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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Etymologie

bermeise

 mhd. 'Vogelmutter'

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zu Grimm, Weistümer IV,533-37 "Weistum über die Dieburger Mark"

Bermeise ist ein altertümlicher Ausdruck, der in anderen Weistümern verschieden wiedergegeben wird:

  • Rheingau: kolemeise / entspricht falbe henne

  • Lorsch: baummeise / entspricht hubenrechte henne (Grimm, Rechtsaltertümer S 125)

  • Lahnstein: banmeise

  • Kreuznach: sterzmeise (Kehrrein 277)

Offenbar hat man im Rheingau und in Kreuznach das unverstandene Wort durch den Namen zweier Meisenarten (parus maior und aegithalos europaeus) ersetzt. Es ist aber unwahrscheinlich, daß gerade eine bestimmte Meisenart geschützt werden soll. Auch die Ausdrücke banmeise (verbotene Meise) und baummeise sind durchsichtige Bildungen, an denen man nur erkennen kann, dass man das altertümliche Wort nicht verstanden hat. Immerhin bestätigen diese Ausdrücke das b- in unserem Weistum.

Es ergeben sich nun folgende Möglichkeiten der Deutung:

1. Der Vogel ist eine Meise bzw. ein kleiner Singvogel. Dafür spricht: der eindeutig überlieferte Name Meise - die im Rheingauer Weistum verbotene Fangart "mit limen (Leim) ader mit slagegar".

a) Bermeise 'Vogelmutter' zu mhd. bern 'gebären', das aber für Vögel ungewöhnlich ist. Normal sagte man hecken.


2. Der Vogel ist ein Wildhuhn. Dafür spricht die Buße einer Henne. Dagegen spricht aber der Name Meise.
b) Bermeise 'brauner Vogel' (vgl. lit béras "braun' was für die meisten Hühnerarten zutrifft. Dafür könnte auch die Rheingauer Buße einer falben (hellbraunen) Henne sprechen.

c) Bermeise 'Wildvogel' (Bergmeise), vgl. mnd. berhân 'Fasan', beerhun 'Auerhuhn?'

Die Deutung 'Wildhuhn' scheitert aber an dem Namen Meise. So bleibt eigentlich nur die Bedeutung 'Gebärmeise'.
Das Fangen einer Vogelmutter ist bereits in der Bibel verboten (Dtn 22,6+7), Wenn wir das so verstehen, wäre die Schwierigkeit umgangen, wieso gerade eine bestimmte Vogelart geschützt werden soll: Nicht eine bestimmte Meisenart, sondern die Vogelmutter überhaupt darf nicht gefangen werden. Sie hat sozusagen Schonzeit. Dabei ist das Wort Meise als Beispiel gewählt und gilt sinngemäß auch für andere Vögel.

 

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Übersicht

 

 

 

Datum: 1978 / 2007

Aktuell: 10.02.2019