Diskussion Ravioli

Befund | Theorien | Diskussion | Klärung | Erklärung

Befund

Theorien

  • Etimologia : raviolo, raviuolo (1907 / 93)

    • raviòlo e raviuòlo probabilmente dal b . lat. RABIÒLÆ specie di manicaretto, di cui è fatta menzione in una lettera dell'arcivescovo Giraldo presso Matteo Parigino. Altri dubitò che prenda nome da RAVIGGIUÒLO, forse adoperato in origine per questa vivanda in luogo della ricotta. [V'è pure cui piace ravvicinare questa voce all'ingl. to RAVEL = ol. ravelen avvolgere].
      Vivanda in piccoli pezetti, fatta d'herbe bollite impastate con uova, ricotta, farina di grano ed altro.

    • = Ravioli und raviuòlo wahrscheinlich aus vlat. RABIÒLÆ 'Art Delikatesse', die in einem Schreiben des Erzbischofs Giraldo, gedruckt von Matteo Parigino, erwähnt wird. Andere zweifelnd, dass der Name von RAVIGGIUÒLO [Art Schaf- / Ziegenkäse] kommt, vielleicht ursprünglich für dieses Gericht anstelle von Quark verwendet. [Man kann dieses Wort auch mit engl. to RAVEL vergleichen = ndl ravelen 'einwickeln'].
      Eine Speise aus kleinen Teilchen, gefüllt mit Kräutern, gekochten Eiern, Quark, Weizenmehl und anderen gemischt.

    Kluge 2002

    • Ravioli "gefüllte Teigwaren" (20. Jh.). Entlehnt aus it. raviolo m., eigentlich "kleine Rübe", dieses aus l. rāpa f., rāpum n. "Rübe".

      • ait. rava = rapa 'Rübe'

Diskussion

  • Du Cange:

    • RABIOLA. Epistola Yvonis Narbonensis de crudelitate Tartarorum, apud Matth. Paris ann. 1243 :

      • Cremonam tandem perveniens, oppidum in Forojulii celeberrimum, nobilissima Paterinorum bibi vina, Rabiolas, et ceratia, et alia illecebrosa comedens, etc.

    • Vide conjecturam Vossii, qui pro ribiolis, seu uvis crispis accipit. les Bénédictins de St. Maur, 1733–1736.

      • Lemovices napum seu raphanum vocant Rabiolam ; sed hanc inter ciborum delicias numerari non est verisimile.

    • P. Carpentier, 1766.

      • Adde ex animadversionibus D. Falconet : forsan Radiolas legendum est in Matth. Paris, quæ olivæ sunt. Vide Isid. Origin. lib. 17. cap. 7. At si Rabiolas cum Vossio, quæ sunt uvæ crispæ, diminutivum est vocis Arabicæ Ribes, grossularia. Consule Menag. Orig. Ital. ad vocem Raviuoli et Orig. Daufin. voce Raviola.

    • = Rabiola.  Brief des Ivo von  Narbonne über die Grausamkeit der Tartaren ... 1243:

      • Schließlich kam ich nach Cremona, einer hochberühmte Stadt in Friaul, trank die edelsten Weine der Paterini (Waldenser?), aß rabiolae und Johannisbrot und andere Lockmittel

    • Vgl. die Konjektur von Voss, der stattdessen ribolae, Stachelbeeren  annimmt...

      • Die Limousiner nennen Steckrübe oder Rettich rabiola; aber dass das zu den leckeren Speise gehört, ist nicht wahrscheinlich

    • P. Carpentier, 1766

      • will radiolas 'Oliven' lesen... oder Raviuli / Ravioli.

    Es gibt keine  gesicherte Erklärung von rabiolae.

    • Auf Konjekturen wie Stachelbeeren oder Oliven kann man nichts geben.

    • Man sollte an eine Friauler Spezialität denken, etwa die heute Strucchi genannten Teigtaschen mit süßer Füllung. Dann aber könnte rabiolae tatsächlich  = Ravioli sein.

    • Dagegen scheinen die unterschiedlichen Endung zu sprechen: raviol-i :: rabiol-ae.

      • Gegenstandslos, wenn ursprünglich rabiolum n., Pl. -a, das fälschlicherweise für f. Sg. gehalten wurde, und den neuen Plural auf -ae bekam.

      • Da die roman. Sprachen kein Neutrum haben, werden die alten Neutra als Maskulina behandelt: forum, Pl. -a > foro, Pl. -i.

    Etimologia

    • Engl. ravel bedeutet eigentlich 'verwirren, verheddern (von Fäden'), nicht 'einwickeln', kommt also nicht in Frage'

  • Kluge 2002

    • Was haben Ravioli mit Rübchen zu tun?

      • DEt 3 655 ... Der Name bezieht sich darauf, dass man für die Füllung solcher Nudeltaschen ursprünglich vorwiegend Rüben verwendete.

        • dagegen Ravioli - Wikipedia: ältestes Rezept 11e": Füllung aus

          • borragine, scarole, carne di manzo e maiale, pasta di salsiccia, uova, parmigiano, latte e maggiorana = Borretsch, Endivie, Rind -und Schweinefleisch, Wurstbrät, Eiern, Parmesankäse, Milch und Majoran.

      • Dieses Rezept beschreibt zweifellos gefüllte Teigtaschen. Es lässt sich aber nicht feststellen, ob sie wirklich Ravioli genannt  wurden.

      • Dann könnten auch Schupfnudeln gemeint sein, die wie Karotten geformt sind.

      • Moretum 'ein Gericht aus Kräutern', rauiolo bei Schönsleders spricht für eine gefüllte Nudel.

  • Waren die ersten Ravioli gefüllt?

    • Es gab 11e" gefüllte Nudeln

      • unklar, wie sie hießen.

    • 12m" Rabiolae in Friaul könnten strucchi 'süße Ravioli' gewesen sein.

      • Illecebrosa 'Lockmittel' müssen nicht süß gewesen sein. Eine Spezialität aus Rüben kann ebenfalls gut geschmeckt haben.

    • 16a" Moretum 'Gericht aus Kräutern', raviolo legt mit Kräutern gefüllte Ravioli nahe.

      • Die Bedeutung von moretum und die Beziehung zu rauiolo ist sehr vage.

      möglich, aber nicht zwingend.

  • Alternative:

    • TH 16.01.2015

      • Rabiolae, dissimiliert < *labiolae < labia 'Lippen', also 'Maultaschen'?

        • l- > r- bei Meyer-lübke (Beispiele):

          • 4806 labes 'Einsturz' > ravanetto 'Schutt'

          • 4812 labrellum 'kleine Wanne' > ribell 'Wanne'

          • 4814 labrusca 'wilde Rebe' > ravirusto

          • 4821.4 lengrola = rengrola 'Raupe'

        • Damit lässt sich ravioli auf labiolae zurückführen.

        • Unwahrscheinlich, da labium nichts anderes als 'Lippe, Rand' bedeutet.

Klärung

  • it. -iolo bezeichnet nicht nur Verkleinerungen,

    • carriolo 'Seifenkiste'

    • cucciolo 'Tierjunges'

    sondern auch eine Zugehörigkeit:

    • acciaiolo 'Wetzstein'

    • bracciolo 'Armlehne'

    • crogiolo 'Schmelztiegel'

    -iolo setzt kein i im Grundwort voraus.

  • 'Rübe'

    • auf keinen Fall wegen der Füllung

    • als Zugehörigkeitsbildung wäre 'Rübenförmiges' zu akzeptieren.

  • 'Lippe'

    • Anlautmutation r > l ist im Romanischen bezeugt.

    • *labiola > rabiola lässt sich als Dissimilation verstehen.

    • Ravioli – Wikipedia: Die Teigtaschen bestehen aus einem länglichen Lappen, der umgeklappt wird. Kann man die umgeklappten Hälften als "Lippen" verstehen, die den Inhalt verschlucken?

  • Neuansatz

    • Meyer-lübke 7065 stellt zu rapus 'Rübe' span., port. rabo 'Schwanz', kat. rabada 'Steiß', rabassó 'dünner Rebstock'.

      • erklärbar als 'rübenförmig'.

      • Vgl. Rübezahl < *Rübenzagel '-schwanz'

      • führt wiederum zur Schupfnudel und hilft nicht weiter.

      Man müsste einen Bedeutungswandel annehmen von 'rübenförmig' > 'gefüllte Teigtasche'. Ungewöhnlich wäre das nicht. Vgl.:

      • Krapfen 'knusprig frittiertes Fastnachtsgebäck, Pfannkuchen', die unterschiedliche Gestalt haben können von flach und dünn bis kugelrund.

      • Pizza 'Spitze > Baguette > belegter Fladen'

      • Pudding 'kugelförmige Masse > aus der Form gestürzte Süßspeise'

Erklärung

  • Es lässt sich nicht zwingend beweisen, dass die ersten Ravioli gefüllt waren.

  • Eine Benennung als 'Lippen' ist nicht plausibel zu machen.

  • Rabiola 'Steckrübe, Rettich' in Limousin bezeugt.

  • Also müssen die ersten Ravioli "rübenförmig" = länglich, gewesen sein.

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 10.02.2019