Diskussion Metall

Befund

  • μεταλλεύειν metalleúein: Sprachgebrauch der Septuaginta

    • zu μέταλλον métallon 'graben nach'

      • Deut 8,9 καὶ ἐκ τῶν ὀρέων αὐτῆς μεταλλεύσεις χαλκόν
        et de montibus eius aeris metalla fodiuntur

      'untergraben und einstürzen lassen'

      • Wsh 4,12 ῥεμβασμὸς ἐπιθυμίας μεταλλεύει νοῦν ἄκακον.
        inconstantia concupiscentiae transvertit sensum sine malitia ('verwandelt')

    • = μεταλάσσειν metalássein 'vertauschen, verwandeln'

      • Wsh 16.25 διὰ τοῦτο καὶ τότε εἰς πάντα μεταλλευομένη
        in omnia transfigurata

  • Hesych:

    • <μεταλλᾶν>· ἐρευνᾶν, ζητεῖν, ἐρωτᾶν = metallân 'forschen, suchen, fragen'
    • <μεταλλεῖς>· τῶν μυρμήκων τινὲς οὕτω καλοῦνται = metalleîs 'so nennt man eine Ameisenart'
    • <μεταλλεύει>· ζητεῖ. ὀρύσσει, ἀνασκάπτει = metalleúei 'sucht; gräbt, gräbt aus'

    • <μέταλλος> λίθος = métallos 'Stein'

  • Pape (1842) 2,149

    • μέτ-αλλον, τό (vgl. μεταλλάω, also eigentl. das Durchsuchen, der Ort wo man sucht und das Gesuchte selbst, vgl. Buttm. Lexil. I p. 140), Bergwerke, Gruben, in denen man nach Erz, Metallen, Steinen u. vgl. sucht; Her. 5, 17; χρύσεα μέταλλα, Goldgruben, 6, 46 (wie Thuc. 1, 100); auch ἁλὸς μέταλλον, Salzgrube, 4, 185; λευκοῦ λίϑου, Strab. XIII, 1, öfter; ἀργύρεια, Silberbergwerke, Thuc. 2, 55; Plut. Them. 4; μέταλλα ὅλα χρυσίου, Luc. Gall. 6. Auch übh. Minen, ἤρξατο πολιορκῶν διὰ τῶν μετάλλων, Pol. 16, 11, 2. – Sp. auch das in den Gruben Gefundene, das Ausgegrabene, bes. Erz, Metall.
    • μεταλλεῖον, τό, das Metall, Plat. Legg. III, 678 d, σίδηρος καὶ χαλκὸς καὶ πάντα τὰ μεταλλεῖα
    • μεταλλεύς, ὁ, wie μεταλλευτής, der Bergmann; Plat. Legg. III, 678 d; D. Sic. 20, 94 u. A.
    • μεταλλεύω, in der Erde nach Wasser, Erzen, Metallen graben, suchen, Bergbau treiben und dabei ausgraben, ὁπόσα μεταλλεύεται Plat. Polit. 288 d, Sp., wie Luc. Cont. 11; Minen graben, D. Sic. 18, 70 u. a. Sp.; bei Polyaen. 2, 1, 26 = Einen zur Bergwerksarbeit verurtheilen; übh. = untersuchen, ausforschen, vgl. μεταλλάω, die VLL. erkl. ζητῶ, ερευνῶ; – τῷ τί μεταλλεύεις τοῦτον μυχόν, Leon. Al. 30 (VI, 302).

Theorien

  • Adelung (1793-1801) 3,192

    • Anm. Es stammet mit dem Lat. Metallum aus dem Griech. metallon, dieß aber aus dem Hebr. מטיל, Metil, Metall, her. Eustathius und Plinius hatten die Grille, daß es von μετα und αλλος abstamme, ob sie gleich verschiedene Ursachen davon angeben. Es ist sehr wahrscheinlich, daß der Begriff der Masse, des Zusammenhanges, der Geschmeidigkeit, und Schwere, der Stammbegriff in diesem Worte ist, so daß es zu Materie, Masse, 2. und 4. Matz, und 4. Matte gehöret. Die Endsylbe -all, im Hebr. -il, kommt mit unserer Ableitungssylbe -el überein, ein Ding, Subject zu bezeichnen, so daß Metall ein zusammen hängendes, schweres, dehnbares Ding bedeutet. Im mittlern Lat. wurde daher Metallum auch für Materie gebraucht, so daß Metallum ligneum Zimmerholz bedeutet. Ohne Ableitungssylbe heißt Erz, oder vermischtes Metall im Pers. Mis, im Pohln. Meidz, und im Dalmat. Mido, dagegen im Böhm. Med Kupfer bedeutet. So fern Metall in manchen Fällen ein vermischtes Metall bedeutet, kann auch der verwandte Begriff der Mischung mit in Betrachtung kommen. S. Messing.

  • WahrigH (1982 / 2003) 403
    • vielleicht zu metallan "nach etwas forschen, suchen" zu mate, matia "Suche, Bemühung"
  • Pfeifer (1995 / 2005) 866

    • unklar, möglicherweise arab. Herkunft

Diskussion

  • griechische Deutung:

    • zu μεταλλᾶν metallân 'forschen nach, sich erkundigen bei' (Pape 2,149, JaSei 1040)

      • < *met-alnáein 'umherschweifen auf der Suche nach'

        • zu ἀλαίνειν alaínein, ἀλᾶσθαι alâstʰai 'umherschweifen' (JaSei 59 f)

    • Ableitung: μεταλλεύειν metalleúein, das als 'in der Erde suchen' verstanden wurde, aber seine Bedeutung nicht von μεταλλᾶν metallân 'suchen', sondern von μέταλλον métallon 'Bergwerk' hat.

    • Wenn das Grundwort  nicht 'Bergwerk', sondern 'Bergarbeit' bedeuten würde, ließe sich lat. metellus = mercenarius 'Taglöhner, Söldner' vergleichen, das aber nur einmal an einer späten Stelle vorkommt, sonst Cognomen ist.

      • Der Vokal der zweiten Silbe ist im Griechischen nur schwach betont, also evtl. a = reduziertes e.

      • Métrom 'Maß' > *métr̥-lom 'zugeteilte Arbeit'

  • semitische Deutung:

    • hbr. מטיל ברזל məṭîl barzäl 'eisernes Gestänge' Hiob 40,18 vom Skelett des Behemoth // 'bronzene Röhren'

      • מטיל *máṭîl ist eher eine Weiterbildung aus מטה maṭṭǟ 'Stab' als ein Wort des Bergbaus oder der Metallbearbeitung, kommt also als Quelle von  μέταλλον métallon nicht in Frage.

    • arab. مطل maṭala 'hinauszögern, (Eisen) strecken', mâṭala 'hinhalten' ist deutlich eine Weiterbildung aus مط maṭṭa 'dehnen, langziehen'

      • < *manṭ-, Verbalnomen < *naṭ- = hbr. נטה nátô 'ausstrecken, ausspannen'

    Die Anknüpfung an die semitischen Wörter beruht also auf einer Fehlinterpretation, dass es sich um Metall handelt, und berücksichtigt nicht, dass das griech. Wort nicht 'Metall', sondern 'Bergwerk' bedeutet.

  • japhetitische Deutung:

    • japhet. *śmy- 'hauen, abhauen, mit einem scharfen Werkzeug bearbeiten'

      • immer Diphthong oder i

    • noach. *mæτ- 'Stock'

      • japhet. *mat- 'Werkzeug mit Stiel'

      dagegen:

      • der durchgehende a-Vokalismus, der sich nicht als reduziertes e erklären lässt

      • Das Grundwort bedeutet nicht 'hacken, graben', sondern 'Stock, Werkzeug'

Erklärung

  • métallon, ursprünglich 'zugewiesene Arbeit', vgl. lat. metellus 'Söldner'

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 10.02.2019