Diskussion Moneta

Befund

  • Georges (1913 / 2004) 2,993

    • Monēta

      • Mutter der Musen

      • Beiname der Juno

      • Münzstätte

      • Geldstück

      • Münzstempel

Theorien

  • DoedLat (1841) 114

    • Moneta, die Mutter der Musen - Verbale [=  Verbalnomen] von μνᾶσθαι [mnâstʰai 'gedenken']...

  • Vaniček (1874) 117f

    • W[urzel] ma, ma-d, ma-n 'denken, sinnen bleiben'

      • mŏn-e-o... mache gedenken, mahne, lehre... Mon-ēta f. Mutter der Musen

  • Walde (1910) 493

    • Monēta, ein Beiwort der Juno; in ihrem Tempel war die römische Münzstätte, daher monēta "Münze":

    • wegen der Bildungsweise als "Mahnerin, Raterin" nicht zu moneop ['mahne']...

    • Wohl vielmehr eine Bildung vom Namensstamme, der in Monnius, Monianus usw.... vorliegt...

  • Pauly (1975/9) 3,1410

    • Tempel auf der arx in Rom aufgrund eines Gelübdes 345 v. Chr.

    • antike Erklärungen:

      • Sch. Lukan 1,380: weil durch Junos Mahnung das Kapitol gerettet wurde

      • # Liv. And. frg. 23, Hyg. fab. praef. 3, Cicero. nat. deor. 3,47: Mnemosyne = Moneta, als 'Erinnerung'

    • Einrichtung des Kults einer Personifikation der "Erinnerung" 345 v. Chr. paßt in die Z[eit] der Kultstiftungen von Concordia ['Eintracht'] und Pudicitia ['Schamaftigkeit']

Diskussion

  • Von monere 'an etwas erinnern' abgeleitet sind Formen mit

    • ē des Präsens: monēl(l)a 'Erinnerung' Georges 2,991

    • ĭ des PPP: monĭta 'Erinnerungen', monitor 'Erinnerer', monitio 'Erinnerung, Mahnung, Warnung'  Georges 2,994

    • Monēta kann sein

      • alternatives PPP (wie dēlēre / dēlētus 'zerstören'), vielleicht absichtlich für den Namen gewählt

      • kaum Verbalnomen (da würde man -tus, -tio erwarten)

  • Der Galliereinfall mit den warnenden Gänsen war um 390, der Tempel der Iuno Moneta wurde 345 gestiftet. Der Beiname kann sich also darauf beziehen.

  • Dass Moneta = Mnemosyne, die Mutter der Musen, ist, wird nur behauptet (auch Georges 993), aber nicht belegt. Es ist auch kaum wahrscheinlich dass man die göttliche First Lady mit der griechischen Mutter der Musen identifiziert hat, zumal der griechische Einfluss in Rom erst 2" begann.

  • Es ist auch kaum wahrscheinlich, dass man die First Lady mit einer jungen Personifikation der Erinnerung identifiziert hat

  • Beim Doppelnamen "Gottheit X Y" ist

    • X der Hauptname (Iuppiter)

    • Y Beiname:

      • (örtliche) Erscheinungsform bezeichnet (Iuppiter Capitolinus)

      • besonderen Funktion (Iuppiter Stator, der die Feinde zum Stehen bringt)

    • Iuno Moneta

      • lässt sich verstehen als Göttin einer Stelle namens Moneta ('Gedenkstätte, Mahnmal'? 'Wachtposten'?)

        • Dazu passt der Bedeutungsübergang zu 'Münzstätte'

      • Die heiligen Gänse der Juno setzen nicht voraus, dass da schon ein Kultort war. Man brauchte die Vögel vielleicht auch als Orakelgeber.

      • ist kaum 'Juno die Mahnerin' (das wäre Moni/etrix)

  • Denkbar sind folgende Szenarien:

    • Juno erhielt ihren Beinamen, weil ihre Gänse die Römer gewarnt hatten. Da sich bei ihrem Tempel eine Münzstätte befand, wurde der Name darauf und später auf das Geldstück übertragen.

    • Es gab auf dem Kapitol eine Stelle, die Moneta hieß, daher die Übertragung auf den später dort gebauten Tempel und die Göttin.

    • Moneta war eine Gottheit, die man mit Juno identifiziert hat.

      • Da bietet sich die auch bei Titus Livius genannte Carmentis an, die in einem Heiligtum am Fuß des Kapitols verehrt wurde (Georges  1,1003). Sie galt u. a. als Weissagerin (carmen 'Lied, auch Weissagung' PW 120). Dazu passt monere, das auch 'weissagen, inspirieren' bedeuten kann.

      • Moneta lässt sich problemlos deuten als 'die Inspirierte'.

      • Man hat also einen Beinamen der Carmentis auf die auf dem Kapitol verehrte Juno übertragen.

      • Dazu passt, dass Juno wie Carmentis auch Juno als Göttinnen der Geburt galten.

Erklärung

  • Moneta 'die Inspirierte'

Sprachecke 13.05.2014

zurück Münze | Quellen

 

Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Email:

Aktuell: 10.02.2019