Diskussion tauschen, täuschen

Befund | Theorien | Übersicht | Diskussion | Erklärung

Befund

  • tauschen

    • mnl. tuuschen, tuisen 'tauschen'

      • ndl. tuisen 'tauschen, handeln, schachern' 416

    • mnd. tūschen 'wechseln' 420

    • mhd.

      • tūschen 'tauschen'

      • vertūschen 'vertauschen'

      • nhd. tauschen 'Ware gegen Ware handeln'

  • täuschen

    • mnl. tuuschen, tuisen 'würfeln; foppen, betrügen'

    • mnd. tūschen 'würfeln; betrügen, sein Spiel haben mit' 420

    • mhd. tiuschen 'sein Gespött treiben mit, betrügen'

      • nhd. täuschen 'irreführen, betrügen', refl. 'irren'

  • zwischen

    • afries. 117 

      • twisk(a) 'zwischen, innerhalb'

      • twiskia 'trennen, scheiden, auseinandergehen'

    • mnd. tuschen 'zwischen' 420

    • mhd. zwischen, zwüschen, züschen, md. zwuschen 'zwischen'

Theorien

  • Adelung (1793-1801)

    • Tauschen

      • Anm. Im Nieders. tuschen, tuusken.

      • Die Abstammung ist dunkel;

        • aber gewiß ist das Dauß in der Karte nicht das Stammwort, wie Frisch wähnet, weil man im Kartenspiele immer die Blätter verwechselt.

        • Andere sehen den Begriff des Betruges als den herrschenden an, und rechnen es zum folgenden täuschen, da doch nicht die geringste Spur eines solchen Begriffes in dem Worte anzutreffen ist, sondern der Tausch vielmehr die älteste und ehrlichste Art der Handlung ist.

      • Übrigens ist für tauschen auch umsetzen, stutzen, und in einigen gemeinen Mundarten kauten, Niedersächsisch küten, büten, kütjebüten, eigentlich küten und büten, üblich.

    • Täuschen

      • Anm. Auch bey diesem Worte ist der Stammbegriff dunkel, zumahl, da es weder bey unsern ältesten Schriftstellern, noch in den verwandten Sprachen vorkommt.

      • Es scheinet indessen, daß es eine Onomatopöie einer geschwinden Bewegung, besonders mit der Hand ist, und eigentlich jemanden durch Geschwindigkeit hintergehen, bedeutet hat, da es denn zu dem Franz. toucher, berühren, gehören würde.

  • Kluge (1894)

    • 374

    • 390

  • DWB (1935)

    • Tausch, m. , md. tûsch, commulatio, permutatio. das lautlich entsprechende mhd. tûsch, pl. tiusche hat (wie das mnd. tûsch) nur die bedeutung von spass, schelmerei, betrug, täuschung, ist also ursprünglich wol ein mit der interjection tusch (tuschen, vertuschen) begleitetes taschenspieler-, gauklerkunststück, durch das gegenstände verwechselt wurden, woraus sich (da beim ungleichen tausche der eine oder andere übervortheilt wird, vgl. das sprichwort wer lust hat zu tauschen, hat lust zu täuschen oder zu betrügen Simrock 549) der begriff des betrügerischen austausches und handels, endlich (mit völligem schwunde der betrügerischen absicht) des tauschhandels überhaupt entwickelt haben kann, wie ja auch in rosstäuscher (pferdehändler) der ursprünglich darin liegende begriff des täuschens geschwunden ist. eine genaue analogie bietet parat mit dem zweiten partieren im vergleich zum jetzigen kaufmännischen baratt tausch, barattieren umtauschen, tauschhandel treiben.

    • tauschen, verb. gegen anderes geben, mutare, commutare, permutare. das lautlich entsprechende mhd. tûschen hat mit tiuschen nur die bedeutung von fallere, trufare ...; im heutigen sinne kommt es im 15. jh. nur in der composition vertauschen vor (s. tauschbrief), altclev. im Teuthonista (1475) und mnl. tuyschen (Kilian 570b), nnl. tuischen, nd. tuusken brem. wb. 5, 134, tûschen Schambach 237a, so dasz das wort dem anlaute nach nd. herkunft ist (alem.-schwäbisch dûschen, dauschen, s. unten).

    • täuschen, verb. fallere, decipere. die ältere und richtige schreibung teuschen entspricht dem mhd. tiuschen (neben tûschen, md. auch tûsen), dessen anlaut auf nd. herkunft weist: altclev. im Teuthonista (1475) und mnl. tuyschen (ludere alea, ludere lucri spe et damni periculo Kilian 570b), mrhein. (voc. ex quo 1469) thussen, nd. tuusken, tûschen (tauschen und täuschen); über den mutmaszlichen zusammenhang von tauschen und täuschen s. das bei tausch gesagte. den oberd. mundarten ist täuschen ungeläufig (Schm.2 1, 628), auch das Basler bibelglossar von Petri (1523) bezeichnet das Luthersche teuschen als ein 'auszlendig wort' und erklärt es mit betriegen, s. Socin schriftsprache und dialekte 242.

  • Pfeifer (1995 / 2005)

    • tauschen Vb. ‘etw. für etw. anderes geben’ (16. Jh.), vgl. älteres mhd. vertūschen (14. Jh.), frühnhd. vertauschen (15. Jh.), s. unten. Das Verb geht zurück auf mhd. tūschen ‘Spaß, Gespött, Schelmerei treiben, unwahr reden, betrügen’, auch tiuschen, also eigentlich wohl ‘einem (im Handel) in betrügerischer Absicht etw. aufschwatzen, durch Unterschiebung von etw. Falschem sein Spiel mit jmdm. treiben’. Ein Bedeutungsübergang zu ‘Waren wechseln, handeln’ und damit eine semantische Trennung der Verben mhd. tūschen und tiuschen dürfte sich bereits im Mhd. anbahnen, vgl. mhd. rostūschen ‘Pferdehandel treiben’, rostūscher ‘Pferdehändler’

    • täuschen Vb. ‘jmdn. etw. Falsches glauben machen, jmdn. irreführen’, reflexiv ‘sich irren, eine falsche Vorstellung, Meinung haben’, mhd. tiuschen ‘Spaß, Gespött, Schelmerei treiben, unwahr reden, betrügen’, auch tūschen (s. ↗tauschen), stammt wohl aus dem Nd., vgl. mnd. tūschen ‘täuschen, betrügen, sein Spiel mit jmdm. haben, mit Würfeln spielen, tauschen, wechseln’, mnl. tuuscen, nl. (älter) tuisen ‘täuschen, würfeln’. Herkunft unbekannt. Im Obd. ist das Verb nicht üblich; Luthers teuschen wird hier mit (be)triegen, (ver)vorteilen verdeutlicht.  

    • zwischen Präp. ‘innerhalb zweier (räumlicher oder zeitlicher) Begrenzungen, innerhalb einer Menge’. Aus adverbiell gebrauchten präpositionalen Verbindungen wie ahd. untar zwiskēn ‘unter, in der Mitte von zweien’, untar in zwiskēn ‘untereinander’ (9. Jh.), auch zusammengezogen untarzwiskēn sowie inzwiscōn, mhd. under, in zwischen, enzwischen entwickelt sich die einfache Form mhd. zwischen zwüschen, (md.) zwuschen Adv. und Präp., mnd. twisken, twischen, mnl. tusscen, twussen, twisscen, nl. tussen. Auszugehen ist daher von einem Dativ Plural des sowohl distributiven wie kollektiven Zahladjektivs ahd. zwiski ‘zweifach, zu zweit, zweiteilig, abermalig’, Plur. ‘beide’ (8. Jh.), mhd. zwisc, zwisch ‘zweifach, je zwei’, Plur. ‘beide’, asächs. twisk ‘zweifach’, das germ. *twiska- bzw. *twiskja- voraussetzt; vgl. dazu auch aengl. betweoh, betwux, betwisc, engl. (älter) betwixt ‘dazwischen’. Es handelt sich um eine Bildung mit dem Suffix ie. -ko- zum Multiplikativadverb ie. *du̯is ‘zweimal’;

    • tuschen Vb. ‘mit Wasserfarbe malen, eine Zeichnung farbig ausgestalten, kolorieren’ (2. Hälfte 18. Jh.), zuvor ‘etw. einfarbig darstellen, eine Zeichnung einfarbig ausgestalten, mit dunkler Farbe schattieren’, entlehnt (vereinzelt getuscht, getouscht, 16. Jh., geläufig seit Anfang 17. Jh.) aus mfrz. frz. toucher, afrz. tochier ‘berühren, anrühren, treffen, schlagen, antreiben, betreffen, zu Herzen gehen’, frz. auch ‘ein Bild ausführen’ und ‘Farbe, Druckerschwärze auftragen’. Dem frz. Wort liegt vlat. *tōccāre ‘schlagen, treffen’ (vgl. ital. toccare ‘berühren, anfühlen, anstoßen’) zugrunde, eine lautnachahmende Bildung, die von dem beim Auftreffen auf einen Gegenstand entstehenden dumpfen Ton (tok) ausgeht

      • Etymologie de TOUCHER

        • 1. ca 1100 « entrer en contact avec quelqu'un ou quelque chose par l'intermédiaire d'un objet, d'un instrument »

        • D'un lat. pop. *toccare « heurter, frapper », propr. « faire toc », issu du rad. onomat. tok évoquant le bruit sec produit par le choc de deux objets durs (v. Schuchardt ds Z. rom. Philol. t. 22, p. 397 et t. 23, p. 331; EWFS; FEW t. 13, 2, pp. 14-16, s.v. tokk-). Cf. toc, tocsin, toquer et les correspondants de toucher dans les autres lang. rom.: esp., port., cat., a. prov. tocar, prov. touca, ital. toccare, roum. toca.

  • TH

    • 2012

      • mnd. tuschen 'zwischen' 420

      • mhd. zwischen, zwüschen, züschen, md. zwuschen 'zwischen'

    • 2018 Tusche, vertuschen

        • erklärt nicht den Umlaut

        • zu viele Zusatzannahmen

Übersicht

Diskussion

  • Lautung:

    • ndl. ui < ū > hd. au

    • mhd. iu kann sein < eu oder = umgelautetes  ṻ

    • twi- > twü- > tü- bzw. zw-

    • obd. t- < d-, analog dausend

    • ū kann sein sekundäre Dehnung von u

  • Daus

    • mit stammhaftem d und s

    • würde nicht die ndt., ndl. Formen mit t erklären.

      allenfalls für 'würfeln' denkbar

  • tauschen_=_täuschen

    • Adelung: vom ehrlichen zum unehrlichen Handel / Pfeifer: 'Betrug' > 'Handel'

    • sachlich zweifellos möglich, auch logisch? Wie erklärt sich dann das äu?

      • mnl. uu > ui = mhd. ū > au,
        aber mhd. iu kann sein

        • Umlaut wie lauten / läuten

          • Dann müsste täuschen sein

            • Faktitiv von tauschen oder

            • Rückbildung aus mhd. tūsch, Pl. tiusche 'Tausch'

        • ursprünglich wie neu, mda. nau.

          • zwei Varianten mit sekundärer Bedeutungsdifferenzierung wie beten / bitten

  • tauschen ≠ täuschen

    • Obwohl nur Adelung und Pfeifer ausdrücklich eine Gleichheit annehmen, hat das Gegenteil keiner behauptet.

    • Die anderen hätten zwei Wurzeln nennen müssen, von denen tauschen und täuschen abgeleitet sein könnten.

  • vertuschen 'verheimlichen' / toucher > tuschen 'färben' > 'schönfärben'

    • führen beide auf 'falsch spielen, mogeln'

    • Dann müsste man aber !vertṻ/ūschen, nicht vertŭschen erwarten.

  • zwischen

    • Tauschen und täuschen lässt sich verstehen als Interaktion "zwischen" Menschen.

    • mnd. tuschen, mhd. züschen 'zwischen' mit gerundetem i nach Labial wie in fimf > fünf.

      • als Fremdwort übernommen mit t und sekundärer Dehnung:

        • vgl. Tau 'Seil', mhd. zawa 'Zuggarn' :: engl. thousand, dt. tausend.

        • tṻschen > tiuschen > täuschen

          • > mdt. tūschen > tauschen

          sekundäre Bedeutungsdifferenzierung

      • mda. Analogiebildung dauschen nach mdt. dausend = obd., hdt. tausend'

Erklärung

  • < zwischen

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Aktuell: 28.08.2021