Diskussion gegen

Befund | Theorien | Diskussion | Klärung | Erklärung

Befund

  • germ. *ḡaḡan, ḡaḡin 'in Richtung auf'

    • anord.

      • gagn- 'direkt, gerade auf etwas zu' 180

      • gegn 'direkt, gerade, genau; gegen, entgegen, dagegen' 188f

      • gegnum 'durch, hindurch'  188f

      aengl. 150; 263

      • gegn, gén 'jetzt. noch, wieder;  weiterhin, außerdem, auch, bisher; direkt'

      • gegnum 'weg, vorwärts, geradeaus, dorthin'

      • on-géan 'in Richtung, gegen, gegenüber; hinten, zurück, wieder'

        • engl.

          • again 'wieder'

          • against 'gegen'

    • mnl.

      • jeghen 'gegen'

        • ndl. jegens 'gegen, gegenüber' 196

        • te-jeghen 'in Richtung auf; im Gegensatz / Widerspruch zu; für, zugunsten; ; im Austausch für (u. a.)

          • ndl. tegen 'gegen, wider' 401

    • and. gagan, gegin 'gegen' 24f

    • ahd. gagan, gegin 'gegen, entgegen, gegenüber, in Richtung auf, im Verhältnis zu, entsprechend' 101

      • nhd. gegen 'in Richtung auf; im Gegensatz / Widerspruch zu; annähernd, circa; im  Verhältnis zu; im Austausch für'

Theorien

  • Adelung (1793-1801) 2,482 gegen

    • Anm. 1. Dieses Vorwort lautet bey dem Kero kagan, der es auch für wegen gebraucht, in der Monseeischen Glosse gagan, bey dem Notker gagen, bey dem Willeram gegen, im Nieders. jegen und tegen, im Angels. agen, ongean, gean, im Holländ. tegen, tegens, im Dän. gien, im Schwed. gen, igen, im Isländ. gegn, wo es überall auch contra, wider, bedeutet.

    • Es stammet vermuthlich von gehen, ehedem nur gan ab, und wurde zuweilen auch in Gen verkürzet

  • Grimm (1897) 5,2203 ff gegen

    • 4)ein pfad oder blick durch das dickicht rückwärts thut sich im altn. auf.
      a)da zeigt sich ein subst. gagn n., gewinn, vortheil, genusz, nutzen u. ä. (noch schwed. gagn, dän. gavn), mit manigfacher weiterbildung der bedeutung; daher auch gagna zum nutzen dienen (schwed. gagna, dän. gavne, vergl. unter gegnen), gagnsamr vortheilhaft, gagnlauss nutzlos u. a...

    • b)also gagn eigentlich 'was mir in den wurf kommt' (d. h. des speeres eigentlich), schuszgerecht, gagn genannt sowol vor und unter dem schieszen als nach dem geglückten schusse (diesz doch nur nord.), wie beide seiten der bedeutung auch in dem in den wurf kommen vorliegen. urgerm. ohne zweifel gagan n. und gewiss auch ahd....

    • c) alles weitere erklärt sich leicht: gaganî f., erst der schuszbereich, dann der sehbereich, hörbereich (was ja im vorigen schon von selbst mit enthalten ist, auch in krieg und jagd), dann bereich überhaupt, dessen mittelpunkt ich augenblicklich bin

      • anord. 180

        • gagn 'Nutzen, Vorteil, Hilfe; Vorteil im Kampf, Sieg; Hausgerät, Gebrauchsgegenstände, Habseligkeiten; Pl. Beweismittel (vor Gericht)

        • gagna 'nützen, helfen'

      • ::

        • gagn- 'direkt, gerade auf etwas zu' 180

        188f

        • gegn

          • direkt, gerade, genau'

          • gegen, entgegen, dagegen'

        • gegna 'begegnen, treffen, entgegentreten, auflauern; zusammenfallen, übereinstimmen, entsprechen, zusammenhängen, bedeuten; passen, angemessen, von Nutzen sein; bezahlen, entrichten'

        • gegnum 'durch, hindurch'

      5)als stammesverwandter ist wol nun zweifellos goth. gageigan, κερδαίνειν, gewinnen, z. b. fairhvu allana, die ganze welt (eig. erobern) Marc. 8, 36, vgl. Luc. 9, 25; die stämme geig (gîg) und gag als spuren einer noch älteren reicheren entwickelung oder als äste éines stammes.

  • Fick (1909 / 2005) 68 gagana 'gegen'

    • ... An. gagn n. Hilfe, Nutzen somit eigentlich Zusammentreffen. Vgl. lat. contra zu com.

  • Alternativen:

    • Pokorny (1959/2002) 422 *ĝegh- (Zusammenstellung nicht überzeugend)

      • nhd. gagen, gageln, gagern '(sich spreizen)...

    • kapp. κάχε káche 'Seite, Flanke'

      • Wenn < griech., wäre das = germ. *ḡaḡe 'Seite', *ḡaḡanaż 'seitlich', *en gagan 'zur Seite hin'

      • hbr. גג gág 'Flachdach' 129 < *Oberseite*?

      sehr unsicher, da isolierte Wörter

    • aind., schwundstufig < ĝhengh- 'schreiten' 438

      • जघन jaghána 'Hinterbacke, Hinterteil, Schamgegend, Rückseite (Altar), Hintertreffen Nachhut'

        जघनेन jaghánēna 'hinter'

      *ƺn̥gʰános wäre germ. *ḡunḡanaż, also nicht hierher

Diskussion

  • anord. gagn 'Nutzen, Vorteil'

    • :: fränk. langob. *waidanjan 'arbeiten, gewinnen' 9483

      • it. guadagnare 'verdienen, gewinnen' 276

      • afrz. 11m" gaaignier (= guadai-) 'weiden; auf dem Feld arbeiten; erzeugen; Gewinn erzielen; Handel treiben; gewinnen' 3004

        • frz. gagner 'gewinnen, siegen, verdienen; (Zeit) sparen; Profit schlagen aus; sich zuziehen; erwerben: näherkommen, erreichen; fassen, ergreifen; sich bemächtigen' 253

        • > engl. 15a" gain 'gewinnen; erreichen, erwerben; etwas einbringen;  zunehmen an; vorgehen (Uhr); Einfluss / Boden gewinnen' 261

  • Grimms Argumentation ist sehr unübersichtlich und nicht immer einsichtig

    • gagn < *zielen, treffen*, gagn 'was mir in den Schuss kommt', gaganî 'Schussbereich'

    • beruht bloß auf ngerm. Material, das man auch anders deuten kann. Die Grundbedeutung 'zielen, treffen' ergibt ich nicht zwingend, zumal keine weiteren Verwandten zu erkennen sind.

  • Formale Analyse

    • Germ. *ḡaḡan kann sein:

      • Reduplikation (wie japhet. *ƺhe-ƺʰëḫ- 'gehen')

        • Adelung: < gan 'gehen'

        • Bei regulärer Reduplikation wäre !gegan zu erwarten, nicht gagan

      • Vorsilbe *ḣa- + ḡan

        • ndl. tegen < te + jeghen ("zugegen"), nicht te + gen ("zugen")

        • Vorsilbe also unwahrscheinlich

      • *ḡaḡ-an (wie andere Lageangaben oben, innen, neben...)

        • Es gibt keine analogen Formen zu ob (der Tauber), ober

        • Gegen gibt nicht die Lage, sondern die Richtung an.

        • -n gehört zum Wortstamm oder ist Suffix einer Vorstufe.

      • *ḣa-ḣana < *ko(m)-konó-*ken- 'sich mühen, eifrig streben, sich sputen' (nur Formen mit o) 564

        • resultativ 'erfolgreich bemühend', daher gagn 'Nutzen, Vorteil'

        • unwahrscheinlich:

          • Betonung gégen, nicht ge-gén

          • ahd. gagan, nicht !gi-gan

    • Sekundäre Präpositionen sind abgeleitet von

      • Nomina

        • wegen, statt, kraft

        + Präposition:

        • anhand, aufgrund

        z. T. verloren / in Resten erkennbar:

        • ahd. in weg > mda. ewegg > weg; engl. away

        • so auch: gegen / engl. again / ndl. tegen

      • Adverbien

        • hinter, abseits

      • Verben bzw. Partizipien

        • betreffend, entsprechend

Klärung

  • In Frage kommt allein anord. gagn 'Nutzen'

    • gegen > Nutzen

      • vgl. aus > Aus (Fußball), ex > Ex 'Ehemalige/r'

    • Nutzen > gegen

      • der Normalfall bei sekundären Präpositionen

    • grundsätzlich: da identische Lautgestalt, keine Ableitung, sondern Übergang in andere Wortart (wie statt, kraft)

    • Bedeutung passt zu japhet. *ɢaɢ- 'vermögen, helfen' 522

  • Neuer Gesichtspunkt:

    • Jan Glorieux, ✉ 21.05.2018 "Meinten Sie, gegen und gehen könnten verwandt sein?"

        • ähnlich gebildet

        • Gagan / gagin > gegen vergleicht sich mit gangan, gân, gên

          • Umlaut a > oder Ablaut e > a?

        • geg-en ist Ortsadverb wie ob-en, kann als 'gehend zu' verstanden werden.

        • In den skandinavischen Sprachen kann gagn 'gegen' auch 'Nutzen, Vorteil' bedeuten, dann wäre gegen 'zum Nutzen, für' gewesen und hätte sich dann zu 'in Richtung auf' entwickelt.

          • Homonyme? Die Bedeutungsentwicklung ist weder zwingend noch einleuchtend.

Erklärung

  • zu gehen

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 10.02.2019