Diskussion grīma

Befund

  • anord. grím(u) f. 'Maske, Helm, Galionsfigur' Quellen

    • isl. gríma 'Maske'

    • norw. grim 'hässlich', grime 'Halfter'

    • dän. grim 'hässlich'

    • schwed. grimma 'Halfter'

  • aengl. gríma m. 'Maske, Helm (im Poem of Elene, undatierbar), Gespenst' (10" Exeter Book)

  • and. PN mit -grīm-

  • mnl. grīme 'Maske'

  • ahd. 9" *grīmo = lat. scaenicus 'Schauspieler' (also 'Maskenträger')

  • pers. gerīm گرىم 'Schminke, Maske' (Theater)

Erklärungn

Schmink-Erklärung

  • 1959 /2002 Pokorny 457 zu ghrei 'bestreichen'

  • Results of Headword Search in Middle English Dictionary

    grīmen (v.)
    [MLG; cp. Flem. grijmen, Fris. griemjen.]
    To blacken (sth.), cover with soot; make (sth.) dark or gloomy; fig. make (robbers) unhappy, punish.

  • Online Etymology Dictionary

    grime
    1580s, of uncertain origin, probably alteration of M.E. grim "dirt, filth" (early 14c.), from M.L.G. greme "dirt," from P.Gmc. *grim- "to smear" (cf. Flem. grijm, M.Du. grime "soot, mask"), from PIE base *ghrei- "to rub." The verb was M.E. grymen (mid-15c.) but was replaced early 16c. by begrime.

  • grima - ONW (Oudnederlands Woordenboek)

    *grīma
    Woordsoort: znw.
    Modern lemma: GRIJM
    Oudste attestatie: 1190
    Frequentie: totaal: 1, appellatieven: 1
    Etymologie: Onl. grīma- 'masker' is gereconstrueerd op basis van ofra. grimuche 'vreemd voorkomen'. Het suffix -uche is Oudfrans, maar het basiswoord is door het Oudfrans aan het Oudnederlands ontleend, vgl. FEW XVI, 63. Cognaten: Oudengels grīma ‘masker’.
    Morfologie: ongeleed.
    Flexie:
    nominatief singularis
    *grīma (1)
    Overige historische woordenboeken: MNW: vgl. grijn (znw.m.), vgl. grine (znw.v.), WNT: vgl. grijn (II) (znw.o.)

    • nicht belegt, aus afrz. grimuche erschlossen

  • GRIJM - WNT (Woordenboek der Nederlandsche Taal)

    GRIJM
    Woordsoort: znw.(o.)
    Modern lemma: grijm
    znw. onz.; zonder mv. Eng. grime.
    Vuil, vuiligheid, in de bepaalde opvatting van: los, poederachtig roet, aanslag (zie DE BO 341 b [1892]). Alleen in Zuid-Nederland.
    Asch en grijm lagen … op al de omliggende voorwerpen verspreid, LOVELING, Hoofd van 't huis, 31.
    Een groote gevlochten strooring, halfverbrand en zwart van grijm, lag juist voor den ingang, LOVELING, D.E. 25 [1891].
    Afl. Grijmig, roetig, roeterig, vol roet.
    — Aanm. Een ww. grijmen, griemen (fr. griemjen, eng. grime) is in Groningen bekend in de bet.: morsen met eten of drinken; in Zuid-Nederland beduidt grijmen (afleid. van grijm, znw.): roetig afsmetten. Verg. ook mnl. grimen.
    © 2007 INL. Artikel gepubliceerd in 1893.

Diskussion

  • Die angelsächsischen und skandinavischen Helme mit Gesichtsschutz kamen erst nach 550 auf:
    Helm – Wikipedia. Es gab aber schon römische Kampfmasken.

  • Ahd. grīmo bedeutet 'Schauspieler', nicht 'Krieger', also entweder wie in der Antike maskiert oder geschminkt.

  • Die Bedeutung 'Maske' ist älter als 'Schmutz' und kam ungefähr in der Zeit auf, als 'Maske' nicht mehr gebräuchlich war. Man kann also das ältere Wort nicht mit der jüngeren Bedeutung erklären. Aber umgekehrt könnte man Schminke als 'schmutzig' empfinden.

    • Dass sich germanische Krieger bei nächtlichen Überfallen durch schwarze Farbe tarnten, berichtet Tacitus in Germania 43. Das war aber ein Sonderfall und nicht für reguläre Kampfhandlungen gedacht.

  • Alternativen:

  • Halfter-Erklärung

    • Das Halfter (norw., schwed. nfries.) wird wie eine Maske um den Kopf gebunden. Zu ʰër- 'umfassen, umzäunen, umgürten' wie idg. *gʰrīmen 'Farb-, Schmutzschicht' zu japhet. *gʰër- 'reiben'? Dann ließe sich umgekehrt die Maske als etwas verstehen, was man wie ein Halfter umbindet.

      • Die Bedeutung 'Schminke' ergibt sich vielleicht nur aus der Etymologie, wäre aber durch diese Erklärung ausgeschlossen.

      • Vernünftiger ist aber anzu7nehmen, dass das Halfter als eine Art Pferdemaske verstanden wurde.

  • Grein-Erklärung

    • Grīnan 'das Gesicht verziehen' verhält sich zu grīma wie griech. κρίνειν krínein 'beurteilen' zu κρῖμα krîma 'Urteil': Verb mit n und Nomen mit -men.

  • Glanz-Erklärung

    • 3. ğher- 'strahlen, glänzen schimmern' P 441f könnt auch zu 'Gesicht' passen. Die Wurzelerweiterung ĝhrēi- ergab air. grían (*ghrĕinā) 'Sonne' und germ. grīs 'grau. mit anderen Vokalen russ. Dial. zórok 'Blick, Angesicht', tsch. zrak 'Sehen, Gesicht, Sehkraft', poln. wzrak 'Sehkraft, Gesicht'.

      • dagegen: Grīma meint nicht den Blick, sondern die Gesichtsform / -Farbe.

    Die Halfter-, Grein-. und Glanz-Erklärungen erfordern Zusatzannahmen, die sich nicht auf Belege stützen.

  • Grimm-Erklärung

    • Ablautend zu Grimm 'Zorn', mit intensivierender Gemination  (Krahe, Germ. Sprachwissenschaft 1,122) < 2. ghrem- 'laut und dumpf tönen, donnern, grollen, zornig sein' P458. Das Wort müsste in frühgerm. Zeit  entstanden sein nach dem frühgerm. Lautwandel *grem- > *grim- (Krahe 1,56), also *grem- > grim- > grīm-.
      Sachlicher Hintergrund: Verstellte Gesichter lösen gewollt oder ungewollt Furcht aus. Der Nikolaus war mir als Kind unheimlich. Hexen, die ich als Erwachsener bei einem Fastnachtsumzug gesehen hatte, ebenso. Allein die Bilder vom bairischen Krampus oder Percht haben bei mir diese Wirkung.
      Das
      span. grima 'Grausen, Schauder', vielleicht aus dem Westgotischen, gibt den Eindruck wider, den eine grīma hervorrief. Ähnlich norw., dän. grim 'hässlich', aengl. Nebenbedeutung 'Gespenst'.
      Die Kampfmaske oder Kriegsbemalung diente auch dazu den Feind einzuschüchtern, genau wie die Drachenköpfe an den Wikingerschiffen.

    • "Halfter" kann als 'Pferdemaske' verstanden werden.

      • Dagegen scheint zu sprechen die auffallende Parallele von pers. gerīm گرىم 'Schminke, Maske' (Theater). Sie könnte aber aus pers. γaram 'Grimm' P458 abgeleitet werden und würde genau zu dieser Grimm-Erklärung passen - wenn dieses Wort auffindbar wäre.

  • Grundsätzliche Kritik:

    • Die Schmink-Erklärung ist lautlich gut begründet und schließt auch die persische Parallele mit ein, ist, aber sachlich fragwürdig:

      • 'Maske' ist älter als 'Schmutz'. Man kann nicht die ältere Bedeutung mit der jüngeren erklären.

      • Der wahrscheinlich älteste Beleg ist aengl. gríma 'Maske, Helm', was wohl kaum mit "Schminke" zu vereinbaren ist. Die anord. Belege weisen auf etwas, was man "vor dem Antlitz" oder "auf dem Haupt" hatte. Das ahd. Glossenwort ist zu unbestimmt, schließt aber 'Maske' nicht aus. Mnl. grīme wird mit 'Maske' übersetzt. Frz. grimace setzt ein verzerrtes Gesicht voraus, kein geschminktes.

      • Frz. grime 'lächerlicher Alter', grimer 'sich Runzeln malen' scheint aus dem Theater zu stammen und setzt voraus eine besondere Schminktechnik des "Maskenbildners" und letztlich die plastische Maske.

      • Die Theatermaske (ahd., pers.) ist offenbar älter als die Theaterschminke.

      • Auch "Maske" hat man versucht als ursprüngliche Kriegsbemalung zu erklären, eine Hypothese, die vielleicht von Tacitus genährt wird, aber etymologisch haltlos ist.

    • Auch die Grimm-Erklärung ist lautlich gut begründet, aber auch sachlich.

Erklärung

  • Dann ist der Grimm-Erklärung der Vorzug zu geben.

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Aktuell: 10.02.2019