Diskussion Töle

Befund | Theorien | Diskussion | Erklärung

Befund

  • mnd. teve 403, tō 405 'Hündin'

    • ndt. tewe 'Hund' 288, 307

    • *tōhila > Töle

  • ahd. zōha, zoka

    • mhd. zōhe

      • änhd. Zohe

        • zauche, zauke

        • zock, zocke

        • zaub, zaup, zupp, zoufe, zaubel

        • zopp, zöpp

Theorien

  • Morhof, Daniel Georg: Unterricht Von Der Teutschen Sprache und Poesie (1682) 150

    • das Griechiſche ϑῆλυ, femininum, und das teutſche thoͤle bedeutend canem ſexus feminini [weiblicher Hund]

  • DWB (1954)

    • ZOHE, f., hündin, ahd. zôha ..., auch zoka 'canicula' ..., mhd. zôhe...; mnd. tô ...; neuisl. tôa füchsin

    • in den mundarten dafür formen mit au. zauche bair....; schwäb....; schles. ...; zaugg ...; zauke kärnt. ...; schles. ...

    • mit labialem stammauslaut, mitteld.: ostfr. dsaub ...; schwäb. (fränk.?) zaup ...; elsäss. zupp, zaup ...; westerwäld. zaubel ...; waldeck. tsoufə ...; zaupe 'mutterhund' ...

    • mit kurzem vocal: preusz. zock, zocke u. ä. ...; in Fulda zopp ...; henneb. zöpp ... vielleicht hierzu tache ...

    • die bedeutung ist durchweg 'läufische hündin', 'mutterhund' und dann 'liederliches weib'. wahrscheinlich zu ziehen, wie in zucht und züchten...;

    • doch ist bei zuche u. ä. in Preuszen übernahme von oder anlehnung an poln. suka nicht ausgeschlossen ..., vgl. auch bei zoche.

    • das wort ist in der form zohe schon früh verschwunden, länger hielt sich zohensohn, ahd. zagensun ...; mhd. zohensun ... als gemeines, von der obrigkeit verpöntes schimpfwort. schon im 18. jh. wurde dies fälschlich als 'schweinesohn' verstanden ...

  • Pfeifer (1995 / 2005)

    • Etymologie Töle · Zohe Töle f. ‘Hund, Köter’, aus nd. Mundarten in die (vorwiegend n-dt.) Literatursprache eingedrungen (Mitte 17. Jh.).

    • Herkunft ungewiß. Vielleicht ist nd. Tȫl(e) ‘Hündin’ als Deminutivum (asächs. *tōhila) aufzufassen. Vgl. mnd. tō ‘Hündin’ und die hd. Entsprechung (landschaftlich, besonders südwestd.) Zohe f. ‘Hündin’, ahd. zōha (9. Jh.), mhd. zōhe,

    • das, wenn eigentlich ‘weibliches Zuchttier’, ablautend zu dem unter ↗ziehen (s. d.) behandelten Verb im Sinne von ‘aufziehen’ gebildet sein könnte.

  • TH 2019

    • zu Schweiz zaueln, zauern 'bellen, schimpfen'

    • zu Dogge

    • mnd. tike 'Hündin'

      Variante tíbô f. Hündin.

      • ags. tife f. Hündin (engl. tib Metze ['Hure'], tib-cat Katze), mundartl. tib Kosename für Kalb, Lockruf (Schaf), mnd. teve Hündin, Metze, ndl. teef, hess. ziwwe.

      • Verwandt dän. tispe, schwed., mundartl. tispa Hündin, Füchsin, Metze, norw. mundartl. tispa kleines Mädchen (umgestellt aus tips-? Vgl. schwed. mundartl. täfsa Hündin). Vgl. mhd. zûpe Hündin (s. tauhô), und an. tîk (s. tikô). 89

Diskussion

  • Die Vielfalt der Formen lässt an ein Schallwort denken wie wau, gauzen, griech, baúzein = zaueln, zauern (lautmalend) 'bellen, schimpfen'

    • lässt sich lautlich nicht mit Zohe vereinbaren

  • zu ziehen, Zucht, züchten

    • "'läufische hündin', 'mutterhund' und dann 'liederliches weib'" weisen nicht auf "Zucht".

      • Die läufige Hündin reißt aus und sucht sich selbst einen Rüden.

      • Vgl. englisch bitch 'Hündin, Hure'

    • Eine reguläre Hundezucht gibt es erst seit 18b".

    • Bei der Zucht von Nutztieren werden die ungeeigneten Männchen geschlachtet oder kastriert. Dafür gibt es spezielle Bezeichnungen (Wallach, Hammel, Barg, Ochse, Kapaun). Brünstige Weibchen werden zum separat gehaltenen Männchen geführt. Das unkastrierte Männchen trägt den regulären Namen (Hengst, Widder, Eber, Stier, Hahn). Jedes Weibchen kann Junge bekommen und trägt den allgemeinen weiblichen Namen (Stute, Aue, Sau, Kuh, Henne). Eigene Ausdrücke für zur Zucht geeignete oder ungeeignete Weibchen gibt es nicht.

    "Ziehen, Zucht" als 'Züchtung' passt sachlich nicht.

    • 'Zughund' geht lautlich nur mit Zohe (ahd. au > ō vor h §45)

    • Zauche, zocke / zaup, zopp lassen sich nicht mit ziehen / zog vereinbaren.

      • Hundename Socke , slaw. suka 'Hund'

  • Zohe zu Dogge / mnd. tike 'Hündin'

    • zu noach. *tˢ¤ɢ- 'Raubtier' mit vielen Varianten, wie bei Zohe.

    • Das vermeintlich lange ō bei Zohe kann seine Länge vom germ. h < k haben, das zwischen Vokalen verstummt ist, daher mnd. tō; nisl. tóa.

    • Töle < *tohila

    • mnd. tike 'Hündin' scheint wegen i-k nicht zu passen.

  • Lautentwicklung:

    • tō, zohe, zauche, zauke - zock, zocke < *tüħ- mit Verschärfung

    • zaub, zaubel, zaup, zoufe, zupp - zopp, zöpp < *tüħw(j)- mit Verschärfung

    gemeinsame Grundlage: *dauk- / *dŭk-

    • Preuß. zock / Fulda zopp , obd. zauche / ostfr. dsaub lassen aber an *-ɢ̌ denken.

  • Lassen sich teve < *tibo // tike lässt und zohe / zaup vereinbaren?

    • e < i kann Schwundstufe von *y = ei sein wie o < u Schwundstufe von ü = au ist.

    • Beide Diphthonge wechseln auf einer sehr frühen Stufe miteinander:

    • Dagegen spricht aber entschieden, dass germ. *tik- auch 'Schaf, Ziege, Kalb' bedeuten.

    • Wenn Zohe und Ziege zusammengehören, dann unter der Grundbedeutung 'Weibchen, Junges'.

Erklärung

  • japhet. *dÿɢ̌- 'Weibchen'

    • idg. *düɢ̌- 'Hündin'

      • *dauka > tō, zohe, zocke

      • *daupa > zaup, zopp

    • idg. *dyɢ̌- 'Weibchen, Junges'

      • *dīk- > tík, Ziege

      • *dīp- > tife, teve

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 06.12.2019