Diskussion Degen

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Befund

  • fnhd. 1430 degen :: swert, messer

    • > nhd. Haudegen war das Gegenteil von Stoßdegen, später verstanden als 'draufgängerischer Kämpfer' ("Hau mit dem Degen" oder als Besitzer einer solchen Waffe, vgl. Spieß 'Feldwebel').

  • Der leichte Degen ersetzte zu Beginn der Neuzeit das schwere ritterliche Schwert. Er war als militärische Waffe noch im wilhelminischen Kaiserreich üblich.
    Die Sportwaffe ist daraus weiterentwickelt.

 

Theorien

  • Adelung (1793-1801) Degen

    • Dag, Dacke, bedeutete ehedem, so wohl im Deutschen, als in den verwandten Mundarten, eine Spitze, ein zugespitztes Ding, wie unter andern auch aus dem Hochdeutschen Zacke, Nieders. Tacke erhellet.

      • Dag, Dacke ist nicht nachzuweisen.

    • Dagues de cerf sind im Franz. die Zacken oder Spitzen an den Hirschgeweihen;

    • Dague aber bedeutet in eben dieser Sprache, so wie das Ital. Daga, Schwed. Daggert, und Engl. Dagger, einen Dolch.

    • Das Griech. θƞγα, mit einer Spitze versehen, und das Hebr. דקר, durchstechen, kommen mit diesem Worte in dem Hauptbegriffe überein.

  • DWB (1860) Degen

    • Degen = daga, so auch auch Kluge (1894) 37; Pfeifer (1995 / 2005) ; Kluge (2013)

    • ... 9. an den seidenhaspeln ein hölzernes lineal, das mit einem ende in dem laufrädchen steckt, am andern aber beweglich ist und dazu dient, dasz die faden auf dem haspel nebeneinander, nicht übereinander kommen. es heiszt auch der laufstock.

    • in der Schweiz das kerbholz beim verzehnten des weins Stalder 1, 274.

Diskussion

  • Ein Degen ist kein Dolch, sondern ein leichtes Schwert mit schmaler Klinge.

  • Im Span., It., Frz. (> Engl.), Poln. wird der Degen nicht mit der Entsprechung von daga 'Dolch' benannt, sondern von spatha 'Schwert'.

  • Dass die ältesten Belege 'Dolch' bedeuten, ist nicht ausgemacht. Lexer|:

    • swert, messer, degen Np. 53 Mone z. 7,17 (1430) (klingt nach Unterscheidung)

    • degen, trusile Voc. 1470 ≠ stechmezzer, cluniculus, trusorium Voc. 1482

      • trusile 'Stechmesser' 600, cluniculus 'Schwert, Messer' 128, trusorium 'Pfahl' 600

  • Alternative: zu apreuß. digno (gehilcz) 'hölzernes Gefäß oder Heft des Degens' 30

    • mhd. hilze 'Schwertgriff'

    • Pokorny: zu *dhēigʷ- : *dhōigʷ- : *dhīgʷ- 'stechen, stecken, festsetzen'

      • "wie nhd. Heft Schwertgriff', d. h. worin die Klinge eingeheftet ist, zu heften'"

      • oder pars pro toto, vgl. Speer 'Stange > Stichwaffe'

      • oder Bedeutungsentwicklung wie bei Knüppel > Schwert

        • Dann könnte digno = lat. lignum sein, vgl. ɖ = d oder l (spielt hier keine Rolle)

        • "Hölzern" ist Interpretation. Anders als z. B. bei der Axt hat die Blankwaffe keinen extra Holzstiel, sondern einen mit der Klinge verbundenen eisernen Griff, der mit organischem Material verkleidet wird.

      • War die Besonderheit des Degens der verbesserte Griff mit Bügel? Dafür könnte das apreuß. Wort Pate gestanden haben.

        • ndt. i > e (Flieder 'Holunder'  > Fleder)

  • Dagegen spricht aber die alte Schreibung dägen.

    • ein umgelautetes Adjektiv wie Gold / gülden?

      • also dägin 'dolchartig' (Vergleichspunkt: zum Stechen, nicht zum Hauen), lat.-rom. Suffix wie palatium 'Residenz' > palatinus 'königlicher Beamter'

      • Die naheliegende Diminutiv-Endung -in passt nicht, da der Degen länger ist als der Dolch.

Erklärung

  • dolchartig

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 28.08.2021