Diskussion Dieb

Befund | Theorien | Diskussion | Klärung | Erklärung

Befund

  • got. þiufs 'Stehler' 472

  • anord. þjófr 'Stehler' 774

  • aengl. þeóf 'Stehler'

    • engl. thief 'Stehler'

  • afries. thiāf 'Stehler' 110 

  • mnl. nld. dief 'Stehler'

  • and. thiof 'Stehler' 78

    • mnd. dêf (dief, deif) 'Stehler'  75  

  • ahd. 8" thiob, diub 'Stehler, Räuber' 5,97

    • mhd. diep, diup 'Stehler'

      • nhd. Dieb 'Stehler'

Theorien

  • Adelung (1793-1801)

    • Wachter und die meisten Wortforscher behaupten, daß Dieb anfänglich einen Knecht bedeutet habe, und erst nachmahls wegen der Untreue dieser Art Leute in dem heutigen Verstande üblich geworden, welches Schicksal auch das Latein. Fur gehabt.

      • Gewiß ist es, daß Theowe im Angels. einen Knecht, Thiuuui aber bey dem Ottfried, Notker und Tatian, eine Magd bedeuten. Eben diese Bedeutung hat auch das Schwed. Thyr, im Fämin. Thy (S. Dirn), das Böhmische Dewka, eine Magd, und das Griech.θησ, θησσα, ein Knecht, eine Magd, S. Dienen.

    • Ihre bestreitet diese Abstammung, weil das Goth. Thiubs, ein Dieb, und Thius, ein Knecht, zu kurz sind, als daß eines von dem andern herkommen könne.

      • Ihm zu Folge stammet Dieb, servus, von dienen, Dieb, fur, aber von einem unbekannten Verbo her, welches verbergen bedeutet hat, von welchem thiubjo bey dem Ulphilas für heimlich vorkommt;

        • so wie das Griech. κλεπτης von κλεπτω gebildet ist. Im Pohlnischen bedeutet dybie schleichen, lauern; in eben dieser Sprache aber ist Dyba auch der Ort, wo man die Leibeigenen verkauft, ingleichen das Halseisen.

  • Kluge (1894) 71

    • Dieb M. aus gleichbed. mhd. diep [diebes], ahd. diob, M: ein gemeingerm. Wort, vgl. got þiufs (b), ndl. dief; angs. théof, engl. thief. Über das Germ. hinaus läßt sich das Wort nicht verfolgen...

  • Pokorny (1959/2002) 1085

    • teup- 'sich niederkauern, auch um sich zu verstecken'

      • Gr. ἐντυπάς Adv., II. 24, 163, wenn 'kauernd, hockend' bedeutend; vermutlich aisl. þopta f. 'Ruderbank' (auf man hockt), ahd. dofta f., mnd. ducht f., ags. ðoft ds. (wozu aisl. þopti m. 'Mitruderer', ags. geðofta 'Genosse', ahd. gidufto 'Mitruderer, Genosse') und got.þiubjō 'heimlich', þiubs 'Dieb', aisl. þjōfr, ags. ðēof, as. thiof, ahd. diob 'Dieb'

  • DEt (1963) 109

    • Dieb m: Die Herkunft des gemeingerm. Wortes mhd. diep, diup, ahd. diob, thiob, got. þiubs, engl. thief, schwed. tjuf ist nicht sicher geklärt. Vielleicht gehört es im Sinne von „Sichniederkauernder" zu der idg. Wz. *teup- „sich niederkauern, sich verbergen"; vgl. z. B. lit. tupti „sich hinhocken", lett. tupt „hocken".

  • Pfeifer (1995 / 2005)

    • ...Dieb wäre dann als einer zu verstehen, der sich heimlich duckt, um nicht gesehen zu werden.

    • de Vries Nl. 115 hält diese Ausgangsbedeutung für wenig befriedigend und glaubt, daß das germ. gut bezeugte Wort einem vorie. Substrat entstammen könne.

  • TH

    21.01.2022

    • wie Maus > mausen 'stehlen' zu einem Tiernamen 'Raubtier'

    24.01.2022

    • zu Stief- < germ *steupan 'abhacken', aengl. ástýpan 'berauben' < idg. *śtü- 'stoßen'

Diskussion

  • Adelung

    • bzw. seine Gewährsleute versuchen got. þiuf-s 'Dieb' durch þiu-s 'Knecht' zu erklären, was schon von Johan Ihre (1707–1780) in Frage gestellt worden war.

  • DEt, Pokorny, Pfeifer *sich ducken, hocken*

    • Bezeugt sind nur die Bedeutungen 'hocken; Ruderbank' (*Hocker*) und 'Stehler'.

    • 'wer sich duckt um nicht gesehen zu werden'

      • Die Ausgangsbasis ist sehr dünn und die Anknüpfung von Dieb daher "wenig befriedigend" (de Vries).

      • sich verstecken tut eher ein Räuber, der aus seinem Versteck hervorspringt und dem Opfer etwas entreißt. Der Dieb nutzt die Gelegenheit, wenn keiner da ist.

  • de Vries Substratwort

    • De Vries wittert überall Substratwörter. In diesem Fall könnte er aber recht haben, weil das Grundwort nur germanisch ist.

  • TH

    zu sem. *żību 'Wolf'

      • Dieb ist keine erkennbare Ableitung von einem Verb, also wohl ein Primärnomen, deutet also keine Tätigkeit an, sondern einen Wesenszug.

      • Dieb < germ. þiuf setzt vgerm. *teup- voraus.

        aber:

        • Das arab. ذىب ðīb hat am Anfang ✳stimmhaftes þ. Das hbr. ż ist nur Lautersatz.

        • Wie hbr. זאב żǝʔéb zeigt, ist der ✳Vokal eher Diphthong als langer Monophthong.

    • Wie soll ein semitisches Wort nach Mitteleuropa kommen?

      • mit der bandkeramischen Kultur, von der einige landwirtschaftliche Fachwörter stammen?

        • ⒢ Das Raubtier schädigt eher Viehzüchter als Pflanzer.

          • Nahrungskonkurrent schon der Jäger.

    zu Stief- < germ *steupan 'abhacken', aengl. ástýpan 'berauben' < idg. *śtü- 'stoßen'

    • germ. *þiufaż :: *steupan < idg. -p- :: -b-

      aber ähnlich:

      st :: þ

      • *śtëg- # > griech. στέγος stégos = germ. *þaka(n) 'Dach' 1875.

      b :: p

      • kaʙ # 'Greifvogel'

        • slaw. *кобьць *kobĭcĭ 'Habicht'

        • lat. capys, capus 'ein Greifvogel'

      • kseiʙ # 'werfen, schwingend schleudern'

        • aind. क्षिप् kćip 'werfen'

        • russ. шибить šibítĭ 'werfen, schlagen'

    • ⒡ kein Hinderungsgrund und wahrscheinlicher als 'Wolf'

Erklärung

  • < germ *steupan 'abhacken > und mitnehmen'

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Heinrich Tischner

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Datum: 2022 | Aktuell: 08.02.2022