Diskussion Hachse

Befund | Homonyme | Synonmye | Theorien | Diskussion | Erklärung

Befund

  • germ. *ħaħaż 'Ferse'

  • Ableitungen

    • germ. *ħaħa-sinwa(n) 'Achillessehne'

      • anord. há-sin '(Sehne oberhalb der) Ferse' 235

      • aengl. hóh-sinu 'Fersensehne'

        • mengl. hough-sineue 'Fersensehne'

      • ahd. 152

        • hahsina, hahsna 'Fußsehne'

        • hahsenen, hahsnen, hasenen, hahsinōn 'die Fußsehnen durchschneiden'

        • mhd. hahsen, hehsenen 'die Fußsehnen durchschneiden'

    • germ. *ħaħila(n) 'Ferse'

      • anord. hæll 'Ferse' 292

      • aengl. hǽla, héla 'Ferse'

      • afries. hêl-sine 'Fersensehne' 159

    • germ. *ħaħissa 'Kniekehle, oberer Teil des Unterschenkels'

      • afries. hexe-halt 'Lähmung der Kniekehle' 43

      • mnd. hesse 'Kniebug[1] ' 144

      • mhd. hahse, hehse 'Kniebug des Hinterbeins bes. vom Pferd'

        • änhd. 17e" Hächse, Hachse, Hesse 'Kniekehle, Kniebug'

          • nhd. Hachse, Haxe 'oberer Teil des Unterschenkels der Schlachttiere, besonders des Schweins und des Kalbs; Bein des Menschen'

            • Schweinshaxe 'Teilstück des Beins, zwischen Knie und Fußgelenk' (Text+Bilder)

  • [1] "Kniebug" ist anatomisch wohl das Sprunggelenk, das unserm Fußgelenk mit Ferse entspricht (Bild 34). Das Knie sitzt (31) direkt unterm Rumpf.

Homonyme:

  • Pokorny (1959/2002) unterscheidet

    • 522f 1 k̂āk- : k̂ǝk- 'springen, hervorsprudeln, kräftig sich tummeln'

    • 523 2 k̂ā̆k, nasaliert k̂ank- 'Ast, Zweig, Pflock'

      • dazu hoha 'Pflug'

    • 537 keg-, keng- und kek-, kenk- 'Pflock zum Aufhängen, Haken, Henkel'; auch 'spitz sein'

    • 566 3 kenk- 'Kniekehle, Ferse'

    • 566 k̂enk-, k̂onk- 'schwanken, hangen'

      • dazu hangen

    • 611 kok̂sā 'Körperteilbenennung'

      • dazu lat. coxa 'Hüfte' (= 792 pog- : pōg-, pō̆k-s- 'Achsel, Hüfte, Lende, Seite')?

    • 613 konǝmo-, knāmo- oder kenǝmo-

      • dazu *konma > *komma > ahd. hamma 'Hinterschenkel, Kniekehle'

Synonmye:

  • Ferse:

    • 566 3 kenk- 'Kniekehle, Ferse'

    • 823 persnā, -snī̆-, -sno- 'Ferse'

    • 928 4 (s)kel- 'biegen..., 'biegsames Gelenk, Ferse, Knie, Hüfte'

      • dazu lat. calx 'Ferse'

  • Hüfte:

    • 607f k̂lou-ni- 'Hinterbacke, Hüfte'

    • 792 pog- : pōg-, pō̆k-s- 'Achsel, Hüfte, Lende, Seite' (= 611 kok̂sā 'Körperteilbenennung'?)

    • 928 4 (s)kel- 'biegen..., 'biegsames Gelenk, Ferse, Knie, Hüfte'

  • Kniekehle:

    • 566 3 kenk- 'Kniekehle, Ferse'

Theorien

  • Adelung (1793-1801)

    • Die Häkse, plur. die -n, der Kniebug an den größern Thieren, besonders an den Hinterfüßen derselben. In weiterer Bedeutung der ganze untere sehnige Theil des Fußes der größern Thiere, und gemeinen Leben Niedersachsens auch wohl der Menschen. ...

    • Es gehöret zu dem Worte Hacke und drucket wie dieses die Ähnlichkeit dieses Buges mit einem Haken aus. Ihre hält das bedeutende Schwed. Hasnar für ein von Hah, die Hacke, Ferse, und Sino, Sehne, zusammen gesetztes Wort.

    • In der Monseeischen Glosse kommt aus 2 Kön. 8, 4 subnervavit vor, welches daselbst hasneta übersetzt wird. Schilter hält es für einem Fehler und will abasnita lesen; allen es bedarf dieser Verbesserung nicht, weil hasneta zu unserm Worte gehöret, und die Häksen abschneiden bedeutet. Frisch führet aus einer handschriftlichen Bibel-Übersetzung in der königl. Bibl. zu Berlin aus Josua 11 die Stelle an; Ihre Rosse sollt du enthehsenen, welches eben das ist.

  • Grimm  (1877) 10,738f

    Hechse, f.

    • 1) kniebug an den hinterfüszen der thiere, mhd. hahse, hähse, hehse und mit assimilation der inlautenden consonanten hasse (mhd. wb. 1, 612b). das wort hat seine heimat im bairischen und fränkischen sprachgebiet, reicht auch nach Niederdeutschland;

    • die formen variieren: bair. hächsen Schm. 2, 147; poblex hechsze Dief. 443b (aus einem Nürnb. voc.); henneberg. hächse und hasse Reinwald 1, 56. 61; niederl. hesene, heisene, [Bd. 10, Sp. 739] hese das.; niederd. hesse br. wb. 2, 626; hësse Schamb. 81b; dänisch im plur. haser die sehnen oder bänder im kniegelenk; erweitert sind die formen ags. hôhsene, fries. hôxene, hôxne kniekehle, was wieder mit ags. hôh, hô calx, calcaneum in verbindung steht,

    • und alle die bisher genannten formen als verwandte zu goth. hahan hangen, hängen und zu hake, haken (sp. 177) stellt, wozu auch das goth. hôha pflug (seiner form wegen, sp. 178) gehört.

      • Nemnich stellt die manigfachen formen des wortes zusammen: poples .. der auswärts gebogene theil an den hinterfüszen, in verschiedenen deutschen provinzen: die häkse, hächse, hachse, haxe, hexe. 4, 1043; hechsse oder hesse heiszet das hinterste bein an den schöps- oder andern keulen, so von einigen auch flegelkappe genennet wird, weil es mit dieser einige ähnlichkeit. öcon. lex. (1731) 966.

    • 2) hechse bezeichnet nachher auch den ganzen theil eines thierbeines,

      • welcher sich zwischen dem eigentlichen fusz und dem schlegel oder oberbein befindet. Schm. 2, 147; so einem rosz die hüft oder heeszen seindt aufgelaufen. Tabernaemont. kräuterb. (1588) 743. auf menschen übertragen heiszt es das bein überhaupt, meist in verächtlichem sinne: ich lauf mir d' häxen halb ab um dich. Schwabe tintenf. 61; daher in Kärnten hackse, haxe, mit dem dim. haxel mehr das magere oder krumme bein bezeichnet. Lexer 130; in Augsburg hachsen krumme beine Schmid schwäb. wb. 252; aber auch ohne solchen nebensinn: ein baar häxerl hat die gehrt jungfer wie ein drexlerdocken. Schwabe tintenf. 59.

    • 3) hechse, ein krummes messer der gärtner,

      • wird nach der ähnlichkeit mit 1 den namen haben: die wurzeln des hopfens mit einer hexe oder sonst scharfem messer abschneiden. Colerus hausb. bei Frisch 1, 450b. x

  • Kluge (1894) 159

    • x

  • Fick (1909 / 2005) 42f

     

  • Pokorny (1959/2002) 611

    • kok̂sā 'Körperteilbenennung' General comments: (arisch auch *kok̂so-s)

      • Ai. kákṣā f., kakṣa- m. 'Achselgrube, Gurtgegend der Pferde', av. kaša- m. 'Achsel' (erweist -k̂s-);

      • lat. coxa f. 'Hüfte';

      • air. coss f. 'Fuß', abrit. Αργεντό-κοξος etwa 'Weißfuß' (aber cymr. cоеs 'Bein' ist aus dem Lat. entlehnt);

      • ahd. hāhsina 'Kniebug des Hinterbeins', mhd. hehse, nhd. Hächse, Hesse bair. Haxn.

  • Pfeifer (1995 / 2005)

    • Hachse, Haxe f. (auch Hechse, Hesse) ‘unterer Teil des Beines’ (bes. von Kalb und Schwein, dann auch vom Menschen), ahd. hāhs(e)na ‘Fußsehne’ (9./10. Jh.), mhd. hahse, hehse ‘Kniebug des Hinterbeins’ (bes. vom Pferd)

    • ist unsicherer Herkunft. Man sieht in dem ersten Wortteil Zusammenhang mit germ. *hanh- (vgl. got. ahd. hāhan, s. ↗hängen) und im zweiten eine Abschwächung des unter ↗Sehne (s. d. ) behandelten Substantivs (noch erkennbar in ahd. hāhs(e)na, aengl. hōhsinu ‘Fersensehne’, anord. hāsin ‘Kniekehle’), so daß von einer Bedeutung ‘Sehne, an der das geschlachtete Tier aufgehängt wird’ ausgegangen werden kann.

  • Kluge|2013

    • Hachse (auch Hechse, Haxe) Sf "Unterschenkel und Fuß von Mensch und Tier" per. Wortschatz reg. (10. Jh., hahsnen "lähmen" 8. Jh.), mhd. hahsen, hehsen Pl. "Kniebug der Pferde und Hunde", Singular selten für "Schenkel", ahd. hāhs(i)na "Achillessehne"

    • Aus g. *hanh(a)-sinwō f. "Achillessehne", auch in anord. hásin, ae. hōh-sinu, afr. hōx(e)ne (mit Bedeutungserweiterung zu "Wade" und dann "Unterschenkel"). Daneben aus g. *hanhō ae. hō(h) m. "Ferse, Wade", und aus *hanhilō anord. hæll m., ae. hēla, afr. hēla m. "Ferse".

    • Grundbedeutung also "Fersensehne" (der Bezug zu "hängen" kommt davon, daß Schlachttiere an den Sehnen der Hinterbeine aufgehängt werden können).

    • Außergermanisch vergleicht sich lit. kenklẽ̇ "Kniekehle", lit. kìnka "Kniekehle, Hachse". Auffällig ist, daß neben diesem (ig.) *konk- ein *kalk- mit entsprechender Bedeutung existiert (l. calx, calcis f. usw.), ebenso *kag- (nhd. Hacke1) und mit ähnlichen Bedeutungen *koks- (l. coxa usw.).

  • Übersicht:

    • Adelung

      • zu Haken, Hacke

    • Grimm

      • zu hahan 'hangen, hängen' und zu Haken

    • Kluge 1894, Pokorny

      • zu lat. coxa 'Hüfte'

    • Fick

      • (hen, henh) 'krumm sein' (=  Befund: Pokorny|566f 1 kenk- 'gürten, umbinden, anbinden' + 3 kenk- 'Kniekehle, Ferse'

        • hahsô f. Hechse; hanha, hanhila m. Ferse, Hechse

    • Pfeifer

      • hahan + Sehne

    • Kluge 2013

      • *hanh(a)-sinwō zu hanho 'Ferse, Wade', hanhilo 'Ferse

        • *konk- = *kalk- = *kag-

    • TH 25.01.2018

       

Diskussion

  • Kluge 2013 hat die weitestgehende Erklärung und versucht hangen, Haken und coxa mit aengl. hóh-, héla 'Ferse' zu verbinden und lat. calx 'Ferse' und lit. kìnka 'Kniekehle' einzubeziehen.

    • Wie Befund: Pokorny zeigt, lässt sich das alles kaum auf eine gemeinsame Grundform zurückführen.

    • calx < *cacl-?

  • Hangen (Grimm, Pfeifer, Kluge 2013) bzw. *hanh(a)-sinwō "Hängesehne" lässt sich nicht mit 'Kniebug, Tierbein' vereinbaren und erklärt sich einfacher als 'Sehne am Sprungelenk'.

    • Ahd. hahsina, hahsna ist nur je einmal bezeugt, hahsenen, hahsnen, hasenen, hahsinōn 'die Fußsehnen durchschneiden' 12x. 152

      • Die Länge von hāhs- ist nicht direkt bezeugt, ergibt sich aber aus hasenen (ah > ā).

        • also nicht < *haⁿha- 'Hänge-'.

    • Hahsina ist nicht die 'Hachse', sondern die 'Hachsensehne', die man zum Lähmen durchschneiden oder zum Aufhängen von Schlachttieren verwenden kann (Schlachtfest der Familie Orth 1917, Museum Hamm).

  • Wenn *ħaħa-sinwa(n), *ħaħila(n), *ħaħissa Ableitungen von *ħaħaż sind, kann coxa nicht (direkt) damit verwandt sein

    • >> 

Erklärung

  • 'Sprunggelenk' zu vgerm. *ca\n/kistós > sgerm. *ħanḣistaż 'Springer > Pferd > Hengst'

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 10.02.2019