Diskussion Held

Befund

  • germ. *ħaliðaż

    • anord.

      • halr 'Mann' (Koebler)

      • *ħaludaż > họlðr 'freigeborener Bauer'

        • möglicherweise ein anderes Wort.

    • aengl. hæle 'Mann; Held', hæleð 'Mann, Held, Krieger'

    • and. helith 'Held, Mann'

    • ahd. helid 'Held, Mann, Krieger'

      • nhd. Held 'tapferer, tüchtiger, vorbildlicher Mann, literarische Hauptperson'

Theorien

  • 1877 Grimm Dt. Wb. 10,931 Grundbedeutung 'Krieger', zu hëlan 'decken, bergen': deckend, schützend'

    • dafür: ahd. helid 'Hütte', bihelida 'Decke, Hülle', furihelida 'schützende Hülle' (Splett 1,377)

    • dagegen: Ein Held versteckt sich nicht. Die Bedeutung 'Beschützer' ist gekünstelt.

  • 1894 Kluge 163 zu ir. caladh, bret. caleth 'hart', so auch 1896 Holder 1,698

    • 2002 zu kʷel drehen > 'Wirt, Bauer' oder kal 'Schwiele, harte Haut'

    • 'hart' muss sich nicht auf die Schwielen des Bauern beziehen, es bezeichnet auch eine Charaktereigenschaft 'unnachgiebig, unempfindlich'. Ähnlich cymr. caled 'hart, streng, barsch, ernst'. Ein Krieger muss hart sein, aber das ist nicht sein wesentliches Kennzeichen.

  • 1959/ 2002 Pokorny 524 zu 2. kal-, kali, kalu- 'schön, gesund'

  • 1989/ 2005 Pfeifer 528 ungeklärt. zu halten, treiben (von Hirten, die ihr Vieh verteidigen müssen)? oder wie Pokorny 'schön' und Kluge 'hart'

    • dagegen: Germ. *ħaliðaż hat Bindevokal und Sufffix, bei *ħaldan gehört der Dental zum Stamm.

Diskussion

  • Die in den Wörterbüchern angegebene Bedeutung 'Mann' lässt sich inhaltlich nicht spezifizieren, ist also nichtssagend.

  • Anord. halr, aengl. hæle neben họlðr, hæled ist kein assimilierte halð- (das wäre hallr), sondern der suffixlose Stamm.

  • Die wgerm. Bedeutung ist 'Krieger', nicht 'Bauer'. Anord. họlðr 'freigeborener Bauer' könnte entstanden sein, weil der freie Bauer auch Krieger und der Krieger auch Landwirtschaft hatte.

  • Die neueren Etymologen geben sich redlich Mühe, die überlieferte Bedeutung 'Krieger' zu meiden. Das entspricht zwar unserm heutigen Verständnis v on einem Helden, aber kaum dem ursprünglichen.

  • P547 führt an zu 3. kel-, kelə, klā 'schlagen, hauen' air., cymr. coll, bret. koll 'Verderben, Schaden', mir. cellach 'Krieg' "und die damit verwandten" germ. Wörter für 'Kampf (ahd. hitja) mit idg. dh.

    • coll < *colnon

    • japhet. *śkël- 'schlagen, stechen, schneiden'

      • *kel-

        • *kelnak- > mir. cellach 'Krieg'

        • *kel-dh- > germ. hild- 'Kampf'

      • *kol-

        • *kol-k- > mir. colg 'Schwert. Granne, Stachel'

        • *kolnon > kelt. coll 'Verderben'

      • *këlë- > cymr. cleddyf, lat. gladius 'Schwert'

      • śkol- > skolma 'Schwert', śkōlo- 'Spieß' P923ff

      warum also nicht *kol- > *kolet > Held 'Krieger'?

    Krahe/ Meid, Germ. Sprachwissenschaft 3,140 führt eine Anzahl Wörter mit konsonantischer Deklination an, die vergleichbar sind: lat. saceredot- 'Priester', comit- 'Begleiter', equit- 'Ritter' (wohl auch milit- 'Krieger'), griech. κελητ- 'Renner', germ. Held, Magd, Veleda 'Seherin'.

    ebd. 3,178: Im Germanischen ist das dh-Suffix kaum nachzuweisen: sidu 'Sitte' / aind. svadhâ- 'Eigenart'.

Erklärung

  • japhet. *kël- 'hacken, stechen'

    • vgerm. *keldʰis 'Schlacht'

      • germ. *ħildja 'Kampf'

    •  vgerm. *kolets 'Schläger'

      • germ. *ħaliðaż 'Krieger' > Held

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 10.02.2019