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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Völker-, Länder- und Gruppennamen

hErmunduri, Thüringer

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Name

 hErmunduri

Teuriokhaîmai

Thüringer

Geschichte

 

Name

hErmunduri

Nach Tacitus Germ. 2 lebten die

  • hErmundūri,

in Thüringen und Franken. Sie waren Teil des größeren Stammesverbandes der

  • hErminones,

zu denen nach Pilinus Hist, nat. 4,28 auch die Sweben, Chatten und Cherusker gehörten.

Das gemeinsame Namensglied hErmun- hErmin- (mit leichtem Hauch vor dem /e/) lautet ahd. irmin und bedeutet wohl 'erhaben'. Nach Tacitus stammt der Name von einem Stammesheros, Sohn des Urmenschen Mannus und Enkel Tuistos.

hErmunduri wären also die sich von Ermin abstammenden Duri,
deren Name wohl mit teuer 'lieb, kostbar' und dauern 'Mitleid erregen' zusammenhängt.

Merkwürdig ist, dass die hErmunduri bei Ptolemaios nicht genannt werden und seit etwa 180 aus der Geschichte verschwinden. Sie haben sich wahrscheinlich in zwei Gruppen gespalten, die späteren Thüringen im Norden und die Juthungen im Süden, sie sich den Alemannen anschlossen.

Die Endung ing-, ung- zeigt, dass beide Stämme sich als Nachkommen anderer Gruppen fühlten, also u.a. der hErmunduri.

Τευριοχαῖμαι (Teuriokhaîmai)

nennt Ptolemaios 2,11.11 im 1er Jahrhundert an Stelle der hErmunduri einen Stamm an der oberen Elbe, nordöstliche Nachbarn der Τουρωνοί (Tourōnoí).

  • Das zweite Glied von Τευριοχαῖμαι (Teuriokhaîmai) ist das germanische heim 'Wohnung, Heimat'; der Name bedeutet also 'Heimat derTeurii und deutet wie bei Böhmen < Boihaemum 'Boierheimat' an, dass das namengebende Volk Nachfolger eines anderen (etwa der hErmunduri) ist.
    Wenn es richtig ist, dass die Teurioheimer Nachfolger der hErmunduri waren, dann wäre das ein erster, sehr früher Beleg für die hochdeutsche Lautverschiebung, in der etwa aus diuri > teuer wurde.

  • Anderenfalls müsste man annehmen, dass das /t/ Lautersatz für germanisches /þ/ ist. Dann hätten die Teurioheimer mit den hErmunduri und vielleicht auch mit den Thüringern nur zufällige Namensähnlichkeit. Es ist doch ziemlich unwahrscheinlich, dass nacheinander im selben Gebiet drei Gruppen mit ähnlichen Namen lebten, die nicht miteinander verwandt waren.

Thüringer

Im 3er Jahrhundert taucht dann in antiken Quellen der Name Thüringer auf als

  • Toringi, Turingi, Θεουρίγγοι (Theuríngoi),

daraus der Landesname

  • Thoringia, Thuringia

und in fränkischer Schreibung

  • Duringa, Duringun > Düring, Düringen
  • Siedlungsname Durincheim > Dürkheim, Türkheim

Die wahrscheinlichste Erklärung ist also, dass sich ein Zweig der Herminiones oder vielleicht auch ihr Kern, die hErmunduri, im 1er Jahrhundert in mehrere Teilstämme auflöste, zu denen im Norden die Teurioheimer und Turones gehörten, die sich seit dem 3er Jahrhundert Thüringer nannten.

Hermunduri > Teurioheimer + Turones > Thüringer

Auch die germanische Anfügung -ing deutet an, dass die Thüringen von einer anderen Gruppe mit ähnlichem Namen abstammen.

Geschichte

Thüringen wurde nach 511 von den Franken erobert und dem fränkischen Reich einverleibt.
Im Hochmittelalter beginnt ein neuer Abschnitt der Geschichte: Die Landgrafen (seit 1130) auf der Wartburg regierten zugleich über Thüringen und Nordhessen. Die heilige Elisabeth, Landgräfin auf der Wartburg, wurde Stammmutter der hessischen Landgrafen. Seit 1485 zerfiel Thüringen in mehrere Kleinstaaten; der Norden wurde 1815 preußisch. Die vier restlichen Herzogtümer schlossen sich 1920 zum Bundesstaat Thüringen zusammen, der 1933 wieder aufgelöst wurde. 1949 entstand es wieder in der Sowjetischen Besatzungszone, wurde aber bereits 1952 wieder aufgelöst. Das heutige Bundesland Thüringen wurde 1990 im Rahmen der Wiedervereinigung gebildet.

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Übersicht

 

 

 

Datum: 2005

Aktuell: 09.02.2019