Diskussion Tuch

Befund | Theorien | Diskussion | Erklärung

Befund

  • sgerm. *dōk 'Tuch'

    • anord. 'dukr (Hand-, Tisch-, Leichen-) Tuch' 95

    • afries. dōk 'Tuch, Binde' 16

    • anl. 11b" FaN Doec

    • and. 9/10" -dōk 'Tuch' 21,1448 f

    • ahd. 8" 1471 tuoh 'Stück Stoff, Hülle, Lappen' 321

      • nhd. Tuch 'Stück Gewebe'

    • it. tocca 'Seidenstoff, Flor' 727

Theorien

  • Adelung (1793-1801) 4,714

    • Wachter leitete dieses Wort von tegere, decken, her, wovon auch Toga abstammet,

    • Frisch aber von Tunica, (im Dän. ist auch Dung, Tuch).

    • Beyde Ableitungen haben ihre Wahrscheinlichkeit, erschöpfen aber das Ganze nicht. Es scheinet vielmehr, daß sich zufälliger Weise zwey verschiedene gleichlautende Wörter in unserm Tuch vereiniget haben;

      • Eines, welches mit Decke, tegere, Toga, Tunica, Eines Geschlechtes ist, und wohin unser Tuch in der dritten Bedeutung, das Niedersächsische Dook, ein Tuch, döken und doken, mit einem Tuche bedecken, und das Hebr. דק [doq], Tuch, Decke, Vorhang, gehören, (S. auch Zeug,)

        • hbr. דק doq nur bei Jes. 40,22 'Zeltplane' als Bild für den Himmel

    • und Eines, welches ein dickes, derbes und festes Gewebe bedeutet. Von dem letztern findet sich das Zeitwort noch bey dem Ottfried, wo duachen, constipare, comprimere, filzen, und giduahit, verfilzt ist, welches das Stammwort unseres Tuch in der ersten Bedeutung, und ein Verwandter von dick zu seyn scheint.

  • Grimm 21,1448 f (1952, keine Erklärung)

    • nur kontinentalwgerm., zunächst hd.,

    • got. stattdessen fana;

    • an. u. englisch erscheint das wort erst später als lehnwort (s. u.);

    • ahd. tuoch; die alte monophthongische form noch in kelatoh ahd. gl. 1, 211, 37 St.-S.;

    • alts. nur in hullidôk teristrum Wadstein 73 (10./11. jh.); das von Gallée vorstud. zu e. altnd. wb. 46 u. 416 angeführte simplex dôk ist nur erschlossen. auffallend ist es, dasz der Helianddichter das wort meidet und statt dessen uuad und lakan gebraucht (s. u. I A 1 a).

    • altfries. dôk,

    • mhd. tuoch (mfränk. u. rheinfränk. doich, dūch);

    • mnd. dôk, auch in hantdok mappula ahd. gl. 3, 717, 7 (12. jh.);

    • mnl. doec;

    • aus dem nd. (oder fries. nach Wadstein fries. lehnw. i. nord. 8) in die skandinav. sprachen und (über diese?) ins engl. übernommen: aisl. dúkr, s. Fischer lehnw. d. altwestnord. (1909) 28; isl. dukur, norw. duk, schwed. duk, dok, dän. dug (Blöndal 145, Torp nynorsk etym. ordbok 77a, Hellquist3 148. 161); engl. duck, s. Murray lit. D, 700 (seit dem 17. jh.), der für das engl. entlehnung aus dem holländischen annimmt;

    • hierher auch über das langobardische ital. tocca seidenstoff, schleier, kopftuch, vgl. Meyer-lübke nr. 8765a; Gamillscheg Rom. Germ. 2, 165 f.

    • die etymologische anknüpfung an altind. dhvajá, m. (n.), 'fahne, erkennungszeichen', die vielfach angenommen wird, ist zwar lautlich möglich, aber wegen der merkwürdig isolierten stellung beider wörter wenig glaubhaft, s. Walde-Pokorny 1, 869.

Diskussion

  • zu lat. tegere 'decken', toga 'Decke'

    • Die hdt. Form von toga ist Dach

    • als LW wäre germ. *tuḡ / -ō- (Lautersatz für ŏ) zu erwarten.

      • Da Anfangsbetonung, stimmlos *tōħ > ahd. tuoh

        • falsch ins Nwgerm. übertragen dōk.

      • <>

        • toga war kein "Tuch", sondern ein Umhang.

        • Die Toga spielte seit dem 2" Jh. in den Provinzen keine Rolle mehr. Toga – Wikipedia

        • Eine Übernahme vor der 2. Lautverschiebung hätte z- ergeben

  • zu Zeug 'Stoff'

    • wegen des z- unmöglich.

    • Die Bedeutung 'Stoff' hat sich erst spät ergeben.

  • Alternativen:

    • zu tauchen, d.h. in Farbe tauchen, färben

      • hat nwgerm. d-, hd. t-.

      • Aber der Vokal passt nicht (hdt. Ablaut ū / ou / o, ndt. ū / ō, unregelmäßig) Pfeifer 1517

      • Herkunft ebenfalls unklar

    • zu taugen, griech. τεύχειν teúkʰein 'herstellen, verursachen', τεῦχος teûkʰos 'Rüstzeug, Rüstung, Waffen; Schiffsgerät; Gefäß; Band, Buch'

      • germ. d-, hdt. d-; regelmäßiger Ablaut eu / au- / u

        • Tuch hat aber ō > uo > u

      • Bedeutung hier evtl. 'Zeug, Produkt'.

    • ein hunnisches Wort?

      • atürk. toqï, toqu 'schlagen, einschlagen, errichten, treffen, stampfen; weben' 372

        • Beim Weben wird der neue Schussfaden an das fertige Gewebe "angeschlagen".

      • türk. doku, dokuma 'Gewebe' 128

      • Nach Databases ist TVKV ein boreanisches (= adam.) Wort für 'weben', zu dem auch japhet. *tëć- 'Zweige zusammenstecken, flechten > anfertigen' gehört.

        • <> das atürk. Wort bedeutet in erster Linie 'schlagen'.

        • Auffallend ist die Parallele zum Slawischen:

          • atürk. toqï, toqu 'schlagen, einschlagen, errichten, treffen, stampfen; weben' 372

          • aruss. тъкати tŭkati 'weben', gehört zu ткнуть tknutĭ 'stecken, stoßen' 3,109

        • Atürk. und Aslaw. sind  etwa gleichzeitig, es handelt sich also nicht um Entlehnungen, vielmehr um gemeinsames Erbe.

      • Das nwgerm. dōk lässt sich nicht mit slaw. *tŭk- vereinbaren, wohl aber mit atürk. toqï, toqu. Das Atürk. hat kein t- im Anlaut und bei den Suffixen wechseln ohne erkennbare Regel im Anlaut t- und d. 51.54f  Beide Konsonanten sind also wohl stellungsbedingte Varianten desselben Phonems. Deshalb kann ein hunnisches Wort für 'Gewebe' sowohl mit t als auch mit d übernommen sein.

      • Was könnte ein hunnisches Wort bezeichnet haben? Was hatten die Hunnen, was die Germanen nicht kannten? Pferdedecke? Zeltplane? Besonderes Kleidungsstück?

      • nicht unmöglich und würde passen. Aber unwahtrscheinlich.

Erklärung

  • ???

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 10.02.2019