Diskussion Wermut

Befund | Theorien | Diskussion | Erklärung

Befund

  • Pfeifer (1995 / 2005)

    • Wermut m. nur westgerm.: ahd. wer(i)muota f. (8. Jh.), wermuot m. (Hs. 12. Jh.), mhd. wermuot(e), wermüete f., mnd. wermōde, wermede f., asächs. wermōda f., mnl. wermoede f., aengl. wermōd, wormōd m.

  • Trivialnnamen

    • griech. ἀλόη ὀξίνης alóē oxínēs 30:

      • Alahsan (althochdeutsch), Als(e/n) (mittelhochdeutsch), Bittrer Aelz (Eifel, Altenahr), Alsa (Hessen an der unteren Schwalm bei Wabern), Alsam (Eifel), Alsem (Rhein, Eifel, mittelhochdeutsch), Alsen (mittelhochdeutsch), Alsey (mittelhochdeutsch), Alssem, Bitterals (Eifel), Els (mittelhochdeutsch), Else (Oberhessen), Elsene, Eltz (mittelhochdeutsch),

    • Wermut:

      • Märmöi (Altmark), Marmude (niederdeutsch), Vermoth, Wärmeden (Ruhla), Warmken, Wärmod (Altmark), Weramote (althochdeutsch), Werbmut (mittelhochdeutsch), Werenmut (mittelhochdeutsch), Werimuota, Wermede (Hessen), Wermet (Schweiz), Wermide, Wermoet (mittelhochdeutsch), Wermörte (mittelhochdeutsch), Wermoite (mittelniederdeutsch), Wermot (mittelniederdeutsch), Wermpten (Sachsen), Wermuda, Wermude, Wermuot, Weronmuth, Wermut, Wiegenkraut, Wiermerth (Siebenbürgen), Wiermuta (mittelhochdeutsch), Wörm (Holstein), Wörmd (Holstein), Wörmete (Hamburg), Wörmide, Wörmken (Hamburg, Holstein), Wörmö (Altmark), Wörmt (Mecklenburg), Wormiota (althochdeutsch), Wormken, (Unterweser, Göttingen), Wräömt (südliche Altmark), Wrämbk (Schleswig-Holstein), Wrämp (Schleswig-Holstein), Wrämt (Schleswig-Holstein), Wremp (Schleswig-Holstein) und Wurmet (Schweiz), Berzwurz, Biermersch (Siebenbürgen), Birmet (Wetterau), Fremata

    • Grabekraut (Schlesien), Hilligbitter (Bremen), Pardehan (Rendsburger Apotheke), Weige

Theorien

  • Adelung (1793-1801)

    • Der Wêrmuth, des -es, plur. car. der Nahme einer bekannten Pflanze von sehr bitterem Geschmacke, Absinthium Linn.

    • In einigen Oberdeutschen Gegenden Alssen, Alsen, Wiegenkraut. Im Niederd. lautet dieses Wort Wörmde, Warmke, Warmöge.

    • In beyden Mundarten ist der Bau dieses Wortes verunstaltet, daher Wachter es von Wärme, wegen seiner erwärmenden Kraft, und Popowitzsch, von wehren, und Mod, Made, Ungeziefer, ableitete.

    • Allein das Angelsächsische hilft uns auf die wahre Abstammung, indem es daselbst Wormwood, und Wyrmwyrt, d.i. Wurmkraut, lautet, weil dieses Kraut wegen seiner Bitterkeit schon sehr frühe als ein Gegenmittel gegen die Würmer, besonders im menschlichen Leibe, bekannt wurde.

    • Das Dänische Malurt, und Schwed. Malört kommen damit gleichfalls überein, von Mal, ein Wurm. In einigen Deutschen Provinzen wird es daher wirklich Wurmkraut genannt.

  • GrPflN (1870) 132

  • Kluge (1894) 403

  • DWB (1960)

    • die herkunft dieses westgerm. wortes ist dunkel ...

    • während die sprachliche einordnung des ersten bestandteils noch nicht befriedigend gelungen ist

      • - die zuweilen erwogene und von manchen formen, besonders der mundarten, nahegelegte zuordnung zu warm oder wurm hat sich nicht erweisen lassen -

    • sieht man im zweiten gemeinhin das auch in armut vorliegende westgerm. suffix -ōdi.

      • die tatsache, dasz das o der zweiten silbe nicht selten noch in glossen des 12./13. jhs. undiphthongiert erscheint, ist jedoch kein sicherer beweis dafür, dasz es sich um ein suffix und nicht um ein kompositionsglied handelt; denn im nebenton konnte o erhalten bleiben (s. Schatz ahd. gramm. § 25).

      • hingegen wird die annahme, dasz dasselbe suffix wie in armut (ahd. arm-uotī, f.) vorliegt, durch das ursprüngliche genus fem. gestützt, das noch im mhd. gebräuchlich ist, woneben formen anderen geschlechts vereinzelt und unsicher bezeugt sind (s. Wissmann bei Marzell a. a. o. und Diefenbach gloss. 5, 8).

  • FörstP (1856 / 1900) 1536

    • ... Werimod H. a. 853 (n. 87).

      Werimuot Gr. I 930.

      Wermut P. XIV 133 (vit. Adalber. ep. Wirzib.).

      Vermudu (so, fern.) Mun. a. 973 (s. 132).

      Ags. Wærmod.

      Nhd. Warmuth, Wennuth.

      • TH 2019: Wehr-Mut, aggressiv, bissig, daher die Pflanze

Diskussion

  • Die ältere Literatur hat sich festgebissen

    • an den volksetymologischen Anknüpfungen an

      • warm

      • Wurm

        • Aengl. wermód, wormód beweist gar nichts, denn wo- ist doch eher labialisiert unter Einfluss von w wie ahd. wehha > Woche.

    • und der Frage, ob

      • Wermut Stamm + Suffix

        • Dafür scheint das vom DWB betonte  Femininum zu sprechen,

        • auch der mhd. Umlaut wermüete (wie in ahd. armuotī 17 > mhd. Gen. fem. armüete 'Armut' )

        • Wermüete ist aber eher Pl. 'Wermutpflanzen', da mhd. muot Mut' auch den Pl. müete hat.

      • oder Zusammensetzung ist.

  • Nicht berücksichtigt ist der PN Werimod, Wermuot, Wermut, das man verstehen kann als Wehr-mut.

    • traditionell adjektivisch + Substantiv: 'wehrhafter Mut'

    • warum auch nicht Satzname wie Springinsfeld, Fürchtegott, die allerdings erst als Beinamen bezeugt sind? Mögliche Namen mit Verben im Vorderglied:

      • Giffrid 633 'gib Friede', Giffrod 634 'gib Rat'

      • also 'wehr dem Übermut'

    jedenfalls ein PN. Was ist an der Pflanze wehrhaft? Ihr bitterer Geschmack.

    • Das alte Fem. drückt wohl eine Bedeutungsdifferenzierung gegen über dem PN aus.

    • PN in Kräuternamen z. B. Barbarakraut, Damiana, Guter Heinrich, Johanniskraut

Erklärung

  • =  PN

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 28.08.2021