Diskussion Lorelei

Befund | Theorien | Diskussion | Klärung | Erklärung

Befund

  • Namensüberlieferung:
    Quellenangaben

  • Ort:

    • 12" Der Marner: sagenhafter Berg, ein Schatz versteckt ist

    • 15" Glosse zu den "Bergen", die bei Bingen beginnen: Mons Lurlaberch

    • 1612 Freher Berge bei Oberwesel mit einem schönen Echo

    • 1800 Brentano: Bacharach

    • 1823 Heine: auf einem Berg über Felsenriffen = bei Sankt Goarshausen

Theorien

  • DudenGND (1993) 186

    • lūren 'im Hinterhalt liegen, lauern' + Lei 'Fels, Stein, Schiefer'

  • Halfer (1997)

    • mda. lorren, lurren = „heulen (Wind), schreien", rhein. lureln „summen", lörlen „Tonwort". Das Namenmotiv liegt demnach in dem Rauschen des Flusses. Hervorgerufen wird dies durch viele Stromschnellen sowie durch einen kleinen Wasserfall, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch sichtbar war.

    • Daneben gab es auch den Versuch, den Namen auf ein erschlossenes *Lur = „elbisches Wesen" zurückzuführen; denn elbische Wesen und der sagenhafte Nibelungenhort wurden ebenfalls mit dem Felsen in Zusammenhang gebracht.

  • Loreley – Wikipedia 29.05.2015

    • Vor dem 19. Jahrhundert trug der Ort auch noch seinen männlichen Artikel: der Lurlei, der Lorley oder der Lurleberch (zahlreiche weitere Schreibweisen

Diskussion

  • Geschlecht Lei(e) 'Schiefer':

    • f. Grimm 1885 12,681

    • m. durch Zusammensetzungen mit 'Berg'

  • Lautung:

    • Lŏr- < Lŭr-

      • sekundäre Dehnung in offener Silbe: 1401 by dem loirleyberge, 1699 unter dem Lohrenberg, so auch das heutige [lo:rə'lai]

    • *Laur- hätte Lor-, aber nicht Lur- ergeben.

      • <> Ablaut eu / au / u

    • Betonung auf dem Grundglied, da als Vor- und Zuname verstanden (1800 Lore Lay)

  • Wort

    • fnhd. lurenwerk 'Koboldswerk', lürlein 'elbisches Wesen' 154

      • anders Grimm 12,1151f: Lorenz > Lörlein, als name eines narren

    • lūren 'lauern'

      • ndt. Lautung

    • lur- 'tönen'

      • kann bezogen werden auf

        • Echo bei Oberwesel (1612)

        • Rauschen  bei den Stromschnellen ("Wirbell" vor St. Goarhausen)

        • vgl. alb.

          • láurë f. Myth. 'kleines Tier, das nachts am Flussufer schreit' 272

          • lurí f. 'Herde' 291

        • Lören, lörlen haben Umlaut, Lorlei nicht.

    • Alternativen:

      • bret. lor 'still (Wasser); schwerfällig, schlaff' 214

        • < *ślü # 'schlaff'

      • cymr. †lwrw 'Pfad, Lauf, Weg; Form, Methode, Ähnlichkeit' 265

        kommen nicht in Frage.

    • Lei 'Schieferfelsen'

  • Form:

    • 12m" Lurlenberge bis 1870 Lornberg enthält

      • ein diminutiv-iteratives Verb 'schnell hintereinander luren'

      • kein diminutives Nomen, da kein Umlaut

    • 16a" Der Lorley oder Lorlenbergk

      • = lur- + Lei

  • Ort

  • Sage:

Klärung

  • Für Lor- kommen ernsthaft in Frage:

    • *lur- 'tönen'

      • + Der überlieferte Bezug aufs Echo

      • ? was wirklich tönt

        • "schreiender Dämon" = "elbisches Wesen", wie alb.

          • "Echo" kann Deutung sein.

            • + Überlieferung, die den Widerhall einem unsichtbaren Rufer zuschreibt.

          • "Rauschen" auch.

            • könnte sich auf den "Wirbell" flussabwärts beziehen.

              • Dann wäre Lurl- der Wirbel, Lurleberg der Berg in der Nähe.

              • Vgl. 1071 Lerlebach; 1840 Löhrbach

    • *laur- 'Steinplatte > Schiefer'

      • + der Augenschein: Schieferfelsen

      • idg. *leʊ- 'Stein', Schwundstufe nicht eindeutig belegt.

    • -len, -le, -lei

      • -len, -le ist kaum missdeutet aus ursprünglichen -lei

      • eher umgekehrt

      • dann also iterativ-intensiv wie beten > betteln 'immer wieder / inständig bitten'

        • lurlen = lurelen / lureln wie betteln / mhd. betelen 1,236 / Bettler

        • ohne Umlaut wie winden / wand > wandeln / wandern, setzt ahd. *lurlōn voraus.

Erklärung

  • Lurlen-, / lorlen- 'immer wieder tönen', von den widerhallenden Geistern.

  • Wie bei Lerlebach > Löhrbach zuerst vom Wasser.

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 28.08.2021