Diskussion Römerglas

Befund | Theorien | Diskussion | Erklärung

Befund

Theorien

  • J. de Vries (1971), Nederlands Etymologisch Woordenboek: erstmals 1501 Neuß

  • Adelung (1793-1801) 3,1155

    • Der Römer, des -s, plur. ut nom. sing. Dimin. das Römerchen, ein bauchiges Weinglas, und zuweilen, besonders in Niedersachsen, ein jedes Weinglas.

    • Nieders. Römer, Holländ. Roomer, Engl. Rummer, Schwed. Remmare;

    • ohne Zweifel mit Raum von einem gemeinschaftlichen Stamme, nach welchem es ursprünglich ein jedes Gefäß, einen jeden hohlen Raum bedeutet hat,

    • man müßte denn erweisen können, daß diese Art Weingläser eine Römische Erfindung sey.

  • Grimm (1893) 14,115

    • römer, trinkgefäsz aus farbigem, gewöhnlich grünem glase für wein.

    • Friedrich (die altdeutschen gläser) macht wahrscheinlich, dasz der name von dem stoffe entlehnt ist, aus welchem man diese gläser fertigte, dem vitrum romarium, unter welcher bezeichnung bruchstücke altrömischen glases im handel gingen, wie man sie besonders in Deutschland zur schmelze benutzte

  • J. Vercoullie (1925), Beknopt etymologisch woordenboek der Nederlandsche taal

    • roemer m., uit Oostndl. of Ndd., met oe voor û, ui, Vla. ruimer = groot glas, van ruim... = Roemer, aus ost-ndl. oder ndt. mit ue für û, ui. Fläm. ruimer 'großes Glas', von ruim 'Raum'

  • Pfeifer (1995 / 2005) 1138

    • Römer m. ‘geschliffenes (farbiges) Weinglas (aus Kristall)’.

    • Man sieht in der Bezeichnung eine Übernahme im Niederrheingebiet (Anfang 16. Jh.) von nl. roemer ‘grünes Trinkglas für Rheinwein’, das, zu nl. roemen ‘rühmen, preisen’ (s. rühmen) gebildet, als ‘Prunkglas, mit dem man zu jmds. Ruhm einen Trinkspruch ausbringt’ aufgefaßt werden könnte.

    • Aber auch an eine Bezeichnung (wohl nlat.) vitrum Romarium für zur Schmelze gehandelte Bruchstücke altrömischen Glases ist zu denken, woraus Römer hervorgegangen sein kann, vgl. mhd. rœmisch glas für Glasstücke in der Art von Schmucksteinen.

    • Schließlich ist noch auf einen die farbigen Wappen des Reichs und der Kurfürsten tragenden Glashumpen, das Römische Reich genannt (16./17. Jh.), zu verweisen.

  • Roemer (wijnglas) - Wikipedia (04.07.2014)

    • De naam is afkomstig van het Duitse woord Römer, dat Romein betekent. Andere lezingen zijn dat de naam afkomstig is van het Nederrijnse woord römmen, dat bluffen betekent. = Der Name kommt vom deutschen Wort Römer 'aus Rom'. Andere meinen, dass der Name von niederrheinisch römmen 'bluffen' kommt."

  • Die traditionelle Römerform bis zur Biedermeierzeit

    • beschreibt die Entwicklung der Form vom konischen, etwa 7 cm hohen Becher zum Glas mit bauchigem Oberteil und hohlem Fuß.

    • Typisch sind die erhabenen Verzierungen ("Nuppen")

    • Der kleine Becher war wohl eher für Spirituosen bestimmt als für Wein.

    • Es ist die Frage, ob man diese Gläser immer Römer genannt hat. "Römer" ist hier eine moderne Typbeschreibung, welche die Glasform in die Vergangenheit zurück verfolgt.

Diskussion

  • Form

    • noppenverziertes Trinkglas (moderne Typenbezeichnungen)

    • Kelch (Cuppa mit Stiel und Fuß)

      • 1460 "Pokal" Venedig (Spiegel, Das Weinglas im Wandel der Geschichte S. 8)

    • Es ist nicht ausgeschlossen, dass der "romer" des 15" Jh. kein Noppenglas, sondern ein Glaskelch war. Wenn das Wort wirklich vom Niederrhein stammt, ist nicht ausgeschlossen, dass ursprünglich Import aus Italien gemeint war, das man aber auf "rühmen" gedeutet hat.

    • Die Noppengläser sind älter als 1500. Die Frage ist, warum um dieser Zeit ein neues Wort aufkam.

      • Der Übergang vom Becher zur Kelchform erfolgte erst im 15" Jh., also nach dem Aufkommen des Namens.

      • Ist die angedeutete Kelchform den venezianischen "Pokalen" nachempfunden, die man mit der herkömmlichen Technik aber nicht anfertigen konnte?

      • Dann könnte "romer" tatsächlich den importierten Glaskelch bezeichnet haben.

  • Wort

    • Räumer 'großes Glas'

      • ruimer bei INL GTB nicht nachweisbar

      • hinfällig, da ursprünglich ein kleines Glas

      • könnte eher 'Platzmacher' bedeuten (im Magen)

    • vitrum romarium

      • sieht aus wie Übersetzung von Römerglas

      • Dass der Römer wie das römische Glas grün ist, ist wohl ein Vorurteil.

    • Humpen "Das Römische Reich"

      • kaum wahrscheinlich, dass er allgemein bekannt war

      • hätte man nicht "Römer" genannt. sondern "Römisch"

      • zufällige Entdeckung, die den Namen des Glases nicht erklärt

    • Rühmer

      • mhd. ruom 2,548, rüemære, ruomære, ruomer 2,528, im Mnd ō (Umlaut ö nicht gekennzeichnet)

      • Kölsch hat ō / ö (Bloom / Blöömsche) LLW 34

      • Rühmer lässt sich verstehen als:

        • Glas für einen Toast, mit dem man jemand "rühmt"

          • Da mnd. romen nicht 'loben' sondern 'prahlen' bedeutet', unwahrscheinlich.

        • aufwändig gestaltetes "Prunkglas" mit erhabenen "Nuppen"

          • Der Gastgeber hätte damit angeben und prahlen können.

        • ein Glas für Prahler, die zeigen, wie trinkfest sie sind

          • hinfällig, da ursprünglich ein kleines Glas

          • ironisch?

    • römmen 'bluffen'

      • nicht nachweisbar, evtl. verkürztes römen

Erklärung

  • Rühmer 'prunkvoller venezianischer Glaskelch'

    mit mda. Vokalverkürzung (vgl. Blumm < Blume)

    • engl rummer < ndl. roemer

    • schwed. remmare < dt. Dialekt mit Entrundung, -are = dt. -er.

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 10.02.2019