Diskussion finster

Befund | Theorien | Diskussion | Erklärung

Befund

  • nur hochdeutsch

    • ahd. finstar, mhd. vinster, nhd. finster 'dunkel'

      Sprachecke 23.12.2014

Theorien

  • Grimm 3,1666 (1862)  Web

    • neben finstar erscheint schon im vocabularium sancti Galli 193 dinstar und neben mhd. vinster ausnahmsweise dinster (wb. 1, 361a).

    • sichtbar entsprechen sich din in dinstar, ten im lat. tenebrosus, tam im lit. tamsas obscurus, lett. tumśs, skr. tamas caligo, altsl. t'ma caligo, russ. temnyi, böhm. temny, poln. ciemny obscurus, ir. deim, welches für teim wie das ags. engl. dim für thim steht.

    • im alts. thimm obscurus, ahd. dëmar crepusculum und jenem dinstar für dimstar ist alles recht lautverschoben.

    • diesen linguallauten sämtlich tritt nun, wie bereits oben sp. 1211 angemerkt ist, labialanlautend das finn. pimeä, estn. pimme, livische pimd zur seite, mit welchen das fin unseres finster zusammentrift,

      • Sp. 1211 u. a. Beispiele von idg. dʰ > lat. f; griech. tʰ / pʰ; ngriech. þ > russ. f, die hier nicht zu berücksichtigen sind.

      • Databases ural. pim- < film-

    • die formen finster und dinster reichen uns ein wiederholtes beispiel des consonantwechsels dar...

      • Beispiele, aus denen sich keine Regel ableiten lässt

  • Pfeifer (1995 / 2005) 345

    • finster Adj. ‘dunkel, düster’, ahd. finstar (8. Jh.), mhd. vinster (vgl. ahd. finstar, 9. Jh., asächs. finistar n. und ahd. finst(a)rī(n), 8. Jh., asächs. finistri f. ‘Finsternis’)

    • stehen neben gleichbed. ahd. thinstar (8. Jh.), mhd. dinster.

      Vorauszusetzen ist eine Stammform germ. *þimsra-, die einen Übergangslaut t aufnimmt und deren anlautender Dental durch Dissimilation vor einem dem Wurzelvokal folgenden n (aus älterem m) in den Labial f übergeht, so daß Verwandtschaft mit mnl. deemster ‘finster, dunkel’, asächs. thim ‘dunkel’, ahd. themar ‘Finsternis, Dämmerung’ besteht,", ähnlich DEt  (2001) 218

Diskussion

  • Grimm

    • nur bedingt brauchbar, da die Lautgesetze noch nicht verstanden.

  • Pfeifer

    • Also *þimsra- > *þimstra- > *þinstar > dinstar

      • einleuchtend

      • Dissimilation dinstar > finstar nicht überzeugend.

    • Das würde nur in diesem einen Fall gelten, nicht auch für Feile und fliehen, deren  þ-Varianten Pfeifer bei diesen Stichwörtern ebenfalls erwähnt, ohne Erklärung.

    • Die Verwandtschaft von finster mit dinstar und die Möglichkeit einer Lautmutation þ / f sind unbeweisbar.

  • Alternativen (TH 2012)

    • zu Venn 'Sumpf', eigentlich 'schmutziges Wasser' mit Lautentwicklung wie bei Fenni > Finnen

      • *pen-s-ros 'schmutzig' > *finstra mit germ i statt e vor Nasal KraheG 1,56 und widg. sr > str KraheI 1,94 f

      • Man müsste aber *penrós erwarten. *Pens- hat bei den mit Venn verwandten Vokabeln keinen Rückhalt.

      • lautlich möglich, Bedeutungswandel nachvollziehbar, aber wegen des s fragwürdig.

    • ursprünglich Komparativ -teros? Dann wäre finster 'dunkler als'

      • zur japhet. Präposition *pën, lat. Ableitungen 'innen, hinein' bzw. sgerm. 'von (heraus)'

        • *penisteros 'weiter innen, dunkler'

        • Das s könnte eine Anfügung in der Grundstufe sein, vgl. lat Präp. penes 'im Besitz von'

          • TH 2014: Schwachpunkt!

      • Ähnliche Bildungen sind nicht nur dinstar (nur 1x) KöblerA 52, sondern auch winistar, winstar, wimstar KöblerA 377  = lat. sinister 'links', ebenfalls Komparative.

        • TH 2014:

          • Komparativ fraglich, vgl. dexter 'rechts'

          • möglich auch *-sros

  • Neuansatz (TH 2014):

    • da nur hochdeutsch:

      • Fremdwort. Woher?

        • zu kelt. vindos 'weiß', nach dt. (wälischer?) Aussprache  find- (wie gaelisch)

          • vgl. blank 'hellglänzend' / engl. black 'schwarz'

          • Winter als die dunkle Jahreszeit

          Aussprache und Bedeutungsentwicklung unbeweisbar, Suffix unerklärlich.

      • späte Lautentgleisung þinstar > f-, immerhin möglich (Übernahme aus þ-Dialekt?)

        • Da finstar (schon 7") ahd.  Standard ist, die Verschiebung þ > d aber erst in dieser Zeit im Obd. begann SondAhd 172, kaum wahrscheinlich.

  • Klärung:

    • Dinster passt in der Bedeutung, þ > f nicht plausibel, späte Entgleisung widerspricht der Überlieferung.

    • *pen-s-ros 'schmutzig': -s- unerklärlich

    • *penisteros 'weiter innen, dunkler' ist vergleichbar nur mit lat. pen- 'innen', das möglicherweise eine abweichende Grundbedeutung hat, und mit von, das selbst erklärungsbedürftig ist.

    • zu kelt. vindos 'weiß' kaum wahrscheinlich

  • Endrunde dinster : *penisteros

    • Dinster

      • +

        • ähnliche Lautung

        • gleiche Bedeutung

      • - Übergang þ > f

        • - sehr gezwungene Erklärung mit Dissimilation wegen des n

        • Beispiele:

          • got. þrafstjan, and. frôvrian 'trösten' HoltAs 23 

            • - Herkunft ungeklärt

            • - wohl mit umgekehrter Dissimilation f > þ

          • anord. þél Baetke 768, Feile

            • - Herkunft ungeklärt

            • - Grundform nicht zu erkennen

          also kein überzeugendes Beispiel von  þ > f

    • *Penisteros

      • + hat immerhin in lat. pen- 'innen' und dt. mögliche Verwandte

      • + -teros 'weiter innen > dunkler' ergibt einen Sinn

      • - Schwachpunkt s, das sich nicht lautgesetzlich ergibt, aber in lat. penes eine Stütze hat.

Erklärung

  • Am meisten spricht für *penisteros.

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 28.08.2021