Diskussion Bett

Befund | Theorien | Diskussion | Klärung | Erklärung

Befund

  • germ. *baði 'Bett'

Theorien

  • Adelung (1793-1801)

    • Herr Ihre hält den Begriff der Wärme für den herrschenden in diesem Worte, und rechnet es zu dem Griech. βω, calere, mit welchem das Schwed. badda, rösten, überein kommt; S. Bähen.

    • Allein Wachters Meinung, der es zu beiten, warten, rechnet, hat mehr Wahrscheinlichkeit für sich, und schickt sich besser für das hohe Alterthum dieses Wortes und die Einfalt der damahligen Sitten, da man von einem Nachtlager wohl eben keine Wärme zu verlangen Ursache hatte.

    • Vermittelst des Zeitwortes beiten ist Bett mit dem Chald. Arab. und Äthiop. בוּת und בִית übernachten, und dem Hebr. בֹת, Wohnung oder Ort, und בית Haus, verwandt.

    • S. Bude und Bauen.

  • DWB (1854)

    • das lager zur ruhe und zum schlaf.

    • ein gramm. 2, 25 aufgestelltes etymon für badi wird zwingend sein, sobald sich bidjan bad in der sinnlichen bedeutung von liegen bewährt (s. bitten), badi ist lager, goth. ligrs, lectus, von ligan, wie cubile von cubare, κλίνη von κλίνειν, stratum von sternere lectum.

      • DWB (1860)

        • Bitten... beide petere und bitten könnten ursprünglich die bedeutung von procumbere, cadere ad terram enthalten haben, und wie petere terram hiesz was alts. erda sôkian, mhd. erde suochen, ags. hrusan sêcan = zu boden fallen, petere lectum, somnum, ins bett fallen (1, 1723. 1724), das bett suchen, die federn suchen; gerade so musz auch bitten, beten und betteln von dem demütigen und armen gelten, der vor gott die knie beugt, vor dem reichen niederfällt, dessen füsze sucht (ad ejus pedes procumbit). das bett war das lager, worauf der müde mensch niederfällt

    • da nun weiter strages von sternere, streu und stroh von straujan abstammen; so darf vielleicht auch goth. badv (zu folgern aus ahd. pato, ags. beado, altn. böð) strages, pugna, niederlage, wahlstätte herangezogen werden.

    • in fremden sprachen gemahnt an badi das finn. vuodet, est. wodi lectus, cubile, samojed. wau (suomi 1845 s. 183),

    • welsche bedd sepulcrum, amor. béz,

      • cymr.  bedd 44, corn. bēth 9, bret. bez 39 'Grab'

    • vgl. mit ahd. betti grab, O. III. 24, 82, alts. hrêobeddi. Hel. 125, 12.

  • Kluge (1894)

  • Pfeifer (1995 / 2005)

    • Bett n. ‘Liegestatt zum Schlafen, Federbett, Bettdecke’.

      • Dem gemeingerm. Wort für ‘Liegestatt’ ahd. betti ‘Lager, Bett, Federbett, Beet’ (8. Jh.), mhd. bette, asächs. bed, mnd. mnl. bedde, nl. bed, aengl. bedd, engl. bed, anord. beō̇r m., got. badi. Herkunft ungewiß.

      • Vielleicht liegt die Verbalwurzel ie. *bhedh- ‘stechen, besonders in die Erde stechen, graben’ zugrunde, zu der lat. fodere ‘graben’ und fossa ‘Graben’, lit. bèsti (bedù) ‘stechen, bohren, graben’, aslaw. bosti ‘stechen’, russ. bodát’ (бодать) ‘mit den Hörnern stoßen’, kymr. bedd ‘Grab’, gall. bedo- ‘Kanal, Graben’ gehören. Danach wäre germ. *badja- ursprünglich eine ‘in den Boden eingegrabene Lagerstätte, Schlafgrube’, zunächst wohl für Tiere.

      • Die Vorstellung, wonach der Mensch seine Schlafstelle nach dem Lager eines Tieres benennt, wird von de Vries Nl. 34 bezweifelt, der Bett als ‘warme Stelle, wo man vor Kälte geschützt ist’ erklärt und etymologisch zu ↗Bad (s. d.) stellt.

      • Den Germanen ist das Bett in seiner heutigen Gestalt unbekannt; sie schlafen auf Tierfellen, später auf Matten, bis schließlich feste Schlafbänke an den Wänden der Wohnräume aufgestellt werden, vgl. ahd. bettibret (9./10 Jh.), mhd. bettebret, asächs. beddibred ‘Bettstelle’. Das bewegliche Bett auf hölzernem Gestell, eine Erfindung der Mittelmeervölker aus klassischer Zeit, wird erst später üblich.

  • Kluge (2013)

    • Bett Sn std. (8. Jh.), mhd. bett(e), ahd. betti, as. bed(di) Nicht etymologisierbar. Aus g. * badja- n. "Bett", auch in gt. badi, anord. beđr m. ("Polster, Federbett"), ae. bed, afr. bed. Herkunft unklar.

    • Air. lepaid f., das neben "Bett" auch "Schlafzimmer, Zufluchtsort" bedeutet, weist am ehesten auf eine Vorform (ig.) * bhotjó-. Zu beachten ist auch das zweite Glied von gr. krábbatos m. "(niedriges) Ruhebett", dessen Herkunft ungeklärt ist.

    • Die traditionelle Erklärung von Bett als "Schlafgrube" (zu l. fodere "graben") ist von der Sache her unhaltbar. Eine ursprüngliche Bedeutung "Boden" ist dagegen wahrscheinlich - sie führt aber kaum auf ig. * bhedh- "graben" zurück.

    • Die Folge Labial - Dental bei verschiedenen Artikulationsarten ist in diesem Bedeutungsbereich auffällig (bhot- oder bhodh-, ngr. pátos "Boden, Sohle, Bett usw." aus pat-, ne. pad "Kissen, Pfote, Bett" aus bodh oder bot). Handelt es sich ursprünglich um Lautnachahmungen ("stampfen" ?, "tappen" ?), die zu "gestampfter Boden" führen und dann weiterentwickelt werden oder um Entlehnungen aus einer Substratsprache ? -

    • Bett und Beet sind ursprünglich dasselbe Wort - die beiden Bedeutungen sind dann auf verschiedene Lautvarianten verteilt worden...

Diskussion

  • 'wärmen' (Ihre, de_Vries)

    • bähen 'erwärmen', Bad 'heißes Wasser'. Die Bettdecke wärmt nicht aktiv, sondern erhält nur die Körperwärme.

  • beiten 'warten' (Wachter)

    • Gedankensprung weilen > warten / Bett

  • sem. 'übernachten, wohnen, Haus' (Adelung)

    • Da Bett zum Grundwortschatz gehört, kann das Wort noach. sein, wegen des Vokalismus aber unwahrscheinlich, hbr. bēt (= arab. bit) bei Genitivkonstruktionen (Beth-lehem) ist nicht ursprünglich.

  • bitten *liegen* (DWB)

    • sehr gekünstelt,

  • kelt. 'Grab' (DWB); 'graben' Kluge (1894) (unhaltbar Kluge (2013)) > unten

    • Ein Zusammenhang zwischen kelt. *bet- 'Grab' und germ. *bad/ði 'Bett' lässt sich nicht leugnen.

    • Bett = Grab kann sein:

      • ein Gestell, auf dem der Tote aufgebahrt wurde

        • für die Verbrennung

        • als Liege für die Grabkammer wie beim Keltenfürsten von Hochdorf, der auf einem Sofa lag.

      • eine sachliche Assoziation wie lat. lectus 'Ruhebett > Totenbett' 504

      • ein Vergleich in der Machart: Das Bett ist eine Art Kasten mit einer "Grube" zur Aufnahme der "Matratze"/ Unterlage.

  • *Polster* Kluge (1894)

    • anord. beðr 'Unterlage (im Bett), Polster; Bett' 42

      • finn. patja 'Matratze, Unterlage' 595

      • estn. padi 'Kissen' 560 

      • TH (1985) Über den Vergleich von Sprachen
        ergänzt 04.06.2018

        • *bait-

          • germ.

            • pfeit 'Hemd'

          • finn.

            • paita, paitis 'Hemd' 577

            • peite 'Decke, Bettdecke, Hülle, Plane, Verkleidung, Schicht' 597

        • germ. *wēdiż 'Gewebe'

          • finn. vaate 'Kleidungsstück, Tuch, Wäsche, Betttuch, Wandbehang' 971

        • osset. вађ vath 'Bett' 375

        • ural. *oɖ- 'Bett, betten, ausbreiten'

          • finn. vuode 'Bett' 1044

          • estn. voode 'Bett' 681

          • sam. oađđe- 'Bett'

        • ung.

        • hebr.

          • אפד epod (samar. ibbod) 'Priesterkleid' 75

          • בד bad 'Stück Tuch, Leinen'? (nur hbr.) 84

        • türk.

          • bez 'Gewebe, Baumwollstoff, Lappen' 72

        • suah.

          • vazi 'Kleid'

  • bhotjó- > air. lepaid (Kluge (2013))

    • ohne Erklärung unverständlich. *leg-bati 'Legebett'?

  • griech. krábbatos (Kluge (2013))

    • ungeklärt

  • Lautnachahmungen 'stampfen' (Kluge (2013))

    • wäre z. B. patschen

  • Substratsprache (Kluge (2013))

    • kann jeder behaupten. "Substrat"  muss sich nachweisen lassen, z. B. durch Vergleiche.

    • könnte für *Polster* zutreffen.

Klärung

  • Alle vorgeschlagenen Alternativen zu 'graben' lassen sich nicht verifizieren. Aber Grab = Bett ist auch nicht befriedigend.

  • < B/r\ett  vgl. Pritsche Regel

    • unwahrscheinlich, da der Ausfall des r keiner Regel folgt.

  • Bett *Decke* :: Beet < *bʰodʰi 'Gegrabenes'

    • kaum wahrscheinlich, da 'Gartenland' nur Nebenbedeutung ist.

    • Gemeinsame Grundbedeutung könnte sein 'abtrennen':

      • das vermutete ursprüngliche Fell als Unterlage oder Zudecke vom toten Tier

      • das Stück Gartenland von seiner Umgebung

    Das würde dann doch zu *bait- 'Felldecke' führen samt den afroasischen Wörtern für 'trennen'.

  • Da griech. (und kelt.) b oft < *ğ (= gʷ), evtl. < gʷēi- (oder gʷei̯ǝ-): gʷī- 'Haut, Fell'?

    • Ai. jīna- 'lederner Sack', jīla-ḥ 'Schlauch'; mir. bían 'Haut, Fell'

      • Das wäre aber ei, nicht ai.

      • würde nur *bait- erklären, aber nicht Bett.

  • lat. sponda 'Bettgestell, Bett, Sofa, Totenbahre' < *śpʰëḫ- 'spalten; Holzstück' < bʰëḫ- 'spalten'

    idg. *śpʰëdʰ- 'langes, flaches Holzstück (Leiste)'

    • geht nur, wenn man 'Holzkonstruktion' als ursprünglich annimmt, aber "Leiste" ist zu schmal.

  • japhet. 'ausbreiten'

    • passt zu "Betttuch" und "Decke"

    • Aber die lat. Entsprechung pătēre 'offen stehen...' hat p, nicht b.

  • japhet. sp(h)ei : sp(h)ī̆ und sp(h)ē : sp(h)ǝ-2 'ziehen, spannen'

    • griech. σπάτος n. 'Haut' ('*Abgezogenes')

      kaum wahrscheinlich

  • engl. pad 15m" Bündel Bettstroh, 17a" Schlafplatz (slang) ; + 15" gepolsterter Sattel, 16" kleines Kissen, 17" Pfote, 18" Papierblock 330 

    • =? anord. beðr 'Unterlage (im Bett), Polster; Bett' 42

      • finn. patja 'Matratze, Unterlage' 595

      • estn. padi 'Kissen' 560 

    • Besser pad < pád 'Gewand' unverstanden übernommen.

      • vgl. germ. *wēdiż 'Gewebe' > finn. vaate 'Kleidungsstück, Tuch, Wäsche, Betttuch, Wandbehang' 971

  • Bett ließe sich mit Pfeit erklären, aber Beet verweist eher auf 'graben'.

    • Pfeit f., Bett, Beet n.

      • anord. beðr m., also Ableitung, nicht ursprünglich,

        • Bedeutungsdifferenzierung wie bei die / der See

      • Das nord. Wort ist (schwed.) säng 'Bett, Beet', 435 Herkunft unklar.

        • auch hier Bett = Beet

        Man wird also Bett von beðr 'Unterlage, Polster' trennen müssen.

      • Was haben Bett und Beet gemeinsam?

        • Gemeinsame Grundbedeutung könnte sein

          • 'abtrennen':

            • der Schlafplatz vom Rest des Hauses

            • das Stück Gartenland von seiner Umgebung

          • 'graben'

            • Ein Erdgrab ist durch den Sarg und die lockere Erde zunächst höher als seine Umgebung. Mitunter sind heutige Gräber durch einen Holzrahmen eingefasst und ähneln damit einfachen Bettstellen.

            • Vergleichspunkt wäre nicht die Vertiefung, sondern die Erhöhung oder Einfassung.

            • Die Bank war ursprünglich eine Erdaufschüttung. Man könnte Bett verstehen als Schlafbank. Die Erhöhung erleichtert bei beiden das Aufstehen.

            Diese Erklärung ist fragwürdig, weil wir nicht sicher wissen, worauf die Menschen der Jungsteinzeit geschlafen haben.

            • Das Flussbett ist keine Erdaufschüttung.

          • Ruhebett = Flussbett = Gartenbeet auch in

            • engl. bed 'Bett, Flussbett, Tierlager, Beet' 1963,59

            • ir. leaba 'Bett, Lager, Grab, Grabhügel, Flussbett' 209 

            • schwed. säng 'Bett, Beet', 435

            • türk. yatak 'Ruhebett, Flussbett, Lager, Unterschlupf' < yat- 'sich hinlegen' 486f

            Auch wenn die Gedankenzusammenhänge unverständlich bleiben, spricht gerade das ir. Wort dafür, dass Bett und graben zusammengehören.

        • Kluge (2013): Eine ursprüngliche Bedeutung "Boden" ist dagegen wahrscheinlich - sie führt aber kaum auf ig. * bhedh- "graben" zurück.

          • O doch: japhet. *bʰödʰ- 'stechen, graben' > 'Grundfläche eine Vertiefung (Fluss) > Standfläche > Erdboden (Bett) > Grundstück (Beet)

Erklärung

  • < graben

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 10.02.2019