Diskussion Raunächte

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Befund

Theorien

  • Sebastian Frank, Weltbuech 1534

    • Die zwolff naecht zwischen Weihenacht und Heyligen drey Künig tag ist kein hauß das nit all tag weiroch rauch in yr herberg mache / für alle teüfel gespenst vnd zauberey =  Die 11 Nächte zwischen Weihnachten und Dreikönigstag ist keine Familie, die nicht jeden Tag Weihrauch in ihrer Wohnung anzündet gegen alle Teufel, Gespenster und Zauberei.

      • Bayern oder Straßburg

  • Meyers

    • Rauchnächte (Rauhnächte, Losnächte), Nächte, in denen Abergläubische die Zukunft zu erforschen pflegen, weil während derselben eine innigere Verbindung mit der Geisterwelt stattfinden soll als sonst.

    • In Tirol nimmt man vier (6., 25. Dez., 1. und 6. Jan.), in Oberösterreich drei (21., 25. Dez. und 6. Jan.), in Steiermark ebenfalls drei (25. Dez., 1. und 6. Jan.) und in Niederösterreich vier (21., 25. Dez., 1. und 9. Jan.) Hauptrauchnächte an,

    • in denen man, um böse Geister abzuhalten, Wohnungen und Ställe ausräuchert (woher der Name) und mit Weihwasser besprengt. Da dieses Ausräuchern vorzugsweise in die Zeit der Zwölften (s. d.) fällt, werden auch diese häufig als R. bezeichnet.

  • HDA (1927-42)  7,529-32 Rauchnächte

    • in katholischen Familien mehrmals im Jahr Ausräucherung des Hauses

    • verschiedene Namen allein in Österreich

      • Vermengung mit anderen Zeitangaben wie den "Zwölften" zwischen Weihnachten und Epiphanias

    • häufig auch Rauhnächte, Oberpfalz Raubnächte

    • Niederbayern / Oberpfalz: Rauhnacht 'bäuerlich üppiger Festtagstisch'

Diskussion

  • Die Alternative Rauch :: rau ist falsch, da letzteres = mhd. rouch :: rūch

  • bair. Rāhh, Rōhh, Rauhh :: rauhh (hh = [x]) Schmeller 3, 12. 75

  • schwäb. Rauch [raox, rǫux, rǫu; rao; rōx] :: rau [rəu] SchHWb 326

  • Rhfrk. Rauch [rāx] :: rau [rao]

  • Rauch ist also 'harsch', nicht 'Qualm'

  • Das vermeintliche Wissen um das Räuchern hat also zur falschen Schreibung "Rauchnächte" (schwäb. Rauch-nacht) geführt und somit andere Deutungen verhindert.

    • bair./österr. Aussprache "rauch"

      • + Francks Räuchern in den 12 Nächten

        • = Räuchernächte

          • x andere Vorstellungen und Bräuche (z. B. Perchten)

          • + Versuch einer Definition, wann diese Nächten sind

  • "Nacht" dient zwar auch bei Fastnacht, Weihnachten als Festname.

  • Eher soll man hier an die Jahres- und Tageszeit denken: die "rauen", ungemütlichen, kalten und windigen Nächte.

  • Selbst wenn die schwäb. und pfälz. Wörter importiert sein sollten, hat man sie nicht auf 'Qualm', sondern auf 'harsch' gedeutet.

Erklärung

  • 'ungemütliche Nächte'

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 10.02.2019