Diskussion Stube

Befund | Theorien | Diskussion | Erklärung

Befund

  • germ.

    • anord. stofa, stufa 'einer der Räume im Gehöft, alleinstehende Wohnhaus, kleine Halle' 607.612

    • aengl. 322

      • stofa 'Baderaum'

        > aengl. stofbæþ, -u- 'Dampfbad'

    • mnl.

      • 12b" stove Zuname 'Bader'; heizbarer Raum, Trockenraum; Baderaum, Sauna, warmes Bad, Fußwärmer'

      • # stoven 'warm baden, dünsten, schwitzen'

    • mnd. 383

      • stove (stave) 'Baderaum, heizbares Gemach; Wohnung, Zimmer'

        • ndt. HH 1755 Stove 'Gehäuse für den Kohlentiegel (Kyke) zum Füßewärmen; Badestube' Richey 293

      • stoven 'bähen, dünsten'

    • ahd. 8" stuba 'Badezimmer, heizbares Gemach' 305

      • mhd. stube 'heizbares Gemach, Badegemach, Speisesaal, Trinkstube, Zunftherberge, Ratstube, kleines Wohnhaus' 2,1257

        • nhd. Stube 'Zimmer'

  • roman. (e)stufa, (e)stufar

    • it.

      • stufa 'Ofen'

      • stufare 'schmoren' (neben 'überdrüssig sein, sich langweilen')

    • rät. 334

      • stiva 'Stube'

    • kat. 88

      • estufa 'Ofen'

    • span. 246.8

      • estofar 'schmoren, dünsten'

      • estufa 'Ofen, Treibhaus, Trockner'

    • port. 88

      • estufa 'Heizkörper, Ofen, Treibhaus'

      • estufar 'trocknen, schmoren'

    • afrz. 273

      • 11b" estuve 'warmes Bad, Badestube'

      • 11b" estuver 'warm baden'

    • frz. 386

      • étuve 'Schwitzbad, Badestube, Trockenapparat, -kammer'

      • étuver 'dämpfen, schmoren, bähen, trocknen'

  • Sonstige

    • kelt.

      • ir. CaSchIr 323

        • stobh [stov] 'schmoren'

        • stobhagh 'Schmorbraten'

      • gael. stòb 'schmoren' MacGael 322

    • slaw.

      • aruss. истъба istŭba 'Wohnhaus, Bauernstube', russ. изба izbá 'Bauernstube, Bauernhaus' Vasmer 1,473

    • balt.

      • apr.

        • stabni 'Ofen' (zu stabas, -is 'Stein') Ness 174

        • stubo 'Stube' Ness 178

      • lit. stubà 'Stube' NessLit 504

      • lett. istaba 'Zimmer, Stube, Kammer' AlmLett 86

    • ural.

      • finn. tupa 'Häuschen, Hütte; Wohnstube, Waschküche' KleRek 927

      • estn. tuba 'Zimmer, Stube, Raum' TasEst 649

      • liv. tuba 'Zimmer, Stube, Haus auf dem Lande, Gefängnis' SögLiv 118

    • Balkan

      • ung. szoba 'Zimmer' LH 880

      • alban. sóbë 'Ofen, Zimmer der Frauen, Empfangsraum' albWb 508

      • rum. sobă 'Ofen' 148

      • ngriech. σόμπα [sóba] 'Ofen' LT 428

      • türk. soba 'Ofen, Treibhaus' LT 404

      • gagausisch soba 'Ofen'

Theorien

  • Adelung (1793-1801) 4,461 f

    • Anm. Die zweyte engere Bedeutung hat die meisten Wortforscher verleitet, den Begriff der Wärme für den Stammbegriff anzusehen, und es von dem Nieders. stöven, in einem verschlossenen Topfe kochen, dämpfen, und von dem Ißländ. Stoo, ein Feuerherd anzusehen. Allein, stöven ist selbst nur eine Figur von stauen, und hat nichts von dem Begriff des Feuers in sich, so wie das Ißländ. Stoo, nur eine Ellipsis für Eldsto, Feuerstätte ist. Kurz, Stube bedeutet eigentlich einen jeden Wohnort, eine jede Wohnung, ist von Statt, Stätte, Stand u. s. f. nur im Endlaute verschieden, und stammet mit diesen von stehen, ab. Im Schwed. ist Stö und im Ißländ. Sto, ein jeder Ort. S. auch Stauf, Stübchen und Stübich, welche nahe damit verwandt sind.

  • Kluge (1894) 368

    • Stube F. aus mhd.stube, ahd. stuba F. heizbares Gemach, Stube, Badezimmer':

    • ein durch die altgerm. Sprachen gehendes Wort; vgl. ndl. stoof 'Feuerkieke, Darrstube', angls. (8. Jahrh.) 'balneum' (engl. stove 'Ofen'), anord. stofa, stufa 'gynaeceum, Baderaum mit Ofen'.

    • In der Form eines schw. Neutr. stobô (Obl. stubun-) war das Wort als 'Badezimmer' (dann auch 'heizbares Zimmer überhaupt. bes. für die Frauen') früh im Germ. heimisch (im 8. Jahrh. in der Lex Alem. lat. stuba).

    • Das Roman. hat lautverwandte Worte mit gleicher Bedeutung: ital. stufa - frz. étuve (aus *stûba) 'Badestube, Ofen'.

    • Man legt ein lat. extufâre zu Grunde (vgl. ital. tufo 'Dunst' und frz. étouffer 'ersticken' zu gr. τῦφος [tŷpʰos] 'Qualm');

    • man bedenke auch, daß lat. pensilis balnea 'Badezimmer' als *pêsle = ahd. pfiasal 'pyrale', ahd., mhd. pfiesel, angls. písle 'heizbares Zimmer' ins Germ. gedrungen ist (vgl. frz. poêle 'heizbare Wohnstube'). Anderseits soll ahd. turniza - mhd. dürnze 'Badestube, Stube' slav. Ursprungs sein.

    • Durch Entlehnung drang stube vom German. aus als tupa ins Finn. als stubà ins Lit; dazu noch aslov. istuba, izba, ungar. szoba, türk. soba 'Stube'.

    • Daß 'geheiztes Zimmer die Grundbedeutung des germ. Wortes ist, ergiebt sich auch aus ndl. ndd. stoven 'schmoren, erwärmen' (= ital. stufare, frz. étuver 'bähen, dämpfen');

    • und zu Gunsten der Annahme, daß Stube ein den alten Germanen fremder Begriff gewesen, erinnert man an Senecas Angabe: Germanis nulla esse adversus coeli rigorem suffugia nisi subteraneos specus [= die Germanen sollen als Zuflucht vor dem kalten Klima nur unterirdische Höhlen haben.] (vgl. Dung).

  • Meyer-lübke (1935 / 1992)

    • 3108

      1. *extūfā́re "dämpfen"

      2. *extūpāre [hauptsächlich 'Ofen, Badstube, warmes Zimmer]

      (Der Anklang an deutsches stube ist zufällig)

    • 8333

      • *stŭppāre "stopfen" + extufare: frz. étouffer, prov. estofar "ersticken"

  • Grimm (1942) 20,157 f

    • stube, f. A. herkunft und form.
      das wort ist in allen germ. sprachen bis in die gegenwart lebendig.

    • auf deutschem boden

      • hat es noch das verbum stoben ... 'schmoren, dämpfen' und das deminutivum stübchen 'feuerkieke'  [Feuertopf zum Füßewärmen] neben sich:

      • ags. stofa, stufbæþ, anord. stofa, norw. stova, schwed. stuga, ält. dän. stove, dän. stue, mnl. stove, nl. stoof. meist 'warmer wohnraum', auch 'bad, ofen'.

      • aus dem germ. drang das wort in die slavischen sprachen, mit vorschlag russ. poln. izba (altruss. istŭba), ...

    • neben der germ. steht eine weitverbreitete romanische sippe: ital. stufare 'wärmen', span. estovar, estofar, ital. stufa 'ofen', afrz. estuver 'ein warmes bad nehmen', frz. étuver 'brühen, schmoren', étuve 'badestube'.

    • es liegt nahe, für beide gruppen denselben ursprung anzunehmen und mit rücksicht auf sachlich verwandte lehnworte ihn auf romanischem boden zu suchen ...

    • doch sprechen gegen eine entlehnung aus dem roman. gewichtige lautliche bedenken... nimmt man für beide gruppen gesonderten ursprung an und sieht in der lautlichen ähnlichkeit nur zufällige gleichklänge,

    • so findet wohl die roman. sippe in einem postverbalen *estufa 'baderaum' (griech. τῦφος vulgärlat. *tūfus 'rauch, dampf') eine ansprechende grundform, während alle herleitungen des germ. wortes in der luft schweben.

    • auch die häufig versuchte zurückführung auf das verbum stieben (vom 'stiebenden' dampf des wasserbades) ...

  • Kluge 2002

    • Stube... (9. Jh., latinisiert 8. Jh.), mhd. stube, ahd. stuba, mndd. stove(n) m., mndl. stove "heizbarer Raum, Baderaum"... Auch in ae. stofa, anord. stofa.

    • Die Herkunft ist umstritten,

    • meist hält man das Wort für entlehnt aus früh-rom. *stufa, zu früh-rom. *extufare "ausdünsten" (zu l. *tūfus "Dampf" aus gr. tȳphos m. "Dampf, Qualm"); vgl. it. stufa, nfrz. étuve "Badestube".

    • Anders Machek, der mit guten Gründen von Ableitungen von l. aestuāre "heizen" ausgeht.

    • Nach Hähnel ist die Bedeutung "Badestube" jünger als die Bedeutung "Wohn- und Aufenthaltsraum"; er zieht deshalb eine Herleitung aus einer Bezeichnung für Räume vor (vgl. Brunnenstube); nach ihm letztlich zu Stubben "Stamm". Stövchen.

Diskussion

  • Das Nebeneinander von ŭ und ŏ kann sein

    • Schwundstufe von eu / au

    • ursprünglich germ. *stuf (// burg) neben umgelauteten stova (// giborgan)

    • kein ursprünglicher Langvokal (sekundäre Dehnung in offener Silbe)

  • Das hd. u kann sein

    • ursprünglich

    • Rückbildung bei einer Entlehung, vgl.

      • mnd. schoppe, ndt. Schopp 'Wetterdach' > nhd. Schuppen 'überdachter Abstellplatz'

      • mlat. cotta > nhd. Kutte 'Mönchsgewand'

  • Zu den Vokabeln:

    • germ. stofa / stuba

      • Nomen: 'Baderaum > heizbarer Raum, Wohnung'

      • Verb (selten): 'baden, dünsten, schwitzen'

        • denominal ('baden'), frz. Einfluss ('dünsten')

    • roman. (e)stufa, (e)stufar

      • Nomen: 'Ofen', frz. 'Bad'

        • 'Bad' = germ. 'Bad'

      • Verb: 'dünsten'

      • lat. ext- wurde im Roman. zu (e)st- (extendere 'ausdehnen' > it. stendere. kat. estendere, frz. étendre Meyer-lübke 3083).

        • It. stufa kann man also auf *extufa zurückführen,

        • genauso aber aber auch estufa auf stufa (die Gallo- und Iberoromanen haben keltischen e-Vorschlag vor s + Konsonant).

    • Vergleich:

      • Im Frz. überschneiden sich roman. ('Ofen, dünsten') und germ. Sprachgebrauch  ('Bad, baden').

      • ein frk. Wort für die röm. Badekultur?

        • Das röm. Bad hatte drei Abteilungen: frigidarium (kalt), tepidarium (lauwarm), caldarium (warm). Der Raums des tepidariums wurde durch ein Kohlenbecken gewärmt, des caldariums durch Fußbodenheizung. Rich 69

        • Roman. (e)stufa könnte das Kohlenbecken (foculus) gewesen sein oder die Warmwasseranlage.

    • kelt.

      • stobh [atov] < germ.

    • balt.

      • apr. stabni ist eher Lehnwort < ndt. Stove(n), -a- 'Fußwärmer' Richey 293

        • evtl. mit Lautersatz ŏ > a, vgl. lit. pãštas 'Post' KriLit 474

        • oder direkt. < Staven

    • slaw.

      • Aruss. истъба istŭba 'Wohnhaus, Bauernstube', изба izbá 'Bauernstube, Bauernhaus' kommt doch wohl wegen seiner Bedeutung < anord. stufa 'einer der Räume im Gehöft, alleinstehende Wohnhaus, kleine Halle' und nicht < roman. estufa 'Ofen'. Skandinavischer Einfluss (Waräger) ist gesichert, romanischer nicht.

        • Izbá ist offensichtlich Lautvereinfachung mit Assimilation sb > zb.

        • Der Vokalvorschlag (i, nicht e!) sieht nach nicht-idg. Aussprachehilfe aus (ung. István < Stephan, iskola 'Schule', türk. istep 'Steppe').

          • Wer aber soll der Vermittler gewesen sein? Finnen kommen kaum in Frage, weil sie in bei Lehnwörtern das s weggelassen haben (Stube > tupa, Schule > koula), Balten auch nicht, da sie st- haben.

      • Besser zu idg. *aistos 'brennend' > vslaw. *aistŏbʰá 'Feuerstätte, Herd > Haus'

        • Vgl. abulg. гостъ gostŭ 'Gast' > гостъба gostŭba 'gastliche Bewirtung' KraheG 3,138

    • ural.

      • die übliche Lautvereinfachung

    • Balkan

      • Soba 'Ofen' ist auf dem ganzen Balkan üblich. Ursprungssprache unbekannt.

      • Es ist nicht einzusehen, warum gerade ung. szoba 'Zimmer' das Quellwort sein soll (Angleichung an den dt. Sprachgebrauch?)

      • Es ist auch nicht einzusehen, warum bei Stube oder stufa das t ausgefallen sein soll und warum o, nicht u steht.

  • Zu den Theorien:

    • Adelung: zu stauen, Grundbedeutung 'Stätte'

      • kann nicht sein, f / b ≠ u / w

    • Kluge: < lat. extufare < ... < griech. τῦφος tŷpʰos 'Qualm'

      • Griech. τῦφος tŷpʰos > roman. tufo 'dicke Luft' (= Duft), port. tufar, kat. estufar 'aufblasen' Meyer-lübke 9024. Das ist aber nicht 'wärmen' und tufo allenfalls 'warmer Mief'.

      • Stobô (Obl. stubun-): geht nicht, BEAhdG 33 ff

        • weil im Ahd. bei der Deklination kein Umlaut eintritt, anders als bei der Konjugation (gibotan / butun) und Wortbildung (gold / guldin). Aber auch Ausnahmen (fruma, sumar, truckan 'Frommen, Sommer, trocken)

        • Bei Lehnwörtern aus zum Rom. erfolgt Umlaut nur vor i (molina > mulina > Mühle).

        • Das And. hat ähnliche Regeln, aber mit mehr Ausnahmen.

        Das betrifft aber nicht stuba / stove.

      • Senecas Angaben über die frierenden Germanen sind irreführend: Die Germanen hatten kein "Wohnzimmer", das man hätte heizen müssen, sondern konnten sich am Herdfeuer wärmen.

    • Meyer-lübke unterscheidet *extufare 'wärmen', *extupare 'gewärmter Raum', frz. étouffer 'ersticken'

      • Extupare wird nicht erklärt, p ist also nur erschlossen aus den Wörtern mit roman. v.

        • Es ist doch eher anzunehmen, dass die Wörter mit v germ. sind.

      • Die lat. Langvokale wurden im Rom. gekürzt, die germ Kurzvokale schließen also eine Lehnbeziehung nicht aus.

    • Extufare kommt nicht in Betracht:

      • Das vermutete Quellwort griech. τῦφος tŷpʰos 'Qualm' ist sonst im Lat. offenbar nicht nachweisbar.

      • Die angeführten Wörter bedeuten nicht 'wärmen'.

      • Stube, roman. (e)stufa usw. ist eher ein Primärnomen und ndl., ndd. stoven 'schmoren, erwärmen' von 'Ofen' abgeleitet.

    • Grimm bemüht sich 1942 (Nazizeit!) um eine germ. Ableitung, die er aber nicht nennt, weil sie "in der Luft hängt", und bleibt doch bei extufare.

      • Stieben bedeutet 'stauben', nicht 'dampfen'.

      • Vgl. aber die verwandten Dunst und Duft (ursprünglich 'Dunst') und griech. τῦφος tŷpʰos  'Rauch, Dampf, Dunst, Dünkel, Eitelkeit' (urverwandt).

    • Machek: < lat. aestuāre 'heizen'

      • mlat. aestuarium 'heizbarer Raum, Stube, Laube' Hab-Gr 134

      • kann nicht sein, f / b ≠ u / v / w

    • Hähnel: Da 'Badstube' jünger ist als 'Wohnraum' < Stubben 'Stamm'

      • Die älteste überlieferte Bedeutung (8") ist 'Badezimmer, heizbares Gemach'; 'Wohnraum' ist nur anord. und nhd.

      • Stubben ist 'Baumstumpf', nicht 'Stamm'. Grimm 20,155

      • 'Sauna in einer separaten Blockhütte', wie ich erwogen hatte, kommt also nicht in Frage.

      • Oder als *śtëbʰ- zu lat. tabula 'Bett' < noach. *ɖeʊ- 'spalten'?

        • sehr unwahrscheinlich

  • Alternative: TH

    • japhet. *tep- 'warm sein'

      • slaw. mit o-Variante

      • also vgerm. *śtop- (nicht bezeugt, aber möglich)

        • mit Lautersatz > germ. stuf- > mnd. stove

          • > roman. (e)stufa

      • unwahrscheinlich

  • Klärung:

    • Übrig bleiben:

      • stieben (Grimm)

        • stieben / stob / Stube / Staub ist klass. Ablaut.

        • Roman. (e)stufa kann auch *stufa sein.

        • Gemeint ist das Dampfbad (:: Warmwasser-"Bad"), das wohl nicht erst von den Römern eingeführt wurde, in Mitteleuropa aber eine Zeitlang in Vergessenheit geraten war. Saunageschichte

        • Von der Grundbedeutung 'Dampf' erklärt sich roman. 'Ofen' und germ. 'Badestube > Wohnraum' sowie die verbalen Ableitungen.

        • Der Heizofen ist in den roman. Ländern anscheinend eine Neuerung. In Spanien machte erst 1617 ein deutsches Buch den Heizofen bekannt. Estufa (calefacción

      • aestuare (Machek)

     

Erklärung

  • Ü

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 10.02.2019