Diskussion Ziege

Befund | Theorien | Diskussion | Erklärung

Befund

  • ägäisch *diɢ- 'Ziege' 222

    • aarm. տիկ tik 'Schlauch' 210 neu (für Milchproduke) 576, (aus Ziegenbalg, Bild)

    • vgriech. *digja > Hesych <δίζα>· αἴξ. †Λάκωνες = lakonisch díza 'Ziege'

    • thrak. PN Διζα-τελμις Diza-telmis

      • falsch

        • diza- ist 'Burg'

        • telmis = griech. telmis 'Sumpf' 1018

        • daher kein PN, sondern ON.


  • germ. *tik- 'Weibchen'? 222

    • anord. tík 'Hündin' 851

      • norw. Dial.

        • tikka 'Schaf'

        • tiksa 'Schaf, Hündin'

        • Dim. tikla 'Lamm, Kalb'

    • aengl. ticcen 'Zicklein' 340

    • mnd. tike 'Hündin' 404

    • ahd. ziga 'Ziege, Ziegenbock' 388

      • mhd. zige 'Ziege' 3,1109

        • nhd. Ziege 'ein Wiederkäuer'

Theorien

  • Kluge (1894) 417

    • ... neben got. gait- 'Geiß' wäre ein abgelautetes *gitô-, mit Konsonantenvertauschung *tigô möglich. Und diese Form muß einmal in vorhistorischer Zeit auch sonst gegolten haben, wie die Diminutivform angls. tiččen = ahd. zicchî ... und das durch Konsonantentausch daraus entstandne kittîn = ahd. chizzî beweist.

  • Grimm (1956) 31,989f

    • danach besteht die...  grundbedeutung junge ziege zu recht, und nun begreift sich der gesamtvorgang:

      • anfangs ziga junge ziege neben geisz mutterziege, danach, zum namen des mutterthiers geworden, obsiegt z. im ostmd. und, durch wirtschaftliche verhältnisse unterstützt, im nd. gebiet,

      • musz aber zuletzt vor dem jüngsten, wieder aus einem kosewort erwachsenen ausdruck für die mutterziege, zicke, im ostmd. theilbezirk zurückweichen;

      • im obd. unterliegend, kann das wort z. doch dem siegreichen geisz seine spröszlinge zicklein, zickel, zickelchen als benennung des lamms in einem grenzstreifen unterschieben;

      • das obd. hauptgebiet dagegen bleibt diesen verschlossen, da hier schon durch kitz, kitze, n., kitzlein ... für den namen des lammes gesorgt ist.

    • etymologisch ist z. über sein kosewort ahd. zickîn, ags. ticcen mit norw. dial. tikka mutterschaf und weiter doch wohl mit mnd. tîke, neunord. tik, altn. tîk hündin, woraus engl. tike köter, zu verbinden.

    • ein parallelfall zum bedeutungsübergang liegt bei zibbe ['Weibchen']... vor;

    • auszerhalb des germ. läszt sich wohl armen. tik schlauch (eig. ziegenfell), alban. δι ziege, griech. dial. δίζα ziege (< *διγjα) heranziehen. der lenisstand des gutturals in ahd. ziga macht bei diesem ansatz schwierigkeit.

  • Pfeifer (1995 / 2005) 1607

    • < idg. *dig(h)-

  • DEt (2001) 947

    • ... oder aber eine unabhängige Bildung aus einem Lockruf.

  • Kluge 2002

    • Für die Etymologie gibt es zwei Möglichkeiten, die sich ohne Zusatzannahmen ausschließen:

      • Es gibt eine griechische Glosse, die gr. díza (= *dig-jə) als Bezeichnung der Ziege in der lakonischen Mundart angibt - dies wäre eine genaue semantische Übereinstimmung; aber der Auslaut stimmt nicht ganz, und die Überlieferung beruht auf einer einzigen Glossenstelle (gegebenenfalls noch arm. tik "Schlauch").

      • Die andere Möglichkeit ist, von germanischen Bezeichnungen für (weibliche) Haustiere auszugehen (wie anord. tík "Hündin", entsprechend ne. [dial.] tike, mndd. tike) und anzunehmen, daß "Ziege" eine Bedeutungsspezialisierung ist. Auch in diesem Fall stimmt der Auslaut nicht ganz.

Diskussion

  • Konsonantenvertauschung (Kluge (1894)

    • Metathese zweier Verschlusslaute (lat. acetum > got. akeit / Ⓜ > *atik > Essig 1,119)

      • also möglich, aber nicht wahrscheinlich, da Kitz neben Geiß erst mal anders erklärt werden muss.

  • japhet. *diɢ- 'Ziege' (Grimm)

    • Da die armen. Bedeutung abweicht, ist nur das Lexikonwort díza beweiskräftig, und das ist eine schwache Basis.

    • Grimms Einwand "der lenisstand des gutturals in ahd. ziga macht bei diesem ansatz schwierigkeit" lässt sich entschärfen, wenn man annimmt, dass ahd. ziga aus dem Dim. zikkî rückgebildet ist. Dessen kk kann zu wgerm. *tikja führen (Verdopplung vor j, 1,104), besser *tikkîna (spontane Verdopplung bei Tierbezeichnungen, 1,122)

  • oder < Lockruf DEt

    • Grimm (1873) 867f: Lock- und Scheuchruf kitz

      • kätz, kitz (Katze) ("Quetschlaut" ist lautgesetzlich vor i)

      • Scheuchlaut = shess kscht!

    • shess häpp (Lockruf für Ziegen)

      • < sgerm *ħaƀja 'junge Ziege'

    • Andere Zurufe haben nichts mit dem Tiernamen zu tun, haben aber ammensprachliche Tiernamen ergeben (wulle wulle > Wullegans)

      • also möglich

  • < oder germ. *tik 'Weibchen'? (Kluge 2002)

    • führt nur auf eine gemeinsame Vorstufe dieser Wörter, erklärt aber nichts.

  • Alternative TH 15.03.2016

    • pgerm. < vgerm. *tek- 'zeugen, gebären', griech. τέκος tékos 'Kind' 1057

      • dann wäre *tekis 'Gebärerin, Muttertier' (Nomen agentis 2,65) > tik 'Hündin'

  • Es muss aber bedacht werden:

    • noach. *śτëκ- 'stechen'

      passt nicht zu den vielen Bedeutungen des germ. Wortes: 'Schaf, Ziege, Kalb, Hündin'
      Auch das Grundwort von Bock ist nicht eindeutig.

Erklärung

  • 'Weibchen, Junges' passt besser.

  • wegen *tibo // tike ≙ zohe / zupp < *tÿǩ-

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 04.05.2019