Diskussion Strumpf

Befund | Theorien | Diskussion | Erklärung

Befund

  • Synonyme

    • Hose

    • Socke

    • Stock

    • Strumpf

    • Strunk

    • Stumpf

    • calcea

Theorien

  • Adelung (1793-1801) 4,459

    • In der ersten Bedeutung [abgetrenntes Stück]  ist es mit Strunk, Trumm, ein Stück, Rumpf u.s.f. nahe verwandt. S. Strümpfen.

    • Die zweyte Bedeutung ist bloß eine Figur der ersten, welche aus der Geschichte dieses Kleidungsstückes erkläret werden muß. Anfänglich bestand die Bekleidung des Unterleibes, wie noch bey vielen östlichen Völkern, aus Einem Stücke, und dieß ganze Stück hieß die Hose. Nachmals schnitt man den untern Theil oder die Bekleidung der Füße davon ab, und zog jedes besonders an, da denn die Bekleidung der Dickbeine den Nahmen der Hose behielt, die Bekleidung der Beine aber, weil solche anfänglich abgestrümpfte Stücke waren, den Nahmen der Strümpfe bekam. Schwed. Strumpa.

    • Andere Provinzen hingegen, bey welchen Brüche [Hosen] oder weite Unterkleider üblich waren, ließen den Strümpfen, als sie selbige annahmen, den Nahmen, welche das ganze Kleidungsstück ehedem führte, daher heißen die Strümpfe noch jetzt in Westphalen Hasen, d.i. Hosen, im Osnabrückischen Strumphasen, abgestrümpfte Hosen, in andern Gegenden Kniehosen, im Fries. Husse, und im Engl. Hose. S. Hose.

  • Kluge (1894) 367

    • Strumpf... Die nhd. Bedeutung... ergiebt sich aus der ursprgl. geltenden Zusammensetzung Hosenstrumpf (eigtl. also = 'das Ende der Hose, Kurzhose').

  • Grimm|20,111 (1942)

    • strumpf, m. , truncus, tibiale. herkunft.
      fehlt im got., an., angels. und ahd. (bzw. alts.); mhd. strumpf, altfries. strump (in strumphalt 'lahm' neben nd. strumpeln straucheln, stolpern), mnd., nd. strump ...;

    • aus dem nd. plural in die skandinavischen sprachen übernommen:

      • schwed. strumpa, norweg. strømpe, dän. strumpe strumpf.

      • daneben aber norweg. mundartlich strump schmaler kübel, kleine holzschüssel ...; frühneuisländ. strompr a chimney pot ["ein Kamintopf"; Stövchen?]... ferner norweg. stropp (< *strumpa) bestimmtes masz, masztonne, deren bedeutungen sich sämtlich aus einem (ausgehöhlten) baumstamm erklären lassen...

    • auszergerm. finden sich im baltoslav. entsprechende formen:

      • mit vocal der hochstufe lit. stram̃pas knüttel; ferner lett. strumpulis (auch strampul(i)s) kleines holzstück, strunk

      • wie im nd. neben strump das verbum strumpel(e)n steht, so auch lit. neben stram̃pas strampalioti torkeln, wankend gehen....

    • diese baltoslav. belege, bei denen es sich nicht um entlehnungen handeln kann, beweisen trotz der fehlenden entsprechenden formen im got. und ahd. das alter des wortes strumpf, das in der bedeutung von truncus bereits dem vorgerm. angehören musz. es kann an die durch labial (idg. -b-, germ. -p-) erweiterte wurzel ster (+ b) angeknüpft werden, welche 'starr, fest, trocken sein' bedeutet und neben der eine ähnliche erweiterung durch guttural (idg. -g-, germ. -k-, sippe nhd. strunk) oder dental (idg. -d-, germ. -t-, sippe nhd. sterz) in der gleichen grundbedeutung steht. diese erweiterte wurzel konnte ferner nasaliert werden und zeigt in strumpf den vocal der tiefstufe. das starre, feste ist also hier ursprünglich vom (baum-) stamm ausgesagt worden (vgl. auch stumpf und strunk...) ...

    • (117) erst seit Frisius (1556) und Maaler (1561) taucht strumpf in dieser bedeutung in den wörterbüchern auf, zugleich auch hosenstrumpf ... das hat zu der vermuthung geführt, dasz strumpf eigentlich 'das ende der hose, kurzhose' bedeutet ... in Deutschland war nämlich in der ersten hälfte des 16. jahrh. eine neue mode geschaffen worden, welche das allmählich aus bruch und hose zusammengefügte kleidungsstück des ganzen unterkörpers wieder in zwei theile zerschnitt. der obere reichte nur noch bis zum knie und behielt den namen hose, während der andere zur bekleidung des unterschenkels diente und jetzt strumpf (bzw. stumpf, s. d.) genannt wurde. ...

    • demgegenüber ist aber zu beachten, dasz stumpf, m., tibiale schon im 14. u. 15. jahrh. bezeugt ist (s. d.). gehen diese bezeichnungen auf die verstümmlung der älteren hose zurück, so bliebe allerdings bemerkenswerth, dasz der abgeschnittene theil diesen namen erhielt und nicht — wie eigentlich zu erwarten — das übrig gebliebene stück... im übrigen haben sich name wie bekleidungsstück im hd. sprachgebiet sehr schnell eingebürgert und die übrigen bedeutungsvarianten seit dem 18. jahrh. derartig in den hintergrund gedrängt, dasz ungefähr mit dem beginn der romantik das wort strumpf in der schriftsprache fast ausnahmslos dem lat. tibiale entspricht.

  • Pokorny (1959/2002) 1025

    • 1. (s)ter- 'steif sein...'

      • 3. Labialerweiterungen: stremb-, stremp-

        • mnd. strampe(le)n 'mit den Füßen heftig auftreten', nhd. (eigent. nd.) strampeln, mnd. strumpe(le)n 'straucheln, anstoßen' u. dgl.;

        • mhd. strumpf, mnd. strump 'Strumpf, Stummel' (nhd. 'gestutzte Hosen, Strumpf'), norw. dial. strump 'kleine Holzschüssel u. dgl.' ('*ausgehöhlter Baumstamm', ebenso stropp 'ein Maß');

        • norw. dial. stremba 'anspannen; Brust oder Magen aufblähen', isl. strembinn 'straff, hart, stolz', norw. dial. stramb 'scharfer Geruch';

        • mit -mm-: mnd. stram (-mm-) 'straff, stark, gedrungen, kräftig' (nhd. stramm aus dem Nd.), nhd. bair. bestremmen,
          bestrempen 'zusammenziehen, beengen';

        • apr. strambo 'Stoppel',
          lett. strìebs und struobs (*strambas) 'Halm, Schilf', strumbulis 'Knüttel';

          lit. stram̃pas 'Knüttel', strampalióti
          'wankend (*steif) gehen'; lett. strampul(i)s 'Strunk, kleines Holzstück; hartgefrorener Kot'.

  • Pfeifer (1995)

    • Strumpf m. ‘gestrickte oder gewirkte enganliegende Beinbekleidung’, mhd. strumpf ‘Stummel, (Baum)stumpf, verstümmeltes Glied des menschlichen Körpers, Rumpf’, mnd. strump ‘verstümmeltes Glied, (Baum)stumpf, Bekleidung des Unterschenkels (aus Leder und Stoff, später gestrickt)’, norw. (mundartlich) strump ‘kleine Holzschüssel, Kübel’ (eigentl. wohl ‘ausgehöhlter Baumstumpf’)

    • sind verwandt mit den unter strampeln und stramm (s. d.) verzeichneten Formen und stellen sich wie diese zu ie. *stremb-, *stremp-, Labialerweiterung der Wurzel ie. *(s)ter(ə)- ‘starr, steif sein’ (s. starren).

    • Ausgangsbedeutung ist ‘Baumstamm, Baumstumpf’; in diesem Sinne werden Strumpf und Stumpf (s. d.) bis ins 18. Jh. synonym gebraucht. Danach bedeutet Strumpf nur noch ‘Beinbekleidung’ (erstmals im 16. Jh.) als Ergebnis einer modischen Entwicklung, die die ursprünglich aus einem Stück gearbeitete Bekleidung des Unterkörpers (vgl. Hosenstrumpf, 16. Jh.) in zwei Teile (Hose und Strumpf) trennt, so daß Strumpf als der übriggebliebene Rest, der ‘Stumpf’ zu deuten ist.

  • Kluge 2002

    • Strumpf... (14. Jh.), mhd. strumpf, mndd. strump ... Die Bedeutung ist ursprünglich "Baumstumpf, Stummel", dann "Halbhose" (gewissermaßen mit Beinstummeln), wohl verkürzt aus Hosenstrumpf. Das Wort gehört zu dem Komplex von stumpf, vergleichbar ist allenfalls lit. strampas "Knüttel, Stumpf".

Diskussion

  • Etymologie:

    • Adelung: verwandt mit Strunk, Trumm, Rumpf
      Grimm, Pokorny:
      ster (+ b) 'starr, fest, trocken sein'
      Kluge 2002: zu dem Komplex von stumpf

      • Die Grundbedeutung 'abgetrenntes Stück' passt weder zu

        • s/trampeln < tra\m/peln < trappeln < t\r/aben < tappen. noch zu

        • straff, stramm

      • besser St\r/umpf < (Baum-) Stu\m/pf < Stubbe, alles 'Wurzelstock < abgehauen' < japhet. *śtü- 'stoßen, schlagen''

        • vgl. engl. stocking 'Strumpf' < stock 'Stamm, Trunk'

    • Grimm wundert sich, warum der abgeschnittene Unterteil "Stumpf" heißt und nicht der verbleibende Rest, die Hose: Es kommt immer darauf an, wie man's betrachtet:

      • Bei einer Amputation geht z. B. der Fuß verloren, der "Beinstumpf" bleibt erhalten und mit dem "Rumpf" oben verbunden.

      • Bei einem Baumstumpf und Kohlstrunk ging der für uns wesentliche Teil (Baumstamm, Kohlkopf) verloren, die Reste mit der Wurzel unten bleiben erhalten.

      • Hat beim Strumpf eine Rolle gespielt, dass das der untere Teil ist?

  • Sache:

    • Adelung, Pfeifer, Kluge 2002: Stümpfe sind "abgestrümpfte Stücke" der Hose.

    • Grimm|10,1837 ff (1877)

      • 1. allgemein die bedeckung des unterschenkels

      • 2. auch die ältere nhd. sprache kennt hose nur als eine art hoch hinaufgehenden strumpf, von zeug oder leder

      • 3. seitdem nach und nach, hauptsächlich seit dem 15. jahrh., bruch und hosen in éin kleidungsstück vereinigt worden sind, (wird "Bruch" von "Hose" verdrängt; mda. noch in der Bedeutung 'Strumpf)

    • Hose – Wikipedia  (19.06.2014)

      • Bis ins 10. Jahrhundert wurden in Europa sowohl lange Hosen als auch die Brouche und Beinlinge (oft von den Angelsachsen) getragen. Im 11. Jahrhundert setzten sich Beinlinge durch. Im 14. Jahrhundert wurde das Obergewand kürzer, bedeckte oft gerade noch das Gesäß, und machte so Unterhose und Strümpfe sichtbar. Mitte des 15. Jahrhunderts kam die Strumpfhose auf, die nun zur Oberhose wurde. 50 Jahre später reichte diese eng anliegende Hose nur noch bis zum Knie, dazu wurden Strümpfe getragen.

    • verworrene Darstellung:

      • Zur kurzen Bruch trug man lange Stümpfe, die "Hosen" genannt  wurden,

      • 14m" "Strumpfhosen",

      • 15° eng anliegende Kniehosen mit Strümpfen.

Erklärung

  • Die weitgehende Parallele Stumpf / Strumpf macht wahrscheinlich, dass das Grundwort kein r hatte.

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Aktuell: 28.08.2021