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Befund | Theorien | Diskussion | Erklärung

 

Befund

  • 880/84 Throtmanni, 927 Trutmenni / 952 Drudmunde, 1222 Dortmunde > Dortmund 88

  • lat. Tremonia 88, frz. Trémoigne

Theorien

  • KaNamen (1890) 145

    • der Ort des Grafen Trutmann (927 villa Trutmanni)

  • WoNamen (1905) 11

    • F. Trotmann = getreue Leute

  • DudenGND 88

    • thrut- unerklärt

    • and. -manni, -menni, -minni 'Wasser', wie

      • 8" Menni > Menne bei Warburg

      • 90: 890 Dulmenni, -minni, 1142 Dulmene > Dülmen

        • wohl zu ahd. dola 'Röhre, Abzugskanal, Rinne'

  • Wikipedia Dortmund

    • Bei der Wortbedeutung von Dortmund wird im Allgemeinen von einem Determinativkompositum ausgegangen

    • Das Bestimmungswort ist vermutlich germanisch *þrut-, *þrūt- mit der Bedeutung Kehle / Gurgel / Schlund / Hals.

    • Die Bedeutung des Grundworts ist unklar.

      • Nach einer Theorie ist es das altsächsische Gewässerwort -manni, -menni, -minni.

      • Nach einer anderen Theorie ist es germanisch *-munt mit der Bedeutung Berg / Hügel / Anhöhe / Erhebung.

    • In der ersten Theorie wäre die Bedeutung Kehlbach / Gurgelbach / Siedlung am gurgelnden Gewässer,

    • in der zweiten Theorie als *Throdmend- Berg mit einer Kerbe / Berg mit einem Einschnitt / Hügel mit einer Kerbe / Hügel mit einem Einschnitt.

    • Bei beiden Deutungen handelt es sich um eine geografische Besonderheit, die heute überbaut ist und nicht mehr zu erkennen ist oder – in der zweiten Theorie – einen Hinweis auf eine Burg nördlich der Stadtmauern mit dem Fluss Kuckelke als Einschnitt gibt. Die Existenz einer solchen Burg ist umstritten.

  • Namensherkunft: Dortmund – Throtmanni – Düörpm – Tremonia

    • An dieser Straßenkreuzung gab es weder einen gurgelnden Bach noch einen Hügel mit irgendeiner Art von Schlund, sondern nur flaches Land.

    • Königshof nach einem PN

Diskussion

  • KaNamen

    • würde den damaligen Namen lat. Text erklären, aber nicht den heutigen.

  • WoNamen

    • naive Gleichsetzung mit "Treu- / Tautmänner"

  • Wikipedia

    • "Gurgelndes Wasser" ist Missverständnis aus der Bedeutungsangabe 'Gurgel'.

    • "Kehle" kann man als 'Einschnitt, Kerbe' verstehen, aber nicht *þrut- 'Schlund'.

  • Namensherkunft

    • Einen Zugang zum Wasser muss es aber gegeben haben. Man legte Straßen meist nicht in Ufernähe an.

    • PN: FörstP 1466: Drooz, Truozi (unsicher)
      • hdt. Namensformen

      • wegen dr- = tr- eher < dr- als thr-

      • -manni < Mann ist nur in einem lat. Text möglich und hätte auch keinen Umlaut ergeben.

      Außer den geographischen Angaben indiskutabel

  • Throt- > Dort-

    • Metathese wie bei Brunnen > Born

    • Bei Nieder-Ramstadt in der Nähe der Beerbach-Mündung führte 1338 eine Drostbrücke über die Modau. Dreieich § 1

      • zu althochdeutsch drozza 'Luftröhre', droz-darm 'Mastdarm' 55 (heute Drossel 'Kehle', erdrosseln)

        • Pokorny 1027 *(s)treu-d-

        • and. throt = ahd. drozz-

      • Von der Beerbachmündung bis nach Eberstadt fließt die Modau durch eine Schlucht, vor 100 Jahren künstlich erweitert für die Straße.

      • Dülmen < Dulmenni könnte meine Deutung bestätigen, denn althochdeutsch dola 'Röhre, Abzugskanal, Rinne', heute Tülle 'Kannenausguss' ist so was Ähnliches wie drozza.

    • mnd. dort 'Trespe, Bromus secalinus' 83  

      • Grimm 2,1303; ahd. turd 322

      • = anord. storð 'junger Pflanzen- bzw. Baumwuchs'

  • -manni < germ *manja < japhet. *mön- bedeutet eher 'Sumpf' als 'Fluss'.

    • -nn- kann < -nd-

      • HoltAs

        • 51 mendian 'ich freuen'

        • 52 Holtesminni > Holzminden

          • 149: 8" Holtesmenni, 1196 in Holtesminnen, 14b" Holtesmynde

        • :: 54 mund 'Mund, Hand', mundon 'helfen schützen'

      • -nn- < nd- ist spätere Entwiclung

      • KraheG 1: nn < .

        • 104 nj: germ. *kunja > ahd. kunni 'Geschlecht'

        • 112 nʊ: lat tenuis = ahd. dunni 'dünn'

        • 112 teilweise aus sn: *tʊisno- > aengl. twinn 'doppelt'

        • 114 ndn: germ. *hundna(n) > ahd. hunno 'Centurio'

      • manni < mand-ni ist möglich

        • KraheG 3,116 ff: Adjektive und f. Substantive auf -ni.

      • Mit Rücksicht auf aind. मुञ्ज muñja 'Schilf' sollte man aber germ. *manja- ansetzen.

      • Dortmunde ist also falsche Rückbildung / Umdeutung.

  • Bei -manni 'Sumpf' sollte man beim Bestimmungsglied an etwas denken, was mit Sumpf zu tun hat:

    • Pflanze

      • Dort 'Trespe' kommt nicht in Frage, weil sie eher trockene Böden liebt und die Feuchtigkeit liebende Trauben-Trespe im NW nicht vorkommt.

      • Vermuten sollte man Schilfrohr oder Binsen, da gibt es aber nur

        • aslaw. трьстиѥ trĭstije 'Rohre, Röhricht',

        das passen könnte

      • Strut 'Gebüsch'

    • Vogel

      • Die Singdrossel lebt auch in Auen- und  Moorwäldern.

        • Germ. *þrost- 'Drossel' = inselkelt. (mir.) truit 'Star'

        • mit im Kelt. geschwundenen s

        • wegen der abweichenden Bedeutung kaum wahrscheinlich.

  • lat. Tremonia

    • vielleicht aus

      • tre- = cymr. tre(f) 'Heim, Anwesen, Wohnung, Dorf, Stadt; †Stamm'?

      • -monia: vgerm Form von *manja

      erklärt aber nicht die deutschen Namensformen

    • besser wie frz. Trémoigne < *Tre(s)de-monia

      • wie frz témoign 'Zeuge' < lat. testimonium 'Zeugnis'

        • lat. Tremonia wäre aus dem afrz. Namen rückgebildet.

      • *tre(s)de kann sein < *trādi-, dem germ. þrōti- entspräche

        • vgl. apreuß. tresde 'Drossel' =  bret. dred 'Star'

          *ā kommt für 'Drossel' nicht infrage.

      • besser ahd. struot 'Sumpf, Gebüsch', mnd. strôt (= *śtr-) 'Gebüsch, Dickicht'

        • Wie bei mnd. strote, strotte 'Kehle, Gurgel, Luft- und Speiseröhre' :: aengl. þrote 'Rachen' hat die s-lose Form þ-.

Erklärung

  • Throt- = ahd. struot 'Sumpf, Gebüsch', mnd. strôt (= *śtr-) 'Gebüsch, Dickicht' < vgerm. śtrād-

  • -manni < germ *manja < japhet. *mön- 'Sumpf'

  • lat. Tremonia < afrz. Trēde- < vgerm. śTrādemonia

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Heinrich Tischner

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64625 Bensheim

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Aktuell: 09.02.2019