Diskussion Runkel

Befund

  • nhd. Runkel 'Futterrübe'

  • Neuzüchtung um 1700 im Zusammenhang mit Verbesserungen der Landwirtschaft

  • Mundarten

    • Bern Runggle 'Rübe, dicke Frau, Runggeli 'rundliches Kind'

    • schwäb. Runk 'Ranken', Runkel 'Rübe', Runkunkel 'Schelte für ein altes Weib'

    • bair. Rundkelruabn, -ruam 'Rübe', Rana 'Rote Beete', Rankn 'dickes Stück Brot'

    • Wien Rungunkl, Rumpumpel 'altes Weib', runkert 'dick', Reanken, Rånken, Runke 'dickes Brotstück'

    • Wie sagt man in Österreich? Runkel 'Rübe'

    • Shess. Ranken 'großes Stück (Brot, Acker, Weintraube), Runkel(rübe), Angerse (nur Wimpfen), Rummel, Rummelse, Dickwurz, Wurzel, Köhl

    • Rheinhessen Rangel(rübe) (nur in Hechtsheim, wohl falsch überliefert)

    • Westerwald Ranke 'übermäßig großes Stück

    • Oberhessen Ranke, Runke 'ein großes Stück Brot'; Dickwurz

    • Niederhessen Runke 'großes Stück Brot'

    • Rummelse

      • Nassau Ramsche, Ramschel < römische (Kohl)
        Rummel, Rummels

      • Pfalz Rummel, Dickrübe, Dickwurz

      • Henneberg Rummel 'Geldrolle'

      • Regional-Wb Rheinland Rämmel, Remmel, Karämmel 'große Exemplar'

  • > lit. runkelis, sorb. runklica

  • finn. runko 'Stamm, Rumpf, Gestell, Rahmen, Skelett'

Diskussion

  • Stieler 2,1521

    • Rumpf etiam ad alia decerpta, manca & mutila transfertur, atq. aliâ dialecto Runken dicitur ut ein Rumpf / sive Runken Brot / ingens panis frustrum. Rumpf wird auch auf etwas anderes Abgehauenes, Verkürztes und Verstümmeltes übertragen. Man sagt in der Mundart anders Runken für Rumpf, z. B., ein Runken Brot 'unförmiges Stück Brot'.

  • Adelung 3,1215

    • Die Runkel, plur. die -n, oder die Runkelrübe, plur. die -n, in einigen Gegenden ein Nahme der Beete oder des rothen Mangolds. In manchen Gegenden führet nur eine Spielart derselben diesen Nahmen, welche in andern Rohne, Ronne, Range, Rangers, Raunsche, Rummelrübe, Mangoldrübe, Dickrübe, Burgunder- Rübe, Futterrübe, Turnipfe u.s.f. genannt wird, sehr groß und dick wird, ein weißes Fleisch hat, und am häufigsten zur Fütterung für das Vieh gebraucht wird. Man hält sie für eine Spielart der gemeinen rothen Beete, Beta vulgaris rubra L. Der Nahme bezeichnet mit allen seinen Abänderungen die Größe und Dicke dieser Rübe, von reinen, rennen, sich in die Länge und Dicke ausdehnen. S. das vorige und folgende.

  • Grimm 14,1520

    • runkelrübe, f. beta vulgaris, sowol für die purpursaftige speiserübe, als die futter- und zuckerfeldrübe, sowie den gartenblattmangold. Pritzel-Jessen. Höfer 3, 48, im henneb. runkelsbutzen Spiesz 200. das erste compositionsglied ist dunkel, doch liegt die annahme nahe, dasz das derbe, kräftige der rübe damit bezeichnet werden soll, vgl. DWB runken, m. und runks. das erste compositionsglied allein im sinne von runkelrübe, baslerisch der runggel Seiler 244a. runkel (ohne geschlechtsangabe) in der provinz Preuszen: gehackter kohl mit runkeln. Frischbier 2, 238. andere bildungen: mangolt, an etlichen orten römischer kohl und rungelsen, heiszt lateinisch beta. Tabernaemontanus 815. runtsche, runkse, f. Schambach 176b. runkelte, f. Woeste 221a.

  • Kluge 1894 S. 308

    • Runkelrübe, F., erst im 18. Jahrh. aufkommend; dunklen Ursprungs. Im älteren Nhd. dafür Range (noch in der Wetterau) = oberdt. Rande (in der CH, in Schwaben und Baiern).

  • Kluge 24

    • Runkelrübe (18. Jh.) Hybridbildung. Wohl entsprechend zu beurteilen fnhd. rungelsen "Mangold" (16. Jh.). Vielleicht zu Runks, Runken als "unförmig große Rübe", aber im einzelnen ist die Beurteilung strittig (vielleicht zu Runke "Runzel", vielleicht nach dem Aussehen des Samenkorns).

  • Pfeifer

    • Runkelrübe f. Name der Futter- und Zuckerrübe (18. Jh.). Eine Verwandtschaft des Bestimmungsworts mit mhd. runke 'Runzel' und den übrigen unter Runzel (s. d.) behandelten Formen im Hinblick auf den auffallend runzligen Samen ist wenig wahrscheinlich. Eher dürfte mundartlich verbreitetes Runken, Runke, Runks, Runksen, Rank, Ranke 'großes Stück Brot, Brotkanten', dessen Herkunft jedoch unbekannt ist, zur Bildung des Kompositums Runkelrübe, auf die dicke, fleischige Wurzel anspielend, herangezogen worden sein. Vgl. Runks m. 'grober Kerl' (16. Jh., vorwiegend nordd.).

  • HT an Spuck 16.03.2011

    • Rummelse ist weitergebildet aus Rummel 'Futterrübe' und scheint mir verwandt zu sein mit gleichbedeutendem Runkel. Alte Nebenformen Rungelsen, Runtsche, Runkse, Runkelte legen das nahe. Damit ergibt sich auch eine Beziehung zu Runksen, Runken, hessisch Ranken 'grobes Stück Brot'.

      Weiter fallen mir dazu ein Strunk, lateinisch truncus 'verstümmelt, Baumstamm ohne Äste, Rumpf, Strumpf (ursprünglich 'Stummel'), Rumpf, Stumpf, Stummel, Stubben 'Baumstumpf', alles mit ähnlicher Lautung und Bedeutung.

      Mit ähnlicher Lautung und anderer Bedeutung: rümpfen, schrumpfen, schrumpeln, krumpeln, Runzel, hess. Rone 'Runzel, Furche' (= Rune 'Schriftzeichen'?)

      Da alles lässt sich nicht sauber auf eine etymologische Grundlage zurückführen. Das scheinen mir eher Spielarten derselben Lautidee zu sein, also wie Variationen in der Musik und nicht Evolution à la Darwin.

  • ndt. Wruk(e) 'Kohlrübe'

  • japhet. *mërk- 'essbare Wurzel' > Möhre P750

  • P868 runken kastrieren, mndl. rûnen 'schneiden, kastrieren'

  • SN Runkel (Burg auf Anhöhe und Stadt in Oberhessen), Runkelstein (Schloss auf Felsen in Tirol)

  • schwed. runke-sten Name eines Findlings bei Rumskulla < runka 'wackeln' / engl. to rock / rücken

  • schwed. rynka 'runzeln, falten, rümpfen'

  • anord. hrunki 'großer, ungeschlachter Kerl'

  • ahd. rono, mhd. rone 'umgefallener Baumstamm, Klotz', aengl. hruna (in ON, Holthausen), runen 'Steine wälzen, zusammenhäufen' < anord. hrun 'Zusammenbruch' P622 2. kreu-

  • mhd. rumbe 'Rübe'

  • alban. rrunícë 'unbearbeitetes Stück Holz, großes Stück Brot', rranícë 'großes Stück Brot', ronítet 'zerbröckeln'

  • Brocken Blocksberg rocca / rupes / brechen / Wrack

  • vkelt. perəsnā > air. rann, cymr. rhan, mcorn. ran, abret. Pl. rannou 'Teil' P817
    McBain rann, a division, portion, Ir., O.Ir. rann, W. rhan, Cor. ran, later radn, O.Br. rannou, partimonia: *(p)rannâ, *pratsnâ, root par, per; Lat. pars, partis, portio

  • P868 ff reu- 'aufreißen, graben, aufwühlen, ausreißen, raffen'

    > Rumpf, Runken 'abgebrochenes Stück', Runzel 'aufgerissene Stelle', Rübe 'Hackfrucht'

    • reub-: dt. raufen, rupfen

    • reuk-: lat. runcare 'jäten, ausjäten', runco 'Jäthacke'

    • reup-: 'ausreißen, zerreißen, brechen'

      • lat. rumpere 'brechen'

Erklärung

  • Rummel < mhd. rumbe 'Rübe'

  • Runkel zu Runken < idg. *runkʰós 'abgeschnitten'

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 10.02.2019