Diskussion Futt, Fotze

Befund

  • mhd. Anfang 12" vut, nach 1400 auch futze 'weibliche Scham'

    • nhd. Futt, Fotze 'weibliche Scham'

  • mnd. vut(te), ndt. fotz(e)

  • Ein von Grimm und Kluge angegebenes nord. fuð-, engl. Dial. fud lassen sich nicht verifizieren, was aber bei diesem Tabuwort nicht erstaunlich ist.

Diskussion

  • Form:

    • Futt ist ndt., Fotze hdt.

    • Fotze < *fut-se kann auch ndt. sein

    • Es lässt sich an Hand der deutschen Wörter also nicht sagen, ob ursprüngliches t, d oder þ zugrunde liegt. Die nord. und englische Parallelen machen aber t unwahrscheinlich.

  • Herkunft

    • Grimm Wb. 4,1061: zu lat. pudere 'Scham verursachen'

      • lat. pud- ist entweder

        • japhet. *pud- > germ. fut (> nhd. Fotze?)

          • Das würde nicht die außer-dt. Formen mit ð, d erklären

          oder einleuchtender

        • japhet. *pudʰ- > germ. fud- > anord. fuð-, engl. fud-, ahd. *fuþ- > *fud-, durch Auslautverhärtung > fut

          • Dann kann aber *pudʰ- kein Präsens mit /d/ sein, wie Walde annimt.

    • P849, Duden, Pfeifer: zu japhet. *py- 'faulen, stinken', lat. pūtēre faulen'

      • kaum wahrscheinlich, weil die Grundbedeutung nicht 'stinken', sondern 'verrotten, sich zersetzen' ist.

    • Kluge 24 zu aind. putau 'Hinterbacken' < *pu- 'dick, aufgeblasen sein', vgl. bayr. Fotze 'Mund'.

      • Kluges Argumente sind nur schlüssig, wenn man der Gleichung Scham = Hintern zustimmt.

      • Das bayr. Wort konnte auch im Sinne von "Arsch mit Ohren" verstanden werden.

    • germ *fuþeaż wäre die lautlich genaue Entsprechung zu lat. puteus 'Graben, Grube, Brunnen'.

      • Da müsste man aber im Deutschen Umlaut annehmen.

    • sachlich, aber nicht lautlich würde passen lat. futuĕre 'begatten' < japhet. *bʰut- > germ. !buþ-.

Erklärung

  • Es spricht nichts gegen eine Verwandtschaft mit lat. pudĕre 'Scham verursachen'.

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 10.02.2019