Diskussion uti

Befund

  • marr. eitua- 'Geld' Walde 863

  • osk.

    • eítiuva 'Geld' Walde 863

    • úittiuf "usio" ['Verwendung'] Walde 863; possessio ['Besitz'] Huschke 417

      • Da in alter Zeit u und v dasselbe Zeichen waren, soll úi- wohl andeuten, dass nicht vi- sondern ui gelesen werden soll.

      • U steht im Osk. auch für o.

  • päl. oisa "usa [verwendete] Walde 863

  • alat.

  • lat.

    • ūti 'gebrauchen, anwenden, benutzen; sich einer Sache bedienen, etw. genießen; umgehen mit, leben von; essen/ trinken; Nießbrauch haben; besitzen; benötigen' Georges 2,3335 f

    • ūsus 'Benutzung, Gebrauch, Anwendung, Verwendung, Verkehr, Ausübung, Übung, Praxis; Umgang mit Menschen; Nutznießung; Übung, Erfahrung; Brauchbarkeit, Nutzen; das Notwendige, Notwendigkeit, Bedürfnis' Georges 2,3324 ff

Theorien

  • DoedLat (1841) 199

    • uti, altlat. oetier - Frequentativ von ΟΙΩ [oiō], οἶσε [oîse], οἰσεμεν [oisémen] tragen

  • Walde (1910) 863

    • unsicher

      • Danielson: zu Eid

      • Fick, Bezzenberger u.a.: οἶτος [oîtos] 'Los, Geschick, Schicksal als 'Zugeteiltes, Anteil' - richtiger - oder αἶσα 'Anteil' oer aeteis 'partis [Teiles]

      • Osthoff u. a. air. āis, āes 'Alter, Zeitalter'... gr. δι-αιτᾶσθαι diaitâstʰai 'ordnen, verwalten, regieren, durch Diät heilen, Schiedsrichter sein, eine gewisse Lebenseinteilung haben'

      • <ἴσσασθαι>· κληροῦσθαι. Λέσβιοι [lebisch íssastʰai 'Anteil erhalten] Hesych

    • lautlich am nächsten gr. οἶτος [oîtos], germ eid, mir. oeth, (ai. ḗta-ḥ 'eilend')

    • Versuche zur Vermittlung von Bedeutungen bei Prellwitz

      • οἶσω [oisō] 'ich werde tragen' = 'ich werde fördern', ūtor aliquā rē [ich benutze etwas] daher eigentlich 'ich fördere mich durch etwas' (wenig ansprechend)

    • ...

  • Pokorny (1959/2002) 295

    • ei- 'gehen'..., oi-to- 'Weg' ...

    • unsicher, ob hierher lat. ūtor (alat. oetor, oitile' 'gebrauchen', päl. oisa aetate 'nach genutztem, genossenem Leben'. osk. úittiuf 'Nutznießung'

    • mit Präfix o-. ursprünglich 'sich heranmachen, sich womit befassen' (úittiuf sich noch deutlich mit lat. itiō ['das Gehen'] sich deckend...)

      • Präfix e-, o- 'nahe bei, zusammen, mit': 280f

    • noch klarzustellen bleibt, ob das Präs. aus o-itāri in die Weise der Wurzelverba übergeführt sei.

      • d.a. aus der a- in die konsonantische Konjugation

Diskussion

  • Zwei Fragen sind unbeantwortet:

    • Die Deutungen übersehen, dass ei-, oi-, i- Ablautstufen sind.

    • Warum ist uti Deponens (nur im Passiv), das mit dem Ablativ verbunden ist?

      • Ablativus instrumentalis 'mit... etwas tun'

      • Das Deponens lässt sich als Medium verstehen ('für sich'). 

        • Medium auch in heth. ijattari 'geht, marschiert' (294), das wohl formal alat. oitier entspricht.

    • also oitos 'Umgang mit'. Reguläre Ableitung wäre aber !oitari, vgl. laus > laudare, canere > cantare ('Lob > loben; singen')

  • Ist oi- Ablaut von ei- oder o+i?

  • Das Medium ist auch bezeugt bei griech. αἴνυμαι áinymai 'nehme, packe, fasse', erklärt als 'sich geben lassen, < 3- ai- 'geben'. Dazu οἶτος oîtos 'Schicksal' Pokorny 10 f

    • "Nehmen" im Sinn von 'verwenden' führt problemlos zu 'gebrauchen'.

    • Bedeutungsübergang auch bei griech. ἀναισιμοῦν an-aisi-moûn 'anwenden, gebrauchen, verzehren'

    • Auch hier müsste die Ableitung oitari lauten, also genauso schwierig.

      • Das wäre zu erklären, wenn -t- Stammerweiterung wäre, nicht Suffix, wie ich erst gedacht hatte.

    • Einziger Beleg für oi wäre οἶτος oîtos 'Schicksal', also fragwürdige Zuordnung.

      • KraheI (1966-69) 1,72: ai / oi-Ablaut selten.

      • Das wäre anders, wenn man in diesem Fall ai- < *ḫei- verstehen dürfte, das den normalen Ablaut ei / oi hat.

        • so tatsächlich KöblerI (2014) 9: *ai- (3), *h2ei-, idg., V.: nhd. geben, zuteilen, nehmen (h2 = ).

    • Zusammenfassung:

      • Laut: *ḫëi- > *ḫoi-t > ital. oit- > lat. ūt-

      • Sinn: geben, Medium 'sich geben lassen > nehmen > verwenden'

Erklärung

  • Damit entsteht eine Erklärung uti 'gebrauchen' < *ḫëi- 'geben' nichts mehr im Wege.

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 28.08.2021