kluge (1894) 33

    • beginnen... Dieser in alter Zeit nur zusammengesetzt auftretende Verbalstamm beruht auf einem vorgerm. pi- bhi-kenwô mit Verschiebung von k zu germ. g im Wortinlaut. Eine idg. Wurzel ken vgl. in aslov. [aslaw.] po-číną (Infin. po-ćęti) 'anfangen', konĭ 'Anfang'.

  • Pokorny (1959/2002) 437 f

    • ghend- und ghed- 'fassen, anfassen, ergreifen', z. T. auch 'geistig erfassen'

      • Vielleicht hierher (als mit cymr. genni bildungsverwandtes *ghend-no-): ... beginnen

      • (andere Deutungsversuche...

        • davon beachtenswert ... als *ĝhen-ṷō zu  alb. zë̄,  geg. zâ 'berühre, fange an , empfange (vom Weibe), miete' aus uralb. *zenō)

      • ähnlich Pfeifer (1995 / 2005) 111, Kluge 2002

  • Pfeifer (1995 / 2005) 111

    • Eine sichere Etymologie ist nicht erkennbar...

    • Oder ist hier angesichts der unzureichenden außergerm. Beziehungen bei guter germ. Bezeugung die Wirkung eines nicht-ie. Substrats anzunehmen ( de Vries Nl. 38)?

  • TH 2004

    • noach. *жeʍ- 'Verwandtschaft' 

      • noach. *ɢeљ 'zeugen, gebären'

        • japhet. *ƺen 'zeugen, gebären'

          • pgerm.*-ḡenwan 'anfangen'

            • unverschobenes g, entspricht formal got. kinnus 'Wange', lat. genu-inus 'Backenzahn'

            • formal vgl. lat. in-genuus 'eingeboren, angeboren' LS 580

            • mit -nʊ- > -nn- KraheG 1,112

Diskussion

  • Adelung

    • Frequentativum von gehen

      • wäre 'häufig gehen'

      formal und inhaltlich unhaltbar

  • Kluge

    • zu aslaw. konĭ 'Anfang

    • pi- bhi-kenwô mit Verschiebung von k zu germ. g im Wortinlaut

      • wäre grammatischer Wechsel k > ħ > h in betonter Silbe bzw. > ḣ > g in unbetonter Silbe.

      • würde zutreffen, wenn -wô die betonten Silbe kennzeichnen sollte

      • aber doch nicht in der Fuge nach einer Vorsilbe

      kommt nicht in Frage.

  • Pokorny

    • < *ghend-no- ist möglich, die Grundbedeutung 'fassen' steckt auch in 'anfangen'.

      • *gʰe\n/d- < *gʰed- mit präsentischem n

    • albWb (1987)

      • 637 ff zë 'fassen' kann auch 'anfangen' bedeuten

      • uralb. *zenō ist durch alb. Formen mit n gesichert.

      • ë < a, nicht e, vgl. geg. zâ

        vergleichbar ?
        Luw. und heth. z ist eher [ts] als [z]; Da die anatolischen Sprachen nicht zwischen Tenues und Media unterscheiden, kann wohl auch für [dz] = ƺ stehen.

        • luw. zan- 'suchen'  (nach etwas tasten)

        • heth. zenna- 'beendigen'

      • setzt auf jeden Fall nicht g, sondern ƺ voraus.

    • Pokornys gʰ- beruht auf der unsicheren Zuordnung von slaw. aslaw. gadati 'vermuten, meinen', andernfalls kann man auch ƺʰ- annehmen, das ich aus aind. हर् har 'halten, nehmen, tragen' und हस्त hásta 'Hand, Rüssel < japhet *ƺʰe- 'greifen' erschlossen hatte. Dann ließen sich auch die alb. und anatol. Wörter hier einordnen.

      • Dann müsste aber n < nd entstanden sein, was unwahrscheinlich ist.

  • Pfeifer

    • Wirkung eines nicht-ie. Substrats

      • reine Spekulation, wenn man die Herkunftssprache nicht definieren kann

  • TH

    • pgerm. < japhet. *ƺen 'zeugen, gebären'

      • "Beginnen" ist wgerm. und got., fehlt im Ngerm. Das spricht gegen ein nwdt. pgerm.

      • KraheG 3,74 ff Germ. -wa- ist Adjektivsuffix, kein Verbalsuffix.

        • Daher ist ein direkter Vergleich mit lat. ingenuus nicht möglich.

Klärung

  • Die alban. und anatol. Wörter sind problematisch wegen n.

Erklärung

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 10.02.2019