Diskussion eben

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Befund

  • eben Adj. ‘flach, ohne Erhebung’, Adv. ‘gerade, genau’, ahd. eban(i) ‘glatt, flach, gleich, gleichmäßig, gerecht, gerade (von Zahlen)’ (8. Jh.), mhd. ebenebene, asächs. eƀan, mnd. ēven(e)effen, mnl. nl. effeneven, aengl.efen, engl. even, anord. jafnjamn, schwed. jämn, got. ibns, germ. *ebna-

Theorien

  • Stieler (1691/ 1968) 1,356

    • Eben / adj. Saxon. Epen & Belg. Effen / ab Ev / quatenus aequum & bonum ſignificat, cujus regula lex eſt, transferturq[ue] ad omne aequale, planum, rectum, directum, ſed etiam ſimilitudinem veram & convenientem ſignat.

    • = Eben, Adj. Sächs. epen, belg. effen, von ev, sodass es 'gerecht und gut' bedeutet, 'dem Gesetz entsprechend', übertragen auf alles gleiche, ebene, rechte, richtige, deutet aber auch auf wahre und zutreffende Ähnlichkeit.

  • DWB (1862)

    • eben , planus, aequus, aequalis, goth. ibns, ahd. ëpan, mhd. ëben, alts. ebhan, mnl. nnl. even, ags. efen, engl. even, altn. iafn, dän. jevn, schw. jemn;

    • dem lat. aequus, aequalis, it. uguale, sp. igual, fr. égal verwandt, wie equus dem ἵππος, oder aqua, goth. ahva, ahd. aha in alten flusznamen affa lautet, ja man könnte ἴσος heranziehen.

    • für unser deutsches wort habe ich wb. 1, 6. 22 eine wurzel iban af êbun gesucht, der viele wörter, namentlich alte partikeln zufallen, gerade wie wir eben auch noch partikelhaft erkennen, vgl. eben adv. und neben; doch die erste sinnliche bedeutung dieser wurzel läszt sich vielleicht entwickeln.

      • iban af êbun = ab > erschlossenes Verb Inf. iban, Prät. (ich) af, (wir) êbun,

      • leider unverständlich

    • eben und planus enthalten den begrif des flachen, vorhin wurde auch ebbe und aequor auf das flache, ruhige meer, das nicht mehr brandende (ahd. ëbanôtî meres, aequor. Graff 1, 98) bezogen; die ebbe ist eine nachlassende, sanftere bewegung als die flut und geht über in μαλακία, windstille. lat. hiesz die ans ufer kommende welle venilia, die weichende salacia und salacia mag wieder ebbe ausdrücken. in ab ist das weichende, sich lösende gelegen, in abend der weichende tag, eben scheint das glatte, ausgeglichne flache. wie also, wenn iban complanare und ibns aus dem part. ibans complanatus zu deuten wäre? das gäbe die klarste auslegung seines ableitenden N.

  • Pokorny (1959/2002)

    • i̯em- 'halten, zusammenhalten, paaren, bezwingen'

      • vielleicht hierher germ. *ibna- 'eben, gleichmäßig', falls aus *imná- < *jemnó-

  • Pfeifer (1995 / 2005) eben

    • Die Herkunft des germ. Adjektivs mit dem Suffix ie. -no- ist nicht geklärt. Man erwägt Verbindung mit mir. emon, emuin ‘Zwillingspaar’ und darüber hinaus mit aind. yamáḥ, awest. yə̄ma- ‘Zwilling’ sowie aind. yácchati ‘hält, lenkt, leitet, reicht dar’ (Aorist yámati), so daß das germ. Adjektiv zu einer Wurzel ie. *i̯em(ə)- ‘halten, zusammenhalten, paaren, bezwingen’ gestellt werden könnte.

    • Andere Überlegungen gehen von der adverbialen Akkusativform ie. *im des Pronominalstamms ie. *i- (s. ↗er, ↗es) aus.

    • Die Befürwortung solcher Herleitungen hängt auch davon ab, ob man (germ. -b- auf -m- zurückführend) auf Grund der germ. Lautverhältnisse ererbtes germ. *imna- oder *emna- voraussetzt.

  • Kluge (2013)

    • eben Adj/Adv std. (8. Jh.), mhd. eben(e), ahd. eban, as. e␢an Stammwort.

    • Aus g. * ebna- Adj. "eben", auch in gt. ibns, anord. jafn, jamn, ae. efen, afr. even, iven; daneben Formen mit -mn- (besonders im Altenglischen), die der üblichen Verteilung von -bn- und -mn- nicht entsprechen.

    • Herkunft deshalb unklar. Der Anschluß von kymr. iawn "gerecht, passend", korn. ewn-, mbret. effen "gleich" ist semantisch ansprechend, aber lautlich schwierig. Auch mir. emon m. "Zwillingspaar, Zwilling" kommt für einen Vergleich in Frage, evtl. auch ai. amna-, "soeben, gerade, sogleich". Abstraktum: Ebene; Verb: ebnen.

  • Alternative TH 05.03.2019

    • wie "oben" < Präp., also zu *epi 'bei' > 'beigeordnet, gleichgestellt > gleich'

Diskussion

  • Wurzeln:

    • ev > 'gerecht, gut' (Stieler)

      • griech. εὖ eû 'gut'

    • Präp. ab (DWB), epi (TH)

    • wie lat. aequus 'gleich' (DWB)

      • Grimm verweist auf lat. aqua, got. aƕa, ahd. aha 'Wasser, Fluss', das er mit -affa in FsN gleichsetzt. Dies kommt aber von kelt. aba . Es führt kein Weg von aequus > eben.

    • *ıëm- 'zusammenhalten' (Pokorny)

  • Form:

    • *bn- > -mn- ist geläufige Assimilation:

      • ahd. hraban > ahd. (h)ram(n) 'Rabe'

      • got. stibna > ahd. stimna, stimma 'Stimme'

      Das Gegenteil, eine Dissimiliation -bn- < -mn-, ist unwahrscheinlich.

      • Damit entfällt *ıëm- 'zusammenhalten'

    • wie auf > Adv. oben / Adj. offen (germ. *up > *upanaż > ahd. offan)

Erklärung

  • zu *epi 'bei' > 'beigeordnet, gleichgestellt > gleich'

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 28.08.2021