Diskussion wimmeln

Befund | Theorien | Diskussion | Klärung | Erklärung

Befund

  • wimmeln Vb. ‘sich lebhaft durcheinanderbewegen’, mhd. (vereinzelt) wimelen (vgl. auch nl. wemelen) steht mit iterativem l-Suffix zu ahd. wium(m)en (9. Jh.), wimmen (10. Jh.) ‘hervorsprudeln, -quellen (von Flüssigkeiten), voll sein, sich lebhaft bewegen’, mhd. (md.) wimmen ‘sich durcheinander hin und her bewegen’, das mit ahd. wimidōn (10. Jh.), wiumidōn, wimezzen, wamezzen (11. Jh.) ‘hervorsprudeln, voll sein, wimmeln’

Theorien

  • Adelung (1793-1801)

    • Anm. Im Nieders. wemmeln, wummeln, im Schwed. wimla, im Isländ. wamla. Schon die Form verräth ein Iterativum oder Intensivum eines längst veralteten Verbi, wimen, sich bewegen, wovon, obgleich nach andern Formen, auch Wimpel und Wimper abstammen. In den gemeinen Mundarten ist dafür auch wibeln üblich, welches ein ähnliches Iterativum von weben, bewegen, ist.

  • Kluge (1894) 407

  • DWB (1960) (1960)

    • wimmen, schw. v., 'sich schnell hin- und herbewegen', stammwort zu 1wimmeln v.; ursprünglich mehr 'wallen, sprudeln', vgl. ahd. wimjan scatere, ebullire, horrere Graff 1, 852; wimidôn, wimidjan, scatere, wimi scatebras (sprudelnde quelle) ebd.; wemôn fluitare 853; as. wemmian sprudeln; ursprünglich wohl ablautend, vgl. die unter 1wimmeln angeführten ableitungen und nebenformen. — wohl früh schon mit der bei wimmeln hervortretenden nebenvorstellung der fülle, des überflusses.

  • Pfeifer (1995 / 2005)

    • eine Gruppe ursprünglich wohl onomatopoetischer Verben bildet, die auf bewegungsintensive Vorgänge übertragen werden, z. B. auf das Durcheinander von Würmern (ahd.), von Ameisen, Flöhen, Läusen (16. Jh.), von Menschenmengen (18. Jh.).

  • Kluge (2013)

    • wimmeln Vsw std. (14. Jh.), spmhd. wimelen (selten) Stammwort. Iterativbildung zu mhd. wimmen "sich regen, bewegen", dessen weitere Herkunft unklar ist.

  • TH 04.2018

    • abklingend zu wiebeln

    • zu kommen, japhet. *ğëm- > pgerm. italoid *ʊëm- > germ. *wim-

    • zu  schwimmen

    • zu 4. seu- 'sieden, heftig bewegt sein' 914f

Diskussion

  • Adelung

    • isl. wamla

      • Ablaut e / o > germ. i / a

    • iter. / intens. < wimen

    • // wiebeln < weben

  • Kluge (1894)

    • reduplizierendes Präsens wiuman < we-wm-

      • Es gab kein reduplizierendes Präsens.

        • < Nomen? Vgl. wiwint 'Wirbelwind' 380

      • wiumen 'hervorsprudeln' 380 

    • eher anderer Stammvokal

  • DWB

    • ✳ablautend?

    • *wallen, sprudeln*

    • Nebenvorstellung der Fülle, des Überflusses

  • Pfeifer

    • onomatopoetisch, auf bewegungsintensive Vorgänge übertragen

  • Kluge (2013)

    • Iterativbildung zu mhd. wimmen "sich regen, bewegen", dessen weitere Herkunft unklar ist.

  • TH

    • abklingend zu wiebeln / kommen

      • unwahrscheinlich

    • Grundbedeutung 'sprudeln', nicht 'sich bewegen'

      • <? 1. u̯ei- 'drehen, biegen' 1120ff

        • mit dem Begriff der drehenden Bewegung isl. vīm, vīma 'Schwindel, Betäubung', norw. dial. veima 'taumeln, schwanken', nhd. hess. wīmeln 'wanken'

          • hess. wīmeln 'wanken' fehlt shess., obh., Nassau, Westerwald, Waldeck

        su̯ē̆(i)- 'biegen, drehen schwingen' 1041f

    • zu  schwimmen

      • Etymologie unbekannt

    • zu 4. seu- 'sieden, heftig bewegt sein' 914f

      • wenn *sëʊë-,

        • führt aschwed. sauþn 'Sprudelquelle' > 'sprudeln'

        • *sëʊë-m- > schwimmen

        • leniert *ʊë-m- > wimmeln 'sprudeln'

Klärung

  • Zusammenfassung:

    • Laut:

    • Bedeutung:

      • *wallen, sprudeln* (DWB)

    • Herkunft:

      • onomatopoetisch (Pfeifer) bzw. Lautgeste

      • sonst keine Auskunft

      • *sëʊë- 'sieden > schwimmen. wimmeln' (TH)

Erklärung

  • < *sëʊë- 'sieden > schwimmen. wimmeln'

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 10.02.2019