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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Siedlungsnamen
zwischen Rhein, Main, Neckar und Itter

Namensglieder

Haus 41x, Hause 58x

Dt. haus 'Wohngebäude'

ahd. Dat. Sg. hūse, Nom. Pl. hūs, Dat. Pl. hūsun

ahd. *hūsa, *hūsea  'Wohngebäude'

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Lautschrift

Schrifttum

Sprachen

 

Diesem Namenglied liegen unterschiedliche ahd. Wörter zugrunde, die sich in ahd. Zeit noch von einander unterscheiden lassen:

 

Singular

Plural

Nominativ

Dativ

Nominativ

Dativ

daz hūs

 demo hūse  [1]

diu hūs

dēm hūsen [2]

*daz hūsa [3]

*demo hūsen [4]

*diu hūsun [5]

*dēm hūson  [6]

*diu hūsea

 

 

*dēm hūseom [7]

Wir verstehen heute unter haus ein Wohngebäude im Unterschied zu Wirtschaftsgebäuden (Stall, Scheuer, Werkstatt usw.). Ursprünglich waren mit haus(en) im Unterschied zu heim 'Herrenhof' (lat. curia, curtis, grangia) wohl Wohnungen von Leibeigenen (lat. Pl. casae) gemeint, die im Laufe der Zeit neben dem alten Einzelhof entstanden sind.

Unter den ältesten Belegen findet sich auch der Singular hūsa  [8], die vielleicht nur ein einzelnes Hörigenhaus in einer Siedlung bezeichnet. [9]

Bei (Ein)hausen scheint hausen an die Stelle eines älteren germanischen Rara zu treten (vgl. got. razn 'Haus'). Mitunter hat auch hausen einen früheren Namen ersetzt wie im Fall von Gundernhausen [10] oder Georgenhausen [11] (Erweiterung der Siedlung oder Kirchbau).

Knapp zwei Drittel (30/48) der hausen-Belege ist mit Personenbezeichnungen, der Rest [12] mit z. T. unverständlichen Sachbezeichnungen oder Beiwörtern verbunden. Neun mal steht Hause(n) allein.

Auf der Landkarte fällt auf, dass die hausen-Orte im südlichen Odenwald sehr selten sind. Das bestätigt die Vermutung, dass diese Namen erweiterte Siedlungen bezeichnen, keine Neugründungen, wie sie besonders im südlichen Odenwald zu erwarten sind.

Die frühmittelalterlichen Namen bezeichnen wohl einzelne Häuser einer Siedlung oder einzeln stehende Gebäude, aus denen später Dörfer hervorgehen konnten; die spätmittelalterlichen waren von Anfang an Siedlungen mit mehreren Anwesen - entweder Neugründungen [13] oder Umbenennungen.

Seit dem 16"-Jh. erscheint 39-mal haus, besonders häufig im 18"-Jh. und im Odenwald. Es handelt sich um Namen abseits gelegener Wohngebäude.

 

[1] 1225 Hildeboldehuse

[2] 819 Rumpheshusen

[3] 877 Hūsa (Leutershausen)

[4] 819 Rumpheshusen

[5] 767 Hūsun (Einhausen)

[6] 795 Roolfeshuson

[7] hūseom > ['hü:so:n] = 1060 Hyson (Hinterhausen)

[8] 877 Hūsa (Leutershausen)

[9] In England tragen viele Häuser neben der Hausnummer offiziell einen eigenen Namen

[10] ursprünglich ein Hof Suntilingen; die daraus hervorgegangene Siedlung wurde in karolingischer Zeit nach dem Oberhaupt Gunderat benannt.

[11] ein Zusammenschluss dreier ehemals selbstständiger Höfe, die sich nach der neuen Kirche benannten

[12] Wie das Beispiel von Leutershausen zeigt, war das einfache Hausen früher häufiger. Niedernhausen/ Obernhausen heißt im Volksmund heute noch ['hausə]. Die Unterscheidung ist ziemlich neu. Bei Georgenhausen gab es 1651 ein Häuser Rech, was vielleicht ebenfalls auf einen volkstümliches Hausen an Stelle des längeren Namen schließen lässt.

[13] ganz deutlich bei Hyson = Hinterhausen, das auf Neuland angelegt wurde M 304 zum Stichwort Grundbesitz

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Übersicht

 

Sachbezeichnung

Etymologie

 

Datum: 1995 / 2013

Aktuell: 24.09.2019