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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Völker-, Länder- und Gruppennamen

Schwaben, Suebi, Semnones, Alemannen

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Suebi und Semnones

Caesar

Tacitus

Ptolemaios

Suebi

Fluss und Stamm

Schwaben und Alemannen

Spitzname Gelbfüßler

Donauschwaben

iberische Suevi

Nordschwaben

Kakerlaken

 

Suebi und Semones

Caesar

Schon im ersten Jahr des Gallischen Krieges (58 / 57 v. Chr.) hatte Caesar mit "Barbaren" zu tun, die aus den Ländern rechts des Rheins nach Gallien einfielen und Ariovist, den rex Germanorum 'König der Germanen' zum Oberhaupt hatten. [1]
Kurz darauf melden die rechtsrheinischen Treverer, dass Verstärkung für Ariovist kommt, die Sueben, lat. Suebi
[2], die den Rhein überschreiten wollen. Da er befürchtet, dass diese "neue Schar sich mit den vorhandenen Truppen Ariovists" vereinigte, sah er sich gezwungen einzugreifen. Hier erfahren wir also zum ersten Mal den Namen dieses wichtigen Stammes, der in der Folgezeit den Römern viel zu schaffen machte.

Tacitus,

der sich 150 Jahre nach Caesar ausführlich mit dem Land zwischen Rhein und Weichsel beschäftigte, klärt uns in seiner "Germania" [3] über die Herkunft der Suebi auf:
Die Suebi waren ein größerer Stammesverband mit mehreren Unterstämmen, deren "ältester und edelster" oder "Hauptstamm" die Semnones waren. Offenbar handelte es sich um einen Kultverband, der durch einen zentralen heiligen Wald im Gebiet der Semnones und die gemeinsame Verehrung der "Erdmutter" Nerthus mit einem eigenen heiligen Hain auf einer Insel zusammengehalten wurde.
Kennzeichnen für dieses Volk war, dass die Männer ihre Haare zu einem Knoten zusammenbanden ("Suebenknoten").

Ptolemaios

unterscheidet die Stämme der

Συήβων τῶν Ἀγγείλων Suḗbōn tōn Angī́lōn 'Suebi der Angeln' westlich der Elbe

Συήβων τῶν Σεμνόνων Subōn tōn Semnónōn 'Suebi der Semnones', die zwischen Elbe und dem Fluss Συῆβος Swḗbos wohnten. [4]

Dieser Fluss war der östliche von zwei Flüssen zwischen Elbe und Oder [5] und entsprang im Askiburgion-Gebirge (am Nordrand von Böhmen?). Dort entspringen Spree (zur Havel) und Neiße (zur Oder). [6]

Die Semnones werden letztmals in der Zeit Mark Aurels (161-180) [7] erwähnt und verschwinden danach aus der Geschichte, vermutlich weil die Bevölkerung unter dem Namen Suebi im Laufe der Zeit nach Südwesten abgewandert ist und dort den neuen Stammesverband der Alemannen bildete. In das alte Siedlungsgebiet östlich der Elbe drangen die Slawen ein. Als dann durch die Ostkolonisation dieses Gebiet wieder deutsch wurde, bekam die Havel ihren heutigen Namen [8] .

Der Name Semnonen

Die Suebi

scheinen also aus den Semnones hervorgegangen zu sein, als sich andere Stämme diesem Verband anschlossen, wie Tacitus glauben lässt.

Wichtige swebische Teilstämme waren nach Tacitus die

  • Langobardi (untere Elbe)

  • Semnones (Brandenburg)

  • Hermunduri (mittlere Elbe, oberer Main)

  • Naristi (Ostbayern)

  • Markomanni (obere Elbe, Böhmen)

  • Quaden (später in Süd-Mähren)

Fluss und Stamm?

Diskussion

Schwaben und Alemannen

Die Schwaben zwischen Schwarzwald und Lech sind Nachkommen der Germanen, die von den Römern als Suebi Nicrenses (Nicretes) 'Neckar-Suebi' am unteren Neckar angesiedelt worden waren. Sie gingen auf in dem seit 213 bekannten Verband der Alemannen. Schwaben und Alemannen war anfänglich gleichbedeutend.

Der Name ist wohl zu verstehen als 'alle Mannen = alle Menschen, Menschheit, Volk',
vgl. got. in allaim alamannam 'bei der ganzen Menschheit' (Skeireins 8b)

Heute unterscheiden sich

  • die Schwaben in Württemberg und Westbayern (Altsiedler) von den

  • Alemannen in Südbaden, Elsass, Schweiz, Liechtenstein und Vorarlberg (Neusiedler)

grundlegend durch ihren Dialekt. Das kommt daher, dass sich vom ursprünglichen Herzogtum Schwaben um 1100 die Markgrafschaft Baden abspaltete.

Gelbfüßler

Gelbfüßler war ursprünglich ein Spitzname der Schwaben. Um 1900 wurde er auf die Badener übertragen und dient heute fast ausschließlich zur Bezeichnung dieser Menschen. Dass eigentlich die Schwaben (Württemberger) gemeint waren, ist in Vergessenheit geraten.

Der älteste Beleg stammt von Johann Fischart, Gargantua" (1582). Die älteste Erklärung ist, dass es sich um arme Leute handelte, die barfuß liefen und entsprechend "gelbe" Füße hatten. Bei den "Sieben Schwaben" hat man eine Erklärung erfunden, die Bopfinger hätten Eier abliefern müssen und sie zertreten, um Platz zu sparen. Später dachte man an gelbe Hosen der Soldaten oder die Landesfarbe im Wappen. Das scheinen mir aber alles spätere Umdeutungen zu sein.

Die Donauschwaben

Nach schwäbischen Auswanderern, die im 17er-Jahrhundert in die Länder an der unteren Donau gezogen waren, nannte man die dortigen Deutschen Banater Schwaben und Sathmarer Schwaben. 1922 erhielten die Deutschen an der mittleren Donau den zusammenfassenden Namen Donauschwaben.

Die iberischen Suevi

Eine andere Gruppe der Suebi, lat. Suevi, zog 407 mit Wandalen und Alanen aus ihrer ostdeutschen Heimat zur iberischen Halbinsel und gründete dort ein Reich, das 585 von den Westgoten erobert wurde.

Die Nordschwaben

4" siedelten sich zwischen Harz und Elbe Schwaben an, entweder Reste der ehemaligen Elb-Suebi oder umgesiedelte Süddeutsche, und bildeten dort den Schwabengau. Karte (östlich von Quedlinburg).

Unabhängig davon sind wohl die im Sachsspiegel erwähnten Schwaben (königliche Beamte der Staufer?).

Schwaben 'Kakerlaken'

Die Küchenschabe oder der Kakerlak heißt in manchen Gegenden die Schwabe. Dieses Insekt wurde erst in der Neuzeit aus Südamerika eingeschleppt, hat also keinen alten Namen.

  • Kakerlak ist sichtbar ein Fremdwort, wohl verderbt aus engl. cockroach < span. cucachara 'Schabe'

  • Die Venezianer nannten den neuartigen Schädling sciavo 'Slawe', wie dt. mda. Preuße, Russe, russ. прусак = poln. prusak 'Preuße', poln. francus 'Franzose', nicht nur, weil man Ausländern sowieso alles mögliche Schlechte zutraut, sondern weil man ausländische Neuerungen gern nach irgendwelchen Ländern benennt: z.B. engl. turkey 'türkischer Hahn, Truthahn' = mda. Welschgickel 'romanischer Hahn' oder Welschkorn 'Mais' (beides aus Amerika).

  • In Deutschland bekam in Anlehnung an sciavo [ʃavo] das alte deutsche die Schabe die neue Bedeutung 'Kakerlak'. Das Wort hat ursprünglich andere Gliederfüßler bezeichnet (ahd. scaba, mhd. schabe 'Motte', nach DWB 14,1947 auch 'Milbe' und 'Kellerassel').

  • In einigen Gegenden (Bayern, Franken, Thüringen, Hessen, Rheinland, natürlich nicht in Württemberg, aber auch nicht in Norddeutschland) kam dafür das ähnliche Wort die Schwabe auf, später auch männlich.
    Dieses Wort muss nicht direkt mit dem Stammesnamen zusammenhängen, sondern könnte aus ahd., mhd. sweben sich hin- und herbewegen' abgeleitet sein.
    Vgl. das verwandte Wiebel 'Art Käfer':

ahd. wibil 'Käfer'

nhd. wiebeln 'wimmeln, sich unruhig bewegen, herumwuseln'

Fluss Wiebelsbach

nhd. Schwabe 'Kakerlake'

ahd. swebên 'branden, wogen, schweben, fliegen'

Fluss Swêbas, Schwabach

  • nicht hierher: die kabylischen Żuaua

 

[1] Bellum Gallicum 1,31,10

[2] ebd. 1,37,3

[3] Germania 38 f

[4] Geographie 2,11,8

[5] ebd. 2,11,7

[6] Die Angaben des Ptolemäus sind aber sehr unzuverlässig. Asciburgium lag nach Tacitus 3 am Rhein, (heute Asberg bei Moers? Reclam 726 S. 52)

[7] Cassius Dio 20,2

[8] zu Haff 'Meer' wegen der vielen Seen (DudenGND 127)
Die Zuordnung von VN zu FsN ist aber zweifelhaft.

[9] ursprünglich ein FsN, eine verdeutlichende Zusammensetzung mit ahd. aha 'Fluss'

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Übersicht

 

Büchler, Der Raum am Unteren Neckar

Diskussion

 

Datum: 2005 / 19

Aktuell: 03.09.2019