Diskussion Kram

Befund

  • afries. 60

    • krām 'Wochenbett'

  • mnl. crame 'durch Vorhang oder Zeltdach geschützter Raum, Stall, Bude, Zelt' #

  • mnd. kram(e) 187

    • 'ausgespanntes Tuch als Wetterschutz, Zeltdecke; die mit Leinwand etc. bedecke Krambude; die (in den Buden ausgelegte) Kaufmannsware; der Handel mit Krämerwaren, Kleinhandel; Wochenbett (eig. die Gardine etc., hinter der die Wöchnerin liegt); Haus, in welchem die Wöchnerin liegt'

  • ahd. 205

    • krām 'Bude, Laden, Zelt'

    • krāma 'Bude, Laden, Kaufbude'

Theorien

  • Grimm 11,1985 (1873)

    • der stamm ist dunkel, man wird ihn von der bed. zeltdach ausgehend zu suchen haben

    • altsl. gramŭ καπηλεῖον [kapēleîon], caupona ['Kramladen']?

    so auch noch Pfeifer (1995 / 2005) 726

  • Kluge 2002

    • Kaum ein Erbwort (vgl. serb.-kslav. gramu "Schenke" und serb.-kslav. črěmū "Zelt"). Nach Brøndal zu dem griechischen Glossenwort gr. karáma "Wagenzelt", das er mit gr. kamara (Kammer) in Verbindung bringt.

Diskussion

  • Kritik

    • Die ältesten Belege sind ahd. und bezeichnen eine Verkaufsstelle in Bude, Laden oder Zelt. Eine Grundbedeutung 'Zeltdach' ist möglich, aber nicht zwingend anzunehmen.

    • Die mnl. und mnd. Wörter sind jünger. Ob die Beziehung zum Tuch sich aus dem Kontext ergibt oder aus den etymologischen Kenntnissen erschlossen ist, lässt sich nicht erkennen.

    • Für 'Zeltdach, Tuch' ist kein etymologischer Anschluss angegeben.

    • Die von Grimm und Kluge angegebenen Vergleichswörter führen auch nicht weiter.

  • Neuansatz

    • weiteres Vergleichsmaterial

      • ngriech. χράμι xrámi 'Wolldecke' 514
        keine agriech. Grundlage und keine andere Anknüpfungsmöglichkeit

      • jüd.-aram. W390f

        • קרם qəram 'überziehen, eine Haut bilden'

        • קרמא qərámâ 'Haut, Kruste; Teppich, Tapete'

      • cymr. cramen 'Schorf, Kruste'

    • Lautliches

      • kr- kann aus hr- entstanden sein, vgl.

        • hraban 'Rabe' / Krappe 'Krähe'

        • hring 'Ring' / Kringe

        • auch aus japhet. Laryngal?

      • ā kann Dehnung in offener Silbe sein oder < ē entstanden.

      • -m(a) muss nicht zum Wortstamm gehören, sondern kann Suffix sein (Sä-en / Sa-me)

        • kr < idg. gr-

          • 3. ger- 'drehen, winden', anord. karmr 'Brustwehr' 385

        • hr < idg. kr-

          • 5. kor- 'hangen, hängen', Erweiterung *krem(ə)- 573

    • neue Wege

      • zu Rahmen

        • and. hrama 'Gestell' > braucht man für ein Verkaufszelt

        • LW aslaw. храмъ chramŭ 'Gotteshaus'?

        • Wie russ. krom (Name einer Burg) und Kreml zeigen, konnte idg. *krëm- 'einfassen, befestigen' auch ein Gebäude bezeichnen.

        • paragermanisch zu Rahmen?

        • Schlüsselwort ist lit. krómas 'Laden'

          • lit. o < ā, aber aslaw. o < ă / ŏ KraheI 1,68

            • Slaw. krom- wäre lit. kram- und germ. ħrăm-

            • Lit. krom- wäre slaw. kram- und germ. ħrōm-

          Ein gemeinsames Erbwort kommt also nicht in Frage.

          • Eher ist lit. kromas < dt. Dialekt [kro:m], slaw. kram < dt. Hochlautung

      • doch eher zu einem Wort für 'Decke'?

        • Schirm

        • mir. scremm 'Oberfläche, Haut', das cymr. cramen 'Schorf, Kruste' entspricht. Gemeint ist aber doch wohl eine Haut, wie sie sich auf der Milch bildet.

        • Eine s-lose Form hätte vor der 1. Lautverschiebung germ. ħ ergeben, also Fremdwort. Kram kann keine Weiterbildung aus Schirm sein.

      • Erbwort zu idg. *grēma 'Handvoll, Masse'

        • entweder als 'Menschenmasse' > 'Markt' > 'Marktbude'

          • vgl. griech. ἀγορά agrorá 'Versammlung > Markt'

        • oder als 'Warenmasse' fast wie im heutigen Sinn von Kram.

        unwahrscheinlich, weil die älteste Bedeutung 'Bude, Zelt' ist.

Erklärung

  • ???

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 28.08.2021