Startseite | Religion | Sprachwissenschaft | Geschichte | Humanwissenschaft | Naturwissenschaft | Kulturwissenschaft | Kulturschöpfungen

Sprachen | Wörter | Grammatik | Stilistik | Laut und Schrift | Mundart | Sprachvergleich | Namen | Sprachecke

Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Südhessisch

Reim

Email:

   

Rekonstruktion

1, 2, 3, hicke hacke hei, hicke hacke Pfefferstiel, alte Weiber essen viel, Junge müssen fasten, 's Brot leit im Kasten. Das Messer leit daneben...

Das Gedicht geht zurück auf ein anderes, das beginnt mit ... hicke, hacke Pfefferkorn, der Müller hat sein Frau verlorn. Die Umdichtung brauchte einen Reim auf viel, daher das sinnlose Pfefferstiel, dann umgedeutet auf andere "Stiele".

Merkwürdig, dass die Zeile mit dem Messer in den meisten Reimen erhalten ist, aber die folgende Zeile mit dem erforderlichen Reim unterschiedlich weitergeht. Ob dieses Gedicht oder Lied als eine Art  Gesellschaftsspiel entstanden ist, bei dem jemand den Reim mit dem Müller parodierte und die anderen weiterdichten mussten?

Hicke hacke hei war wohl eine Art Schlachtruf und erinnert an das bekanntere zicke zacke heu heu heu. Die einleitende Zählung wurde wohl von einem gesprochen, die Gruppe antwortet mit hicke hacke hei. Das Gedicht war also kein Kinderreim, sondern scheint bei feuchtfröhlichen Feiern entstanden zu sein.

Varianten:

  1. TH Pfungstadt Âins, zwāi, drai, hickə hackə hai, hickə hackə Mɛssɛʳŝtìl, áldə Lͽyd, di ɛssən fìl, jungə myssən fastən, Brōd, dɛs laid im Kastə. "Eins, zwei, drei, hicke hacke hei, hicke hacke Messerstiel, alte Leute, die essen viel. Junge müssen fasten. Brot, das liegt im Kasten."

  2. ShWb 1,201 Eins, zwei drei, hicke hacke hei, hicke hacke Peffersteel, oalde Weiwer fresse veel, junge misse fasde, 's Broud leit im Kasde, die Buddeʳn stäiht denewe, wer esse will, muß bēre. (Hainstadt)

  3. PöEHe 109 Åns zwaa drei, hicke, hacke, hei, hicke, hacke, Pånnestiel, ålde Weiwer frässe viel, junge misse faschde, Broud, däss leid im Kaschde, Kees der leid denäwe, Budden is moi Läwe, Wer ässe will, muß bäre, bäre, bäre dou ich nit, krigg ich a vum Broud kå Stick! (Odenwald)

    Pfannenstiel nannte man einen neugeborenen Jungen, der noch nicht getauft war.

  4. ShWb 4,642 Eins, zwei drei, hicke hacke hei, hicke hacke Messeʳstiel, alde Weiwer esse viel, junge misse faschde, 'es Broud leirˬim Kaschde, 's Messeʳ leit denēwe, wer esse will, muss bēre. (Beerfelden, ähnlich Lorsch, Weinheim (Rheinhessen)

  5. ShWb 1,774 Eins, zwei drei, hicke hacke hei, hicke hacke Pannesteel, ȧlde Weiweʳ fresse veel, junge misse faschde, 's Broud leit im Kaschde, Kees leid denäwe, Budder iß meun Läwe. (Bechtheim)

  6. ShWb 4,376 Leier, Leier Leffelsteel, alde Weiwer fresse veel, junge misse faste, ds Brōd leirˬim Kaste, die Messer leie denēwe, de Kees werd vertrēre. (Seligenstadt)

  7. GKWS 93 f (Bergstraße) Lirum, larum Löffelstiel, Alte Weiber esse viel, Junge müsse faste, Das Brot leit im Kaste, Das Messer  leit danebe; Wer esse will, muß bete, Bete, bete tu ich nit! Kriegst du ach vum Brot ka Stück.

  8. donauschwäbisch
    spätere Weiterdichtung

 

Times New Roman 5.01

Wörter

Zeichen

nach oben

Übersicht

 

 

 

Datum: 1968-2008

Aktuell: 09.02.2019