Diskussion Faxen

Befund | Theorien | Diskussion | Erklärung

Befund

  • 'Possen'

    • Adelung (1793-1801) † Die Faxen, sing. inus. [Sg, ungebräuchlich] ein nur in den gemeinen Mundarten besonders Niedersachsens übliches Wort, kurzweilige Possen zu bezeichnen.

    • SchGött (1858) 258

    •  

    • Grimm (1862) faxen possen, spässe, einfälle

  • auch 'Fratzen'

    • Meyers Großes Konversationslexikon (1902) Faxe, dummer Spaß, Fratze

    • Paul (1896/1935) Faxe 'Posse', bei Goe. Faxen schneiden

      • Goethe-Wörterbuch Faxen 
        a ‘F. schneiden’: etw pantomim, grimassierend kommentieren Italienische Reise
        (1786-88, Tagebuch > Buch 1813-17)

        • 31,209,7 Die Gesichtszüge des Konsuls hatten sich bei dieser Szene merklich verlängert; mich tröstete des Laufers possenhafte Nähe, der draußen vor der Schwelle hinter mir allerlei Faxen schnitt, mich, wenn ich manchmal umblickte, zu beruhigen, als habe das so viel nicht zu bedeuten.

      • b ‘F. machen’: Ulk, spaßigen Unsinn treiben

    • DWDS – Faxe 'Verzerrung, Entstellung des Gesichts, die Heiterkeit erregen soll; dummer, alberner Spaß, Unsinn'

Theorien

  • Adelung (1793-1801)

    • Es scheinet, daß dieses Wort zu fachen und fackeln gehöret, und mit denselben von wegen, bewegen, abstammet, weil man doch am häufigsten nur possierliche Bewegungen mit diesem Nahmen zu belegen pfleget.

    • Im Franz. bedeutete enfaxcigner ehedem, und im mittlern Lateine fascinare, bezaubern.

    • Man müßte es denn zu dem Oberdeutschen Fatzen rechnen wollen.

  • SchGött (1858) 258

     

  • Grimm (1862)

    • fachse, faxe, f. jocus, nugae [Scherz(e)], zumal im pl. faxen possen, spässe, einfälle.

    • geh, das sind faxen! Schm. 1, 508. brem. wb. 1, 334. faxenmacher, possenreiszer. zeitschr. f. mundarten 2, 341. 5, 227.

    • in fächs scherzweise hat Schmid 173 und narrenfex narr. die ableitung aus lat. facetiae ['Scherz'] sehr unsicher, obschon auch fatzen, fatzmacher zu erwägen. vgl. DWB fixfax [Gaukelei], nl. fikfakken.

  • Pfeifer (1995 / 2005)

    • Faxe f. ‘alberner Spaß, Narrheit’.

    • Das seit dem 18. Jh. in der Umgangssprache meist im Plur. übliche Faxen wird auf ein in Mundarten geläufiges Verb fickfacken ‘hin- und herlaufen’ zurückgeführt, wobei ein Substantiv Fickesfackes als Übergang gedient haben mag (s. ↗ficken).

      • 'hin- und herlaufen' = Adelung 'eigentlich, leichtsinnig und ohne Absicht hin und her laufen, [= lat.] vagari, und dann figürlich, lose, leichtfertige Händel anfangen'

        • 'hin- und herlaufen' ist erschlossene Grundbedeutung.

      • "Mundarten" =

        • Rhein. fickfacken 'tändeln, Possen treiben; tollen'

        • Wrede 79: fickfacken 'unzuverlässig reden und handeln'

      • Grimm fickfacken 'mit der Rute schlagen', Fickfacker 'Betrüger'

    • Als anderer möglicher Anknüpfungspunkt bietet sich das ausgestorbene Verb frühnhd. fatzen ‘spotten, zum Narren halten’

  • Kluge 2002

    • Faxen "Narrheiten" ... stilistisch (17. Jh.)

      • unbelegte Datierung

    • Älter ist für "(unruhig und meist nutzlos) hin- und herbewegen" fickfacken, mit Fickesfacken "Possen", aus dem Fackes, Facks abgelöst sein kann. Auch einfaches ficken, facken, fucken für "hin- und herbewegen", Fickmühle "Zwickmühle" u.ä.

    • Wenn die Form mit Vokalwechsel die älteste ist, kann eine Lautgebärde vorliegen.

    • Ein Ausgangspunkt von dem obszönen ficken ist aber denkbar und durch Parallelen zu stützen. S. auch fackeln, Federfuchser, Fex, ficken.

Diskussion

  • Adelung:

    • fachen, fackeln

    • lat. fascinare 'bezaubern'

      • "bezaubernde Possen"???

    • obd. fatzen 'necken, verspotten'

      • Lexer fatzen 'foppen, necken, verspotten', fatz-man 'possenreisser, hofnarr'

        • wenn < lat. facies 'Gesicht', dann fatzen *Fratzen schneiden*

      • fatzen 14e" : Faxen «18" ist nicht wie blicken : blitzen, der Trend geht von ks > ts

  • SchGött

    • < lat. facetiae, aengl., facen

      • facetiae 'Scherze' 337 passt von der Bedeutung und wegen des Pl.,

      • aber weniger in der Lautung: "Faxen" ließe sich vielleicht mit der klassischen Aussprache [fake:tiai] erklären, aber nicht mit der späteren [fa'tse:tsiɛ:].

        • naheliegend: Dissimilation

        • Dann kann man eine Verkürzung ['fakətsiɛ:] *Fáketzen voraussetzen

      • fácen < *feikn-, gehört nicht hierher.

  • Grimm

    • lat. facetiae (sehr unsicher)

    • fatzen 'auslachen, necken, quälen', fixfax 'Gaukelei' (auch Pfeifer, Kluge)

    • dazu auch: fickfacken 'mit der Rute schlagen', Fickfacker 'Betrüger'

      • 'Scherzen' ist nicht 'betrügen'.

  • Kluge zusätzlich:

    • Lautgebärde

      • gilt für fickfack

    • ficken

      • passt nicht

  • TH 2016 erwogen

    • vgl. engl. facts / fake

      • Die wahrscheinliche Datierung «18" lässt sich vereinbaren mit engl. 17b" fake 'gefälscht'

      • geht nicht:

        • Fake ≠ Faxe

        • fake 'gefälscht' :: Faxe 'Posse'

  • Wie verhalten sich 'Possen' zu 'Grimassen'?

    • Zu den Possen gehört auch 'Fratzen schneiden', siehe Goethe: "possenhafte Nähe ... allerlei Faxen schnitt"

    • Umgekehrt kann Fratze auch 'Possen' bedeuten:

      • "der wackre Mann, der selbst Sein Schäfchen schiert, dergleichen Fratzen haßt." Kleist, Krug 1

      • kaum < lat. facies 'Gesicht'

Erklärung

  • < facetiae

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Aktuell: 28.08.2021