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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Götternamen

Der Gott Baal, Bel

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Baal

Ugarit

kanaanäisch

biblisch

Bel

ostsemitisch

Belial

 

Semit. baʕlu bedeutet 'der die Verfügungsgewalt hat, Herr, Besitzer, Ehemann' und war Ehrentitel verschiedener Götter:

Aussprache: Die traditionelle Schreibung <Baal> verführt dazu, den Namen ['baʔal] zu sprechen. Da aber bereits im Altertum nur ein Vokal überliefert ist, ist [ba:l], die Empfehlung des Aussprache-Duden, vorzuziehen.

  • Ugarit bʕl (Baal)

    • Titel des Wettergotts Hd (biblisch הדד Hadad). Er besiegt das Chaosungeheuer Yam 'Meer' und erringt damit die Oberherrschaft über die anderen Götter, die bisher der Göttervater İl innehatte. Er trägt die Titel zbl bʕl arṣ 'Fürst, Herr der Erde' und alyn bʕl 'Sieger Baal'.

    • andere Götter

      • bʕl ṣpn 'Herr des Nordens', wo man sich den Götterberg dachte.

      • bʕl knp 'der mit den Flügeln'

      • bʕl ḥẓ 'der mit dem Bogen' = Rašap (Unheils- und Fruchtbarkeitsgott)

  • kanaanäisch בעל, Keilschrift: baḫlu, balu = baʕlu

    • Titel des Wettergotts (biblisch הדד Hadad und רמון Rimmôn), Sieger über das Chaosungeheuer Leviathan / Rahab (in der Bibel angedeutet und auf Jahwe bezogen).

      • Im Neuen Reich wurde der Wettergott unter dem Namen bʕr auch in Ägypten verehrt und mit dem Unheilsgott Seth gleichgesetzt.
        /r/ ist nur Schreibung, tatsächlich wurde /l/ gesprochen.

    • wsem. בעל שמימ baʕl šamêm 'Herr des Himmels'

    • phön. בעל צר baʕl Ṣur 'Herr von Tyrus' = Melkart. Von Tyrus aus verbreitete sich der Kult dieses Gottes über Karthago bis nach Spanien. Hannibal trägt seinen Namen ('Baals Gnade').

    • biblisch: hbr. בעל baʕal, griech. Βααλ = lat. Baal

      • In der Frühzeit setzten die Israeliten Jahwe mit Baal gleich und übernahmen damit religiöse Bräuche, die sich mit dem angestammten Jahweglauben nicht vereinbaren ließen. Propheten wie Elija und Hosea kämpften entschieden dagegen an.
        1. Kön 17 f: König Ahab lässt einen Baalstempel für seine Frau Isebel bauen, die aus Tyrus stammte. Sie bezahlte Priester und Propheten aus eigener Tasche und versuchte den Jahwekult zu unterdrücken. Elija kündigt eine lange Trockenheit als Strafe Jahwes an. Er "beweist" durch ein Wunder, dass Baal im Unterschied zu Jahwe nicht fähig ist, sein Opfer anzuzünden und dass allein Jahwe Regen machen kann. - Baal wurde also damals nicht nur als Stadtgott von Tyrus, sondern auch als Wettergott verehrt.
        Ideeller Gegner der späteren Propheten ist nicht der eine Baal, sondern eine Vielzahl von "Baalen", die in lokalen Heiligtümern verehrt wurden. Durch die vielen unterschiedlich ausgeprägten Kulte und ihre Priesterschaften zersplitterte die ursprüngliche Einheit der Gottheit (hier des Wettergottes) in viele lokale Erscheinungsformen, so dass die Propheten von vielen "Baalen" sprechen konnten.

      • Lokale Kulte

        • בעל ברית baʕal berît 'Bundesherr' Ri 8,33; 9,4 = אל ברית él berît 'Bundesgott' Ri 9,46, wohl = Jahwe, Sitz in Sichem

        • בעל פעור baʕal peʕôr 'Herr des Berges Peor' (Ostjordanland) Num 25,3.5

        • בעל זבוב baʕal zebûb 'Herr der Fliegen'  2 Kö 1, Gott von Ekron
          Die griechische Übersetzung des Symmachos hat Βεελζεβουλ Beelzebul, das wohl die ursprüngliche Form ist und an Ugarit. zbl bʕl arṣ 'Fürst, Herr der Erde' und phön. בעלאזבל baʕlâ-zebul 'der Herr Fürst' erinnert. Zwar gab es auch in der Antike einen "Fliegengott", man kann aber annehmen, dass das biblische
          baʕal zebûb eine absichtliche Entstellung des Namens ist.

          • Im Neuen Testament ist die aram. Form Βεελζεβουβ Beelezebub ein Name des Teufels; auch hier findet sich die Nebenüberlieferung Βεελζεβουλ Beelzebul.
            Sprachecke 17.05.2016

            • Beelzebub, verballhornt Belzebock war im Rheinland und Donauschwäbischen ein Begleiter des Nikolaus. Daraus entstand die Gestalt des hessischen und pfälzischen Belznickels.
              Um 1950 kam der Nikolaus zu uns in die Schule mit Bart, Bischofsmütze und einem Schafpelzmantel. Der ihn begleitende Knecht Ruprecht trug einen blauen Arbeitsanzug mit entsprechender Mütze und einer bärtigen Maske.

  • ostsemitisch Bēlu = Marduk
    hbr. בל Bêl, griech. Βήλ Bḗl, Βῆλος Bêlos, syr. Bêl, arab. ND بىل Bêl
    Die Babylonier nannten ihren Stadtgott Marduk  auch Bēlu und erzählten von seinem Sieg über das Chaosungeheuer Tiamat. Unter diesem Namen wird er auch in der Bibel erwähnt (Jes 46,1, Jer 50,2; 51,44 und im griech. Dan 14).

Neutestamentlich Βελιαλ Belial, Βελιαρ Beliar (2 Kor 6,15) ist ein anderer Name des Teufels und hat nichts mit Baal zu tun, sondern kommt von hbr. בליעל beli-jaʕal 'ohne Nutzen, Schlechtigkeit, Bosheit, Verderben'. Das Wort ist eigentlich ein Abstraktum. Formulierungen wie בני בליעל benê belijaʕal 'Söhne der Bosheit' (Qumran, gemeint sind böse Menschen) konnten den Eindruck entstehen lassen, dass Belial ein persönliches Wesen ("Teufel") sei.

 

Schrift: ARIAL UNICODE MS

Sonderzeichen

Abkürzungen


 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Übersicht

 

die Vokabel baʕlu

 

Datum: 2007

Aktuell: 16.02.2018