Diskussion traut

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Befund

  • Graff (1834-42) 5,471 TRÛD

    • trut- amicus 'Freund', dilectus 'geliebt', alumnus 'Zögling', puer 'Junge, Sohn'

    • gotes drut / gotes trut

    • // liab 'lieb'

    • Schreibung: regulär t, d bei Otfried und in einer Handschrift, th 2x

    • Otfried schreibt noch th, nicht d.

    • Auch trâgi wird einige Male mit d geschrieben.

Theorien

  • Adelung (1793-1801) 4,657

    • ohne Zweifel von 1 Trauen [heiraten, kopulieren]

    Kluge (1894) 380

    • unsicher, ob zu trauen, da ein entsprechendes Wort den germ. Dialekten mit der got. Konsonantenstufe fehlt.

      • d. h. Kluge kennt nur das dt. Wort und roman. Wörter auf dr-.

  • Kluge 2002

    • Da ahd. auch drūt bezeugt ist, kommt ein Anschluß an trauen, der sich semantisch nahelegen würde, nicht in Frage; allenfalls ist an eine sekundäre Beeinflussung der Bedeutung zu denken. Herkunft unklar. Vielleicht zu air. drúth "lüstern", air. drúth "Dirne".

      • Sean-Ghaeilge: drúth 'Witzbold, Trottel'

      • DIL (1973-75/ 2007) 252 mir.

        • drúth druith 'lüstern, unkeusch; Hure'

        • drúth, druith 'berufsmäßiger Spaßmacher, Dichter, Gelehrter; unzurechnungsfähiger Schwachsinniger'

Diskussion

  • Da hd. tr- < tr- und dr-, gab es Schreibunsicherheiten.

    • bei tr-/ drut eher Dissmilation

  • Die Bedeutung 'lieb' ist durch die Belege bei Graff gesichert.

    • Die in Namen ebenfalls möglichen Bedeutungen 'stark' und 'Zauberin' ergibt sich nicht aus dem von Graff angeführten Zusammenhang.

  • außerdeutsche Parallelen:

    • aengl. drút 'Geliebte' Hall 89, nur 1 Beleg, kann Fremdwort sein

    • mnl. I. 11° drut, thrut 'Freund' (nur godes drut, 13x), II. 11b" drut 'geliebt, lieb' (1x)

      • godes drut = Otfrieds gotes drut

    • afrz. dru, drut, drue, dreu 'Freund/in, vertraut, liebend, geliebt; treu; stark, wohlgenährt; blühend, reich', Adv. 'in Massen' Greimas 199

  • Pokorny (1959/2002) unterscheidet:

    • deru- Baum

      • 214

        • aind. ध्रुव dhruvá 'beharrend, feststehend, beständig, bestimmt, gewiss, Polarstern, Art Opferlöffel' = ab. dr(u)vō , apers. duruva 'gesund, heil'

      • 215

        • air. 'derb sicher'

        • gallorom. drūtos 'kräftig, üppig' (: lit drũtas), air. drúth 'närrisch' (: aisl. þrúðr 'Gaukler'?), cymr. drud 'närrisch, tapfer'

      • 216

        • (treu, trauen)

        • npers. durušt 'hart, stark', durust 'gesund, ganz'

        • aisl. þrúðr 'Gaukler', ags. trúð 'Spaßmacher, Trompeter'

          • anord. trúðr 'Gaukler' Baetke 669 neben aengl. ðrúðhorn Hall 364 = truðhorn Hall 349 (Dissimilation)

      • 217 balt. drūta- 'stark'..., lit. drū́tas, driū́tas 'stark, dick', auch drū́ktas

    • (s)ter- 'starr, steif...'

      • 1027

        • nhd. Strauß = mengl. strút 'das Schwellen, Streit'

        • aisl. þrútinn 'geschwollen', þrútna 'schwellen, auch vor Hochmut', þroti 'Anschwellung', ags. ðrútian 'vor Hochmut oder Zorn schwellen'

        • mir. trot, nir. troid 'Streit'... cymr. trythu 'schwellen', thrytill 'wollüstig'

    • tr-eu-d 'quetschen, stoßen, drücken'

      • 1095

        • cymr. trythu 'schwellen', thrytill 'wollüstig' (daraus mir. treitell 'Liebling')

      • 1096

        • aisl. þreyta 'Kraft aufwenden, aushalten, ermüden'

  • Klärung:

    • Phonetisch:

      • deutsch traut < germ. *trūðaż < idg. *drūtos ist unanfechtbar.

      • Die deutschen und germ. Formen mit d erklären als

        • Dissimilation

        • eingelautete Fremdwörter.

    • Semantisch:

      • Traut lässt erklären als 'stark, fest > zuverlässig > kameradschaftlich > lieb'

      • da nicht gemeingermanisch, eher < keltisch

      • Die cymr. Sonderbedeutungen erklären sich als

        • 'stark'

          • > 'tapfer'

            • 'tollkühn' > 'verrückt'

          • > 'stolz'

          • > streng, ernst, eifrig'

          • > 'zornig, heftig, gewalttätig'

      • Schwieriger sind die ir. Sonderbedeutungen drúth:

        • air. 'Witzbold, Trottel' > mir. 'berufsmäßiger Spaßmacher, Dichter, Gelehrter; unzurechnungsfähiger Schwachsinniger'

          • Die Bedeutungen weisen eher auf Druide, dessen d im Gael. und Brit. zum Reibelaut (dh, dd, z) geworden ist.

          • Was in alter Zeit ein angesehener Priester- und Gelehrtenstand war, verkam in späterer Zeit, daher 'Gelehrter, Dichter > Clown, Trottel'.

        • 'lüstern, unkeusch; Hure'

          • 'lieb > Liebchen > Hure', also 'unkeusch'

Erklärung

  • traut < kelt. *drūtos

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 28.08.2021