Diskussion Wiesbaum

Befund | Theorien | Diskussion | Erklärung

Befund

  • Grimm (1960) 29,1589f

    • wiesebaum, wiesbaum, m. , eine über ein fuder heu oder getreide zu legende stange, die an beiden enden festgebunden wird. mhd. wis(e)boum, mnd. wesebôm, mnl. weseboom, nl. weesboom. zufrühest (1. hälfte d. 13. jhs.) beim Stricker, um 1350 bei Konrad v. Megenberg bezeugt und seit dem 15. jh. über das gesamte sprachgebiet (bes. in weistümern) verbreitet.

    • nhd. allgemein in der fachliteratur geläufiger als die synonyma heubaum und bindebaum, nur gelegentlich in der schriftsprache, häufig dagegen in umgangssprachlichen wendungen.

Theorien und Diskussion

  • Grimm (1960) 29,1589f die herkunft des wortes ist unklar;

    • es ist nicht zu wiese zu stellen, obwohl es das sprachempfinden seit früher zeit damit verband; ...

    • [slawisch: grundsätzlich unwahrscheinlich, da im gesamten sgerm. Sprachbereich]

      • Adelung ..., der diese auffassung ablehnt, bringt das wort mit 'slavon. weslo, eine starke stange' zusammen, 'welches durch die form wieselbaum noch mehr bestätiget wird'.

        • TH = slowen. veslo 'Paddel', russ. весло vesló 'Ruder' < *ʊeƺʰslom 'Fahrbaum' < ʊëƺʰ # 'bewegen, fahren, Wagen, See' 1,192

      • Schmeller-Fr. ... erinnert an tschech. pavuz 'heubaum' von vůz 'wagen' ... und an »kärnt.« (= sloven.) vesa, vesilo 'band' von vesati 'binden' (l[ies]. veza, vezilo, vezati).

        • TH geht nicht wegen ż < ƺ

    • noch Schatz ... vermutet zweifelnd: 'zu wiese, oder zu ahd. wîsen leiten?'

      • TH = hdt. weisen, kommt auch sachlich nicht in Frage

    • eher ist wies-, wiss- ... zu einer idg. wz. eis- zu stellen, die in aisl. visir 'keim, sprosz', norw. langvise 'latte, die die spantenköpfe verbindet' vorliegt (... zu einer idg. wz. eis- 'stange').

      parallelen zur bedeutungsentwicklung 'schöszling' > 'stange' stellt Foerste ... zusammen (rahe, f., 'segelstange'; spiere, f., 'stange, mast' ...).

      • dabei ist nicht zu entscheiden, ob das bestimmungswort bereits die bedeutung 'baum, stange' angenommen hatte, die zs. also von vornherein verdeutlichende tautologie war,

        • TH

          • Pokorny 1133 1. ṷeis- 'sprießen, wachsen, wozu auch Wiese gehört.

          • unwahrscheinlich

      • oder ob wis-, ursprünglich 'gerte, binderute', erst im kompositum mit baum die den gröszeren gegenstand bezeichnende bed. 'bindebaum, heubaum' gewonnen hat.

        • TH

          • Pokorny 1133 2. ṷeis- 'drehen'; 'biegsame, flechtbare Ruten'

          • Der Wiesbaum ist vorne an einer Art Leiter befestigt und wird hinten durch eine Seilwinde heruntergezogen, sodass durch die Hebelwirkung das Ladegut heruntergedrückt wird. Bild Früher vielleicht auch vorn mitg einem Seil befestigt.

          • Die Erklärung als 'Binderute' geht an der Sache vorbei.

    • 'am einleuchtendsten' ... ist die von Nörrenberg vorgeschlagene herleitung aus einer idg. -ti-ableitung zur wz. edh- 'knüpfen, binden', die sich in got. gawiss 'band, verbindung' (der gelenke), diswiss 'auflösung', uswiss 'losgebunden' wiederfindet.

      • TH

        • entspricht dem Synonym Bindebaum.

        • Pokorny 1116 3. edh- 'knüpfen binden'

          • bedeutet nicht 'Knoten machen', sondern 'Joch, mit einem Strang am Joch befestigen'. Der Wiesbaum wird mit einem Zug- oder Tragejoch verglichen.

    • schwierigkeiten bereiten hierbei die völlige isoliertheit des bestimmungswortes im deutschen und das relativ späte auftreten von wort und sache...

      • TH Das "relativ späte Auftreten" hat nichts zu sagen, da sich die Gelehrten und Schriftsteller wohl nur selten mit dem Transport von Heu und Garben beschäftigt haben.

  • WEESBOOM - WNT

    • — WEZE(L)BOOM, WE(T)SBOOM, WISBOOM

      • Uit boom (I) en wees. Wat dit eerste lid van de samenst. betreft, zijn er verschillende verklaringen gegeven.

        • E. LIDÉN ... legt verband met wis (= ‘roede of twijg om te vlechten’); oorspr. legde men vlechtwerk om het hooi om het bijeen te houden.

        • V. GERWEN ... gaat uit van een grondvorm * wippa (wis = ‘lus, strik’)

        • terwijl H.L. BEZOEN ... verband legt met het hd. wiese (= ‘hooiland’ waarop de boom werd gebruikt).

        • J. STROOP ... gaat, vanwege den eveneens aangetroffen korten vorm wisboom, uit van een oorspronkelijken vorm wis (= ‘bundel hooi’...), waaruit zich onder invloed van wiese (= ‘weide’)

          • de langere vorm weesboom ontwikkelde (Overijssel, Drenthe en Utrecht),

          • terwijl in het verkortingsgebied O.-Brab. een jonge korte vorm wisboom, wesboom wordt aangetroffen.

          • Daarnaast treden er tertiaire vormen op als wezelboom, wezerboom, wierzeboom, wetsboom. ...

    • = weesboom / weze(l)boom, we(t)sboom, wisboom

      < boom + wees. Verschiedene Erklärungen zum ersten Glied:

      • E. Lidén: < wis 'Zweig zum Flechten'. Ursprünglich legte man Flechtwerk um das Heu, um es zusammenzuhalten.

        • TH aus der Etymologie erschlossen. Sachlich begründet?

      • V. Gerwen: Grundform *wippa  (wis 'Schlinge, Strick')

        • TH unverständlich

      • H.L. Bezoen: < Wiese, auf der die Stange benutzt wird.

        • TH unwahrscheinlich

      • J. Stroop: geht von der kurzen Form wisboom aus, < wĭs 'Bündel Heu', daraus unter Einfluss von Wiese:

        • weesboom

          • > verkürzt wis-, wesboom

            • > wezelboom, wezerboom, wierzeboom, wetsboom

        • TH

          • wĭs- > wīse- ist normale Dehnung in offener Silbe, kein Einfluss von Wiese, der es genauso ergangen ist.

          • 'Bündel Heu' ist ein Versuch, die Bedeutung 'binden' einzubringen. Aber das Heu wird nicht gebündelt, sondern lose aufgeladen.

  • Alternative TH 04.06.2016

    • als Gegenstück zur Langwied < *Wiedsbaum

      • Dann wäre !Wiedbaum zu erwarten. Geht nicht

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Aktuell: 10.02.2019